Bürgervotum in NeckarweihingeN
LUDWIGSBURG | 10. Oktober 2012

Bürger wollen den Standort Neckarterrasse

So ein deutliches Ergebnis hatte wohl weder im Stadtteil noch im Rathaus irgendjemand erwartet: 74,9 Prozent der Neckarweihinger machten ihr Kreuz für den Standort Neckarterrasse.

Bis Punkt 19 Uhr konnte gestern im Neckarweihinger Rathaus abgestimmt werden. Danach zählten Jürgen Schindler (rechts), Leiter des Teams Wahlen bei der Stadt und zwölf Helfer die Stimmen aus.
Bis Punkt 19 Uhr konnte gestern im Neckarweihinger Rathaus abgestimmt werden. Danach zählten Jürgen Schindler (rechts), Leiter des Teams Wahlen bei der Stadt und zwölf Helfer die Stimmen aus.
Fotos: Holm Wolschendorf
Gespannt warteten Stadträte und Bürger darauf, dass Oberbürgermeister Werner Spec (links) mit dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried (Mitte) das Ergebnis verkündete.

Gespannt warteten Stadträte und Bürger darauf, dass Oberbürgermeister Werner Spec (links) mit dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried (Mitte) das Ergebnis verkündete.

Die Spannung auf das Ergebnis des Bürgervotums ließ sich gestern Abend im Neckarweihinger Rathaus fast mit den Händen greifen. Fraktionsvertreter und interessierte Bürger waren um 19 Uhr ins Neckarweihinger Rathaus gekommen, um die Auszählung des ersten Bürgervotums in einem Ludwigsburger Stadtteil live mitzuerleben.

Schon bei der Auszählung zeigte sich: Die Stimmzettel mit dem Kreuz beim Standort Neckarterrasse stapelten sich deutlich höher. Um kurz vor 20 Uhr gab Oberbürgermeister Werner Spec dann das vorläufige Endergebnis des Votums bekannt. Von 5493 stimmberechtigten Einwohnern im Stadtteil haben 1872 ihre Stimme abgegeben. Ungültige Stimmen gab es null – dafür erntete Spec spontan Applaus. Auf die Neckarterrasse entfielen 1402 Stimmen (74,9 Prozent), für den Kombistandort aus Schule und Supermarkt am Standort Schwarzwaldstraße stimmten lediglich 470 Bürger (25,1 Prozent). Die Beteiligung lag bei 34 Prozent.

„34 Prozent ist kein schlechter Wert, eine noch stärkere Beteiligung wäre natürlich besser gewesen“, sagte Spec. „Die Beteiligung bietet ein ausreichendes Fundament für die am 23. Oktober anstehende Entscheidung des Gemeinderats.“ Spec betonte noch einmal, dass es ihm wichtig gewesen sei, dass die Bürger die Auswahl zwischen zwei Alternativen haben, auch wenn sie sich nun für die aus seiner Sicht „zweitbeste Lösung“ entschieden haben.

„Für eine Abstimmung ist die Beteiligung gut – aber nicht sehr gut“, kommentierte Klaus Herrmann, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Ich gehe davon aus, dass sich die CDU-Fraktion im Gemeinderat einstimmig für den Standort Neckarterrasse ausspricht.“ Margit Liepins (SPD) hatte in vielen Gesprächen im Stadtteil eine Vorliebe für die Neckarterrasse herausgehört. Auf ein so deutliches Ergebnis zugunsten des von ihr favorisierten Standorts im Neubaugebiet hatte sie nicht zu hoffen gewagt: „Ein Patt wäre das Schlimmste gewesen.“

Auch Helga Schneller (Freie Wähler) freute sich über das Ergebnis: „Das deutliche Ergebnis für die Neckarterrasse ist eine Erleichterung und eine große Hilfe für uns“, sagt sie. „An diesem Ergebnis kommt der Gemeinderat nicht vorbei.“

Einzig die Grünen-Fraktion hatte sich im Vorfeld für den Kombibau aus Schule und Supermarkt in der Schwarzwaldstraße ausgesprochen, den auch der Oberbürgermeister gerne in Neckarweihingen verwirklicht gesehen hätte. „Wir werden das Ergebnis des Bürgervotums auf jeden Fall akzeptieren, auch wenn wir weiterhin die Schwarzwaldstraße für den besseren Standort halten“, sagte Markus Gericke (Grüne). Er konnte dem Ergebnis auch Positives abgewinnen: „Immerhin hat ein Viertel der Bürger die Meinung der Grünen geteilt.“ In der aufgeheizten Stimmung seien die Argumente für den Kombibau nicht zu den Leuten durchgedrungen. Ähnlich erklärte sich auch Werner Spec das Ergebnis: „Die relativ frühe Festlegung auf die Neckarterrasse hat bei einigen zu Blockaden geführt.“

Über das klare Votum für die Neckarterrasse freute sich Roland Schmierer, der Vorsitzende des Neckarweihinger Bürgervereins, sehr: „Für die Entwicklung des Stadtteils war das die richtige Entscheidung.“ Sein Verein hatte Seite an Seite mit dem Förderverein der Friedrich-von-Keller-Schule gegen den Kombibau gekämpft. Der Fördervereinsvorsitzende Gerhard Seeger bezeichnete sich selbst als glücklich und zufrieden, dass die Schule nun saniert wird, für geschätzte 15,68 Millionen Euro: „Jetzt kann niemand mehr den Wein verwässern.“

Stephanie Bajorat
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