
Controller soll Kosten in Griff bekommen

In letzter Zeit haben sich die Stadträte bei Bauprojekten immer wieder anhören müssen: Es wird teurer als gedacht. Mal wird vergessen, den Boden genau zu überprüfen, obwohl im Gelände des früheren Feuersees gebaut wird. Mal ist die Bühnentechnik nicht im Kostenplan drin, wie beim Scala. Oft sind es aber auch Gründe, die außerhalb der Macht des Bauamts stehen – der enorme Druck, im Schul- und Betreuungsbereich fast alles auf einmal bauen zu müssen, die immensen Preissteigerungen, veränderte Vorgaben.
Mehr Controlling soll’s nun richten, auch wenn man davon keine Wunderdinge erwartet. Skeptisch ist die CDU in diesem Punkt, die sich dem Antrag nicht angeschlossen hat. „Wir wollen der Verwaltung keinen Sheriff hinstellen“, so CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann, der es aber für sinnvoll ansieht, wenn sich die Stadt bei einzelnen Bauten beraten lässt.
Auf mehr Kontrolle setzen die Fraktionen von SPD, Freien Wählern und FDP sowie die fraktionslose Edeltraud Lange. Sie verlangen in einem gemeinsamen Antrag einen Controller, auf den auch andere Städte zurückgreifen, wenn sie zeitlich angespannt sind oder größere Bauvorhaben angehen. Neu wäre das in Ludwigsburg nicht, beim Bau der Arena war ein solches Büro eingeschaltet.
Für jeden Hochbau mit Kosten von über 1,5 Millionen Euro soll, so der Antrag, ein unabhängiger Controller hinzugezogen werden, der die Planung und die Kosten überprüft. „Wir haben bei einigen Projekten wie beim Grundschulcampus völlig unübliche Kostensteigerungen“, findet Eckart Bohn (SPD). Angesichts weiterer großer Investitionen in den nächsten Jahren wäre es sinnvoll, vorher zu wissen, worauf man sich einlasse. „Bei der U3-Betreuung in Hoheneck hat der Gemeinderat den Standard hinterfragt und 200 000 Euro gespart.“ Die Stadträte sehen sich aber außerstande, in die Tiefe bis in die Werkplanungen einzusteigen. Dies müssten sich Fachleute anschauen und dann Vorschläge vorlegen.
„Die Baukosten laufen aus dem Ruder“, so Helga Schneller (Freie Wähler), man müsse jetzt reagieren. „So kann es nicht weitergehen.“ Die Freien Wähler möchten an den Standards ansetzen, sehen aber auch handwerkliche Fehler, weil derzeit viele Bauten gleichzeitig abgewickelt werden. Wilhelm Haag, FDP-Stadtrat und selbst Architekt, sieht darin eher eine Stütze für die Verwaltung. Man brauche einen Projektbegleiter, der „sagt, wo es langgeht“. Gerade dann, wenn viele Bauherren und verschiedene Nutzer an einem Bau beteiligt seien.
Zu viel Misstrauen sieht Herrmann (CDU) bei den anderen Stadträten. „Die Verwaltung macht ihre Arbeit gut – auf die Fehler wird aber das Brennglas gerichtet“, sagte er. Die Fehler gebe es, er findet aber, dass nicht immer mit richtigem Maß gemessen wird. Auch andere Städte müssten sich mit ähnlichen Kostensteigerungen herumschlagen. „Es häuft sich bei uns“, sagt er, weshalb er eine begleitende Beratung gut fände.
Die Bauverwaltung, die angesichts der Fülle an Baustellen bereits stark ausgelastet ist, bekommt nochmals Druck. Sie sieht sich zu Unrecht dem Vorwurf ausgesetzt, Geld zu verschwenden. Jedes Jahr bis zu 20 Millionen Euro und mehr setzt der Fachbereich Hochbau um, in den nächsten Jahren steht ein Programm von 120 Millionen Euro an. Ein gewaltiges Volumen – was die Arbeitsbelastung hochtreibt. Einerseits werde Personal gespart, so der Baubürgermeister Hans Schmid, auf der anderen Seite wird mehr gebaut als jemals zuvor. 180 Baustellen hat er gezählt.
Für die Unsicherheiten bei den Kosten hat er mehrere Gründe ausgemacht. Gerade der Ausbau der Schulen und der Kinderbetreuung – diese soll bis 2013 möglichst gewährleistet sein – habe zu einer Preisverzerrung geführt. „Die Konjunktur spinnt“, so Schmid. Unter den vielen Bauten, die saniert oder umgebaut werden, sind viele Billigbauten aus den 50er bis 70er Jahren. „Das müssen wir jetzt ausgleichen.“
Problematisch sei auch, so Schmid, dass man viel zu früh die Kosten benenne. Verändere sich die Bausumme, so Schmid, sei dies oft die Folge einer genaueren Planung oder von zusätzlichen Raumwünschen, die eingearbeitet wurden. Für mögliche Fehler macht er den Zeitdruck verantwortlich. „Mit mehr Vorlauf, mehr Personal könnte manches früher und genauer ausgearbeitet werden.“ Deshalb fordert er inzwischen zwei Personalstellen ein. Schmid hat nichts gegen ein Controlling. „Controlling ist aber keine Wunderwaffe“, warnt er. Zumal er überzeugt ist, dass man nicht beliebig sparen kann. „Wenn, dann muss man auch ans Raumprogramm ran.“