



Der Führungswechsel des DRK- Kreisverbandes scheint erste Früchte zu tragen. Der Wirtschaftsprüfer habe dem Sanierungspaket attestiert, dass es eine geschäftliche Weiterentwicklung möglich mache, sagt Utz Remlinger, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes. Remlinger, zugleich Vize-Landrat, hat sein Amt beim Roten Kreuz Ende 2011 angetreten, als der Kreisverband in eine tiefe Krise rutschte. Grund für die finanzielle Schieflage war unter anderem Misswirtschaft im Rettungsdienst. So ist der ehemalige DRK-Geschäftsführer ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Darüber hinaus sei man bei Geschäfts- und Buchungsvorgängen auf Dinge gestoßen, die nachverfolgt werden müssten. „Wir können nicht ausschließen, dass wir an den ein oder anderen aus dem alten Vorstand Regressansprüche stellen werden“, so Remlinger.
2011 hatte der laufende Betrieb ein Minus von 1,1 Millionen Euro. „Fürs Jahr 2012 rechnen wir mit einem Defizit von 500 000 Euro“, so der Vorsitzende. Trotzdem sagt Interimsgeschäftsführer Karl-Heinz Spitznagel: „Die Schulden, die wir haben, kriegen wir in den Griff.“ Das Eigenkapital übersteige die Verbindlichkeiten. Derzeit werde der Schuldenberg abgetragen und allein gegenüber den Krankenkassen mehr als 400 000 Euro an Verbindlichkeiten getilgt. Diese belasten laut Spitznagel hauptsächlich den Betrieb des Rettungsdienstes – der Geschäftszweig, der rote Zahlen schreibt.
Mit dem neuen Sanierungskonzept sieht er das Problem aber in drei bis fünf Jahren gelöst. Laut Vorstandschef Remlinger wurden mit den Krankenkassen bessere Bezahlungen ausgehandelt und man wolle sich organisatorisch besser aufstellen.
Auf eine schwarze Null kommt nach Angaben des Kreisvorsitzenden dagegen der Bereich der Sozialarbeit. Angebote wie Behindertenarbeit oder Jugendgerichtshilfe wolle das DRK eher stärken, je nachdem, wie das finanziell darstellbar sei. Die Aids-WG, die wegen ihres großen Personalaufwands auf der Kippe stand, wird weiterbetrieben. Dazu würden Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern geführt.
Auch die ambulante Pflege bleibt. Allerdings wurden vor ein paar Wochen einigen Kunden die Verträge gekündigt, weil die DRK-Sozialstation zu wenig Personal hatte. Seit 1. September habe deren neuer Leiter seine Tätigkeit aufgenommen und auch für weitere freie Stellen sieht Remlinger nun Chancen, sie wiederzubesetzen. Peu à peu wolle das DRK die Arbeit in diesem Bereich dann wieder ausweiten.
Wichtig für die Sanierung sind die Finanzhilfen der DRK-Ortsverbände und des Landesverbands. Nach Angaben von Remlinger haben Erstere 500 000 Euro gegeben und der Landesverband stellt insgesamt 600 000 Euro an zinsgünstigen Darlehen für den Kreisverband bereit. Zudem versuche das DRK, seine Immobilien zu verkaufen. Derzeit laufen Gespräche mit der Stadt Ludwigsburg, die Interesse an der DRK-Kreisgeschäftsstelle in der Alt-Württemberg-Allee hat.
Insgesamt 600 000 Euro einsparen will man in den nächsten Jahren beim Personal. „Unser Ziel ist, mit Verdi zu einem drei Jahre laufenden Notlagentarifvertrag zu kommen“, so Remlinger. Derzeit verhandeln DRK und Arbeitnehmer darüber. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dafür ausgeschlossen werden. „Die Mitarbeiter sind bereit, zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze einen Beitrag zu leisten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Mayer-Kalmbach – wenn das Sanierungskonzept schlüssig sei. Gehaltskürzungen wolle man aber vermeiden und lieber an Einmalzahlungen wie beim Weihnachtsgeld ansetzen.





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Vor wenigen Tagen musste der ehrenamtliche Kreisvorsitzende des DRK-Kreisverbandes Rems-Murr, Herr Johannes Fuchs, der bekanntlich im Hauptberuf Landrat des gleichnamigen Landkreises ist, anlässlich eines Pressegesprächs unmittelbar vor der jährlichen DRK-Mitgliederversammlung in Plüderhausen der örtlichen Presse Rede und Antwort stehen:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.waiblingen-rotes-kreuz-wieder-gut-aufkurs.9ec7b403-7109-47c7-b0c5-927137ade17c.html vom 20.09.2012 (2 Seiten)
http://www.bkz-online.de/node/460963 vom 21.09.2012
Das Defizit von 571.000 Euro (2010) konnte nach Angaben von Herrn Fuchs auf rund 66.000 Euro (2011) gedrückt werden. Wie das gegangen sein soll, verrät der dortige DRK-Kreisvorsitzende nicht. Denn bei den fünf angeschafften Rettungswagen (künftig fahren dort Kasten- statt Koffer-RTW) seien lediglich 50.000 Euro eingespart worden - durch harte Verhandlungen und einer einmaligen Spende einer kreisnahen Stiftung. Auch die "personellen Verlagerungen" können hierfür nicht ausschlaggebend sein - oder wurden bislang (Personal-)Kosten auf das Rettungsdienst-Unterkonto gebucht, die dort nicht hingehören? Den Vorwurf der "kreativen" Buchführung könnte man sich dort also gefallen lassen müssen.
Erfreuliches gibt es indes auch zu berichten: "Bezahlt werden alle Beschäftigten aber nach dem DRK-Tarifvertrag, sagte Utz Bergmann, der stellvertretende Kreisgeschäftsführer, auf die Frage, ob das Rote Kreuz wie andere Hilfsorganisationen aus Kostengründen auf Leiharbeiter setze. „Wir haben keinerlei Absicht, von dieser Praxis abzuweichen“, betonte er." (BKZ) Und von anderweitigen Einsparungen beim Personal war ja auch nicht die Rede!
Wobei: "Wir haben keinerlei Absicht..." klingt irgendwie nach Walter Ulbrichts "Niemand hat die Absicht" aus dem Sommer 1961...
Für seinen transparenten Umgang mit der Finanzmisere/-affäre ist dem neuen DRK-Kreisvorstand um Herrn Dr. Utz Remlinger, im Hauptamt Erster Landesbeamter des Landkreises, zu danken. Auch dafür, dass er nach eigenen Aussagen frühere Mitglieder des Kreisvorstandes zur Rechenschaft ziehen möchte. Neben den Mitgliedern des nach § 26 BGB geschäftsführenden Vorstandes, d. s. der ehemalige Vorsitzende und seine Stellvertreter, dürfte dies vor allem der ehemalige Schmatzmeister/Kassier sein - darüber hinaus aber auch die vom Kreisvorstand bestellten internen Kassenprüfer bzw. externen Wirtschaftsprüfer. Denn deren Hauptaufgabe war es ja, die Kassen(n) zu prüfen und deren Richtigkeit festzustellen.
Fraglich bleibt indes, ob die Regressansprüche (noch) justiziabel sind. Denn die Misswirtschaft fand wohl über einen sehr langen Zeitraum statt. Kritisch zu sehen sind zudem die Finanzierungshilfen der DRK-Ortsvereine für den finanziell angeschlagenen Kreisverband, da die dort eingeworbenen Gelder sicherlich zweckgebunden waren. Weder satzungs- noch steuerrechtlich dürfte es nämlich rechtens sein, wenn Mitgliedsbeiträge oder Spenden genutzt werden, um finanzielle Lücken in der Dienstleistung "Rettungsdienst" gestopft werden. Ähnliches kennt man aus dem östlichen Nachbarkreis, wo die DRK-Ortsvereine über Jahre anteilig auf Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen verzichten, damit die Schulden des dortigen DRK-Rettungsdienstes minimiert werden und zugleich die neue Rettungswache in Backnang finanziert werden kann...
ZITATANFANG "Insgesamt 600 000 Euro einsparen will man in den nächsten Jahren beim Personal. „Unser Ziel ist, mit Verdi zu einem drei Jahre laufenden Notlagentarifvertrag zu kommen“, so Remlinger. Derzeit verhandeln DRK und Arbeitnehmer darüber. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dafür ausgeschlossen werden. „Die Mitarbeiter sind bereit, zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze einen Beitrag zu leisten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Mayer-Kalmbach – wenn das Sanierungskonzept schlüssig sei. Gehaltskürzungen wolle man aber vermeiden und lieber an Einmalzahlungen wie beim Weihnachtsgeld ansetzen." ZITATENDE
Und dass nicht zuletzt auch die Hauptamtlichen ihren finanziellen Beitrag leisten müssen für das von allen Kontrollinstanzen (DRK-Landesverband, Landkreis Ludwigsburg, Krankenkassen) ignorierte Fehlverhalten ihrer haupt- und ehrenamtlichen Vorgesetzten, scheint angesichts der Verwerfungen in unserer modernen Wirtschaftswelt ja auch nichts Ungewöhnliches mehr zu sein. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ASB in der Region Stuttgart steht nach dem kürzlich erfolgten Rausschmiss ihres Regionalgeschäftsführers Ähnliches bevor...