Sanierungspaket
Kreis Ludwigsburg | 13. September 2012

Das DRK sieht Licht am Ende des Tunnels

Kreisverband des Roten Kreuzes rechnet für 2012 mit Defizit von 500 000 Euro – Sanierung soll in drei bis fünf Jahren in die schwarzen Zahlen führen

„Wir versuchen, Kündigungen zu vermeiden.“ – Utz Remlinger  DRK-Kreisvorsitzender

„Wir versuchen, Kündigungen zu vermeiden.“ – Utz Remlinger  DRK-Kreisvorsitzender

Der Führungswechsel des DRK- Kreisverbandes scheint erste Früchte zu tragen. Der Wirtschaftsprüfer habe dem Sanierungspaket attestiert, dass es eine geschäftliche Weiterentwicklung möglich mache, sagt Utz Remlinger, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes. Remlinger, zugleich Vize-Landrat, hat sein Amt beim Roten Kreuz Ende 2011 angetreten, als der Kreisverband in eine tiefe Krise rutschte. Grund für die finanzielle Schieflage war unter anderem Misswirtschaft im Rettungsdienst. So ist der ehemalige DRK-Geschäftsführer ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Darüber hinaus sei man bei Geschäfts- und Buchungsvorgängen auf Dinge gestoßen, die nachverfolgt werden müssten. „Wir können nicht ausschließen, dass wir an den ein oder anderen aus dem alten Vorstand Regressansprüche stellen werden“, so Remlinger.

2011 hatte der laufende Betrieb ein Minus von 1,1 Millionen Euro. „Fürs Jahr 2012 rechnen wir mit einem Defizit von 500 000 Euro“, so der Vorsitzende. Trotzdem sagt Interimsgeschäftsführer Karl-Heinz Spitznagel: „Die Schulden, die wir haben, kriegen wir in den Griff.“ Das Eigenkapital übersteige die Verbindlichkeiten. Derzeit werde der Schuldenberg abgetragen und allein gegenüber den Krankenkassen mehr als 400 000 Euro an Verbindlichkeiten getilgt. Diese belasten laut Spitznagel hauptsächlich den Betrieb des Rettungsdienstes – der Geschäftszweig, der rote Zahlen schreibt.

Mit dem neuen Sanierungskonzept sieht er das Problem aber in drei bis fünf Jahren gelöst. Laut Vorstandschef Remlinger wurden mit den Krankenkassen bessere Bezahlungen ausgehandelt und man wolle sich organisatorisch besser aufstellen.

Auf eine schwarze Null kommt nach Angaben des Kreisvorsitzenden dagegen der Bereich der Sozialarbeit. Angebote wie Behindertenarbeit oder Jugendgerichtshilfe wolle das DRK eher stärken, je nachdem, wie das finanziell darstellbar sei. Die Aids-WG, die wegen ihres großen Personalaufwands auf der Kippe stand, wird weiterbetrieben. Dazu würden Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern geführt.

Auch die ambulante Pflege bleibt. Allerdings wurden vor ein paar Wochen einigen Kunden die Verträge gekündigt, weil die DRK-Sozialstation zu wenig Personal hatte. Seit 1. September habe deren neuer Leiter seine Tätigkeit aufgenommen und auch für weitere freie Stellen sieht Remlinger nun Chancen, sie wiederzubesetzen. Peu à peu wolle das DRK die Arbeit in diesem Bereich dann wieder ausweiten.

Wichtig für die Sanierung sind die Finanzhilfen der DRK-Ortsverbände und des Landesverbands. Nach Angaben von Remlinger haben Erstere 500 000 Euro gegeben und der Landesverband stellt insgesamt 600 000 Euro an zinsgünstigen Darlehen für den Kreisverband bereit. Zudem versuche das DRK, seine Immobilien zu verkaufen. Derzeit laufen Gespräche mit der Stadt Ludwigsburg, die Interesse an der DRK-Kreisgeschäftsstelle in der Alt-Württemberg-Allee hat.

Insgesamt 600 000 Euro einsparen will man in den nächsten Jahren beim Personal. „Unser Ziel ist, mit Verdi zu einem drei Jahre laufenden Notlagentarifvertrag zu kommen“, so Remlinger. Derzeit verhandeln DRK und Arbeitnehmer darüber. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dafür ausgeschlossen werden. „Die Mitarbeiter sind bereit, zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze einen Beitrag zu leisten“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Mayer-Kalmbach – wenn das Sanierungskonzept schlüssig sei. Gehaltskürzungen wolle man aber vermeiden und lieber an Einmalzahlungen wie beim Weihnachtsgeld ansetzen.

Greta Gramberg
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