deutsche meisterschaft im kürbiswiegen
LUDWIGSBURG | 08. Oktober 2012

Das Jahr der dicken Kürbisse

Europarekord wird von Schweizer überholt – In einer Woche Showdown im Blühenden Barock

Beeindruckender Koloss, leuchtende Farbe: Das Wiegen ist Schwerstarbeit.
Beeindruckender Koloss, leuchtende Farbe: Das Wiegen ist Schwerstarbeit.
Foto: Ramona Theiss

„Definitiv, es war ein Kürbisjahr“, urteilt Stefan Hinner von Jucker Farmart, Organisator der Kürbisausstellung und der Wiegewettbewerbe. Kein Wunder, dass der deutsche Rekord gebrochen und mit 762 Kilo um 96 Kilo verbessert wurde. Johannes Tanner aus Illertissen packte sogar den Europarekord, der bei 730 Kilo stand. Allerdings nur kurz. Denn im schweizerischen Seegraeben, der Heimat von Jucker Farmart, legte Benni Meier bei der Schweizer Meisterschaft fast zeitgleich noch eins drauf: Sein Kürbis wiegt 768,5 Kilogramm, und damit hält er nun den Europarekord. Am nächsten Sonntag um 13.30 Uhr kommt der Schweizer Meister nach Ludwigsburg, wo er bereits die vergangenen drei Jahre antrat. Bei der Europa- Meisterschaft wird er sich dann mit Tanner messen – ein spannendes Unterfangen. Denn beide Früchte werden nun noch an Gewicht verlieren, wie viel, weiß keiner.

Wie gestrandete Blauwale liegen sie vor der Südfassade des Schlosses. Vom eigenen Gewicht eingedrückt, aber intakt. Einen Schönheitswettbewerb würden die wenigsten gewinnen, dafür aber den Preis für die dicksten Dinger. Manche sind auf Styropor gebettet, die anderen auf Schaumstoff- matratzen, damit sie sich nicht verletzen.

Auch wenn ein Gabelstapler gebraucht wird, um die Brummer auf den Euro-Paletten auf die Obstwaage zu lupfen: Sie werden immer noch mit Samthandschuhen angefasst. In ihnen steckt jede Menge Arbeit, vor allem aber Wasser satt. Denn bis zur Ernte hat so ein Kürbis 250 Vollbäder genommen. 200 bis 300 Liter Wasser verbraucht er täglich. Im Gewächshaus mit 50 Quadratmetern hat Nils Schuon aus Haiterbach seinen Kürbis großgezogen. „600“ schätzt er. Allabendlich hat er ihn zugedeckt, ihm Streicheleinheiten gegeben, ihm ab und an eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt. 300 Liter an heißen Tagen hat er gegossen, Fisch- und Algendünger gefüttert. „Wir haben Wasser aus der Zisterne genommen und kein Trinkwasser aus der Leitung.“ Er baut außerdem auf Kuhdung, Hühnerkacke sei zu aggressiv.

Das rasante Wachstum fasziniere, sagt Marcel Krüger aus Oeffingen. Bis zu 12,5 Kilo habe sein Kürbis täglich zugelegt. Zusammen mit 14 Kumpels züchtet er aus Jux und Dollerei seit vier Jahren Kürbisse. Eine Wette, wer den schwersten hat. Der Gewinner bekommt eine große Party. „Es ist eine Sucht, die du nicht wieder los wirst.“ Gestartet ist er mit „Kaliber 54 Kilo“. Heute steht er bei 400. „Mit Baumarktsamen nicht zu schaffen.“ Eine Schnapsidee, für die er täglich bis zu 250 Liter Wasser opferte. Und einen Schirm hat er ihm gegen den Sonnenbrand gebaut: „Zu heiß ist nicht gut.“

Am 4. November ist großes Kürbisschlachten im BlüBa, dann kann man Samen vom „Atlantic Giant“ ergattern. Aber: So richtig schmecken tut der nicht. Eigentlich ist nur sein Genpool von Bedeutung. Der Rest wird Kompost. Der deutsche Meister bekommt 1000 Euro, der Zweite 500, der Zehnte immerhin noch 50 Euro. Und Johannes Tanner winken weitere 1000 Euro, die für das Knacken der 700-Kilo-Marke ausgelobt wurden.

Und jetzt kommt auch noch die Tomate! Erstmals hat ein Kürbiszüchter einen „Paradeiser“ von etwa 1500 Gramm eingereicht. Noch grün, und groß wie ein Handball. „Das reicht für einen Salat zum großen Grillabend“, meint Sven Zirkelbach aus Unterfranken. Und bei weitem nicht so durstig wie ein Kürbis. Nur Ausgeizen müsse sein. Und ein Korsett aus Weide und Kabelbinder. Damit die Pflanze nicht geknickt ist.

von thomas faulhaber
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