artenschutz
sachsenheim | 07. September 2012

Die Mauersegler ziehen um

Sanierung der Ruine Alt-Sachsenheim beginnt im Oktober – Gelder von Bund und Land

Total mit Efeu verwuchert sind die alten Mauern der Ruine. Das Grünzeug muss vor der Mauersanierung entfernt werden,
Total mit Efeu verwuchert sind die alten Mauern der Ruine. Das Grünzeug muss vor der Mauersanierung entfernt werden,
Foto: Alfred Drossel

Die Sanierung der desolaten Mauern der Ruine Alt-Sachsenheim über Untermberg soll noch im Herbst beginnen. Gegenwärtig läuft die Ausschreibung der Arbeiten für die 250 000 Euro teuere Maßnahme. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz gibt 75 000 Euro. Der Bund schießt 90 000 Euro zu, das Land steuert 80 000 Euro für die Sicherung der maroden Burgruine bei. An der Stadt bleiben etwas mehr als 65 000 Euro hängen.

Bei den Planungen der Sanierung hatte der Artenschutz ein wichtiges Wort mitzureden. Die artenschutzrechtlichen Erkenntnisse und die Abwicklung der Arbeiten haben der Sachsenheimer Teamleiter des städtischen Bereichs Hochbau, Jürgen Rind, der mit einbezogene Bietigheimer Bauingenieur Johann Grau sowie die Biologen Dr. Rolf Gastl vom Landratsamt Ludwigsburg und Dr. Jürgen Deuschle abgestimmt.

Zwei Bauabschnitte sind vorgesehen. Zunächst wird bis November die Ost- und Südwand innen und außen saniert. Danach sollen zwischen Februar und April nächsten Jahres die Nord- und Westmauer sowie die zuvor ausgesparten Mauerfüße instand gesetzt werden. Zweimal acht Wochen Bauzeit sind eingeplant, wenn das Wetter im Winter mitmacht.

„Der Artenschutz hat bei dieser Sanierung höchste Priorität“, wie Jürgen Rind betont. So werden vor dem eigentlichen Bearbeiten der Mauern bereits Fugen, Spalten und andere Hohlräume überprüft, um sicherzustellen, dass sich in den Fugen keine Fledermäuse mehr befinden. Hierzu werden wir, wenn nötig, auch Endoskope einsetzen“, so Jürgen Rind.

Auch Mauersegler werden berücksichtigt: Sie erhalten weitere Nistmöglichkeiten als Alternative zur Mauer, beispielsweise in den Trockenmauern des einstigen Burggrabens. Es werden Steine im oberen Bereich der Mauer entnommen, die eine Stabilität nicht beeinträchtigen. Die dadurch entstehenden kleinen Höhlen können dann von den Vögeln genutzt werden. Der an der Südmauer brütende Turmfalke bekommt einen speziellen Nistkasten.

Mauerfugen sollen erhalten bleiben, um den Mauereidechsen den Lebensraum zu erhalten. Es werden sogar neue, tiefe Fugen geschaffen und nach oben verlaufende Gänge gebohrt. Für die Wildbienen wird ein Teil des Efeus erhalten. Die Baufirma ist aufgefordert, Rücksicht auf die Flora zu nehmen.

Ist die aufwendige Maßnahme an der Ruine abgeschlossen, sollen am Mauersockel Steine aufgeschüttet und mit einer Sandschicht bedeckt werden. Diese Steinschüttung soll vor neuem Pflanzenbewuchs schützen. Außerdem dient sie Tieren als zusätzliches Rückzugsgebiet. „Wir scheuen keinen Aufwand, um den Tieren und Pflanzen gerecht zu werden“, betont Jürgen Rind.

Die Sanierung der Burgruine hatte die Stadt eigentlich nicht auf ihrer Agenda gehabt. Aber dank der großzügigen Zuschüsse von gleich drei Seiten kann Sachsenheim nun die dringend notwendigen Arbeiten an den Resten der vorderen Burg der Herren von Sachsenheim angehen.

Bis April muss die Sanierung abgeschlossen sein, weil die Mauersegler wiederkommen. Dann soll die Ruine wieder für die Menschen zugänglich sein. Auch die Feste können dann wieder am alten Gemäuer stattfinden.

von alfred drossel
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