
Ein Viertel der Besucher sind Schulklassen

Gunther von Hagens plastinierte Körper waren lange Zeit ein Publikumsmagnet, die Besucher haben stundenlanges Warten in Kauf genommen, um die einzigartigen Ausstellungsstücke sehen zu können. Doch seit der ersten Schau in Japan 1995 hat von Hagens die Körperwelten in vielen Städten und Ländern gezeigt. Die Erfahrung in einigen Städten: die Warteschlangen sind kürzer geworden.
Michael Scholz und Helmut Klass, Geschäftsführer von Eventstifter, haben die Körperwelten nach Ludwigsburg in die Arena geholt – und dafür kräftig die Werbetrommel gerührt: 700 000 Programmflyer wurden verteilt, mit 9000 Plakaten haben sie nicht nur im Landkreis Ludwigsburg potenzielle Interessenten auf die Ausstellung in der Arena aufmerksam gemacht. „Nicht kleckern, sondern klotzen“, sei hier das Motto gewesen, so Klass.
Jüngster Werbegag: Selbst beim Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken stand ein Auto mit Werbeaufklebern. „Da sind immer viele Heavy-Metal-Fans aus Süddeutschland“, begründet Scholz.
Der Werbeetat von 250 000 Euro hat seine Früchte getragen: Bisher sind 85 000 Tickets im Vorverkauf und direkt an der Kasse in der Arena verkauft worden. Bis heute waren 66 400 Besucher in der Ausstellung.
Der Eröffnungstag Ende Juni war mit 792 Besuchern zugleich der schwächste Tag, doch dann ging es kontinuierlich bergauf. „Die Besucherzahlen haben sich seit der Eröffnung jede Woche gesteigert“, sagt Helmut Klass. Für ihn und Scholz ein Zeichen, dass die Besucher begeistert sind – und es Freunden und Bekannten weitererzählen.
„Wir freuen uns vor allem darüber, dass so viele Schüler gekommen sind“, sagt Michael Scholz. In anderen deutschen Städten habe der Anteil der Schüler lediglich zehn Prozent betragen. In Ludwigsburg waren zur Halbzeit 25 Prozent der Besucher Schüler.
Bester Tag war bisher der erste Sonntag nach Ferienbeginn mit 3256 Besuchern. „Samstag und Sonntag sind die stärksten Tage, da bildet sich dann auch schon mal eine Schlange an der Kasse und vor dem Eingang zur Ausstellung“, berichtet Klass. Denn: Mehr als 400 Menschen pro Stunde werden nicht in die Halle gelassen. „Wenn es läuft wie bisher, dann ist das gesteckte Ziel von 150 000 Besuchern realistisch.“ Möglich seien 178 000 Gäste in der Ausstellung.
Der Erfolg freut auch die Ausstellungsleitung in Heidelberg: „Die haben uns nicht geglaubt, dass wir den Stein hier so ins Rollen bringen können“, sagt Klass. Die sei erst skeptisch gewesen, ob der Standort Ludwigsburg wirklich die Massen begeistern könne. Waiblingen, Heilbronn, Pforzheim, Esslingen – aus der Region haben viele Besucher den Weg nach Ludwigsburg gefunden. „Die Leute haben Ludwigsburg und die Arena entdeckt“, so Scholz. „Dieses Interesse muss die Stadt am Leben halten.“ Auch die Kooperation zwischen Schloss, Blühendem Barock und Körperwelten sei eine gute Idee gewesen. Besucher haben jeweils Rabatte auf den Eintrittspreis erhalten. „Selbst aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg sind schon Leute gekommen“, so Scholz.
Am liebsten wollen er und Kompagnon Klass die Ausstellung noch verlängern. Bisher ist am Donnerstag, 20. September, Schluss. Die Ausstellungs-Macher würden gerne das Wochenende mitnehmen und am Sonntag, 23. September, das Finale feiern. Der Abbau dauert 48 Stunden, bis zum ersten Spiel der Neckar Riesen Ludwigsburg am 29. September wäre also laut Scholz und Klass genug Zeit, die Halle wieder Basketball-tauglich herzurichten: „Das müssen wir noch mit der Stadt aushandeln.“
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