06. Oktober 2011

Eltern bringen Rhythmus in die Wiege

Kinder spielerisch an Musik heranführen – Musikschulen bieten spezielle Kurse für Kleinkinder

Mit der Trommel lässt sich ordentlich Krach machen – Nebenbei bekommen Kinder dabei auch noch ein Gespür für Rhythmus.
Mit der Trommel lässt sich ordentlich Krach machen – Nebenbei bekommen Kinder dabei auch noch ein Gespür für Rhythmus.
Bild: dpa

Babys können zwar noch nicht sprechen, doch Musik verstehen sie schon ziemlich gut. Eltern haben heute viele Möglichkeiten, ihr Kind damit vertraut zu machen. Eine CD einzulegen, ist aber nicht genug – Mutter und Vater sollten lieber mitsingen und tanzen. Zuerst ist es ein zufriedenes Glucksen, später leuchten die Augen, und es wird vielleicht noch zögerlich mit den Händen geklatscht – schon die Allerkleinsten erfreuen sich sichtbar an Musik. „Jedes Kind hat ein angeborenes musikalisches Potenzial“, sagt die Musik- und Konzertpädagogin Stephanie Riemenschneider von der Tonhalle in Düsseldorf. „Je früher und je reichhaltiger das Angebot, desto besser.“ Babys und Kleinkinder haben noch keine festen Musikvorlieben, sie hören fast alle Klänge gerne und staunen über die unterschiedlichen Töne, Lautstärken und Rhythmen. „Sie haben Interesse an allem“, sagt Riemenschneider, „also sollte man ihnen eine möglichst breite Palette an Musik anbieten, egal ob Rock, Folk oder Klassik.“ Dabei reicht es nicht, eine CD in die Stereoanlage zu schieben. „Musik-Lernen funktioniert wie das Sprache-Lernen, es braucht ein lebendiges Gegenüber.“ Also ist Mitsingen und -tanzen angesagt. Läuft gerade der Lieblingssong im Radio, kann man das Baby auf den Arm nehmen, sich mit ihm wippend bewegen und singen. Oder man streichelt es sanft und summt langsame Kinderlieder. „Kinder sind von Natur aus musikalisch“, sagt auch Hendrike Rossel vom Verband deutscher Musikschulen in Bonn. „Ihre Laute haben einen musikalischen Grundton.“ Dieses mal hohe, mal tiefe Glucksen können Eltern ruhig aufgreifen und nachahmen – dadurch fühle sich das Baby verstanden und animiert, weiterzuglucksen. „Musik und Töne sollten als etwas ganz Natürliches im Alltag empfunden werden“, sagt Rossel. Dabei stört es kaum, wenn Mama oder Papa nicht immer den richtigen Ton treffen – die Freude an der Musik ist das Wichtigste. Wer noch Hemmschwellen abbauen muss, kann auf diverse Angebote zurückgreifen, beispielsweise von Musikschulen. „Es gibt eine ganze Menge Kurse für Eltern, die sich vielleicht noch nicht trauen, mit dem Kind alleine zu musizieren.“ Die Gruppen richten sich meist an Kinder ab eineinhalb Jahren. Eltern und Kinder lernen Fingeroder Kniereiterspiele wie „Hoppe, hoppe Reiter“ kennen und bekommen Tipps, wie sie Musik und Rhythmus spielerisch in den Alltag integrieren können. In einigen Konzerthäusern wie der Düsseldorfer Tonhalle sind die meisten Kurse der musikalischen Früherziehung für Kinder ab vier Jahren. „Hier sind die Kinder ohne Begleitung und beginnen mit einem elementaren Instrument, wie einem Glockenspiel oder einer kleinen Trommel“, sagt die Bildungsreferentin des Musikschulverbands Rossel. Die Kinder erhalten eine erste Idee von Noten und Rhythmik. Besonders auf letztere legen spezielle Kurse wie die „rhythmisch- musikalische Erziehung“ wert. Hier lernen die Kinder, den Rhythmus der Musik in Bewegungen umzusetzen. „Das wird spielerisch gemacht, zum Beispiel, indem Tierbewegungen wie das Schleichen, das Krabbeln oder das Springen nachgeahmt werden“, sagt die Musikpädagogin Sabine Hirler aus dem hessischen Hadamar-Oberzeuzheim. Wer den Rhythmus mit dem Körper erfährt und umsetzen kann, hat es später einfacher, ihn auf ein Instrument zu übertragen. „Außerdem werden durch die Kurse die Körperwahrnehmung und die Sprache gefördert“, sagt Hirler. Denn auch Sprache unterliegt einem gewissen Rhythmus. Ab dem Grundschulalter können Kinder anfangen, ein Instrument, wie Blockflöte, Gitarre oder Klavier zu erlernen. Dabei sind der Auswahl des Instruments kaum noch Grenzen gesetzt: „Mittlerweile gibt es eine große Auswahl an Kinderinstrumenten, wie eine ergonomisch geformte Kinderquerflöte, verschiedene Blechblasinstrumente oder einen kleinen Kontrabass“, sagt Rossel. Musikschulen bieten meist das „Instrumenten-Karussell“ an. In diesen Kursen lernen die Kinder alle vier Wochen ein neues Instrument kennen – und können am Ende entscheiden, welches ihnen am besten gefallen hat. Die meisten Instrumente müssen dabei gar nicht gekauft werden, sondern können bei den Schulen selbst oder in Musikfachgeschäften ausgeliehen werden.

VIVIEN LEUE
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