KREIS LUDWIGSBURG | 19. Mai 2008

Entscheidungen werden gemeinsam getroffen

Eine psychisch erkrankte Frau, sie ist Anfang 30, ist in einer Klinik im Schwarzwald in stationärer Behandlung. Jetzt, wo es ihr besser geht, möchte sie wieder zurück in die Nähe ihrer Familie, ihres gewohnten Umfelds im Landkreis Ludwigsburg. Hilfe bekommt sie bei „Emil“, der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung im Landkreis.

Dieser Fall, den Christiane Keuter und Isabell Hettiger schildern, ist typisch für ihre Arbeit.
Etwa zwei Drittel der Menschen, die sich an „Emil“ wenden, leiden an einer psychischen Erkrankung, an einer seelischen Behinderung, wie Christiane Keuter sagt. Laut der Sozialplanerin für die Eingliederungshilfe haben sich seit dem anderthalbjährigen Bestehen von „Emil“ 300 Ratsuchende an die Einrichtung gewandt. Der Landkreis hat im Jahr 2005 die Verantwortung für die Eingliederungshilfe vom Landeswohlfahrtsverband übernommen.
Der Sozialdienst berät Behinderte, welche Angebote für sie das Richtige sind, und vermittelt sie an die jeweiligen Stellen. Geistigbehinderte etwa bräuchten Hilfe bei der Alltagsgestaltung, Körperbehinderte benötigten meist Assistenzdienste.
Viel Unterstützung, sagen die beiden Frauen, brauchen auch Menschen mit seelischer Erkrankung: „Viele drohen zu vereinsamen, weil sie nicht mehr aus dem Haus gehen“, sagt Christiane Keuter. Manche nähmen ihre Medikamente nicht regelmäßig, öffneten keine Briefe und seien mit dem Haushalt überfordert.
Sechs Mitarbeiter vom „Emil“ versuchen diese Probleme zu lösen. „In Gesprächen mit den Betroffenen wollen wir herausfinden, wo die Schwierigkeiten liegen und welche Hilfe konkret benötigt wird.“ Es sei wichtig, mehrere Gespräche mit dem Ratsuchenden zu führen.
Die Menschen würden nicht jeden Tag vom Sozialdienst begleitet – Hettiger: „Das könnten wir mit unseren sechs Mitarbeitern gar nicht leisten“ –, sondern es wird eine Hilfestellung gegeben und der Kontakt zur betreffenden Einrichtung hergestellt. Um den Landkreis besser abdecken zu können, hat jeder der Mitarbeiter eine Region, um die er sich kümmert.
„Wir treffen uns persönlich mit den Hilfesuchenden“, kommt „Emil“-Mitarbeiterin Isabell Hettiger auf die wesentliche Aufgabe der Einrichtung zu sprechen. Denn gemeinsam werde entschieden, wie geholfen werden könne, und dafür „muss man vor Ort sein“, sagt sie. „Der Wunsch zum Wohnen innerhalb einer Gemeinde wird immer häufiger geäußert. Die Behinderten wollen an der Gesellschaft teilhaben“, erklärt Isabell Hettiger. Ziel sei es, die Behinderten auf Wunsch in der Nähe ihrer Gemeinde unterzubringen.
Die seelisch behinderte Frau, die im Schwarzwald stationär behandelt wurde, hat sich an „Emil“ gewandt, weil sich ihre gesundheitliche Situation wesentlich verbessert hat und sie auch deswegen wieder zurück in ihre Heimat möchte. „Wenn man weit weg ist, ist man eher auf sein Heimweh konzentriert und lässt sich nicht so gut auf die Behandlung ein“, sagt Isabell Hettiger. Die ratsuchende Frau lebt mittlerweile in einer betreuten Wohneinrichtung im Landkreis und arbeitet hier in einer Reha-Werkstatt.
Info: Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Ludwigsburg „Emil“ hat ihren Sitz im Landratsamt Ludwigsburg in der Hindenburgstraße 30, Telefon (0 71 41) 14 40. Die Zentrale leitet zum regional zuständigen „Emil“-Mitarbeiter weiter.

Dorothee Kauer
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