



Das Ziel der XXXLutz-Gruppe aus Österreich ist kein geringeres als: mit Sonne im Herzen zur Nummer 1 der Welt zu werden. So formuliert es eine Unternehmensbroschüre. Momentan ist die Holding „nur“ der zweitgrößte Möbelhändler der Welt, gleich hinter Ikea. Das würde die Unternehmensgruppe, die sich selbst nach der größten Übergröße (XXXL) benannt hat, natürlich gerne ändern.
In Ludwigsburg liegen die beiden Möbelgiganten praktisch nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Und XXXL will das Duell mit der Weltspitze jetzt direkt vor Ort annehmen. Zum Erweiterungswunsch beantwortet das Unternehmen derzeit allerdings keine Anfragen. Heute werden die Pläne aber ab 17 Uhr öffentlich im Bauausschuss vorgestellt.
Im Gegensatz zu XXXL bestätigt Baubürgermeister Hans Schmid auf Nachfrage den Erweiterungswunsch. Es geht um 10 000 Quadratmeter, die das heute etwa 20 000 Quadratmeter große Haus erweitern will. Viele Möglichkeiten für die Richtung des Ausbaus gibt es nicht. Das Möbelhaus kann wegen Straßen und der bestehenden Bebauung nur gen Norden (also Richtung Monrepos) wachsen. Dort stehen momentan allerdings noch zwei Einrichtungen im Weg: das Autohaus Mäurach und das Gebäude des Sportschützenvereins Eglosheim (oben rechts in unserem Foto). Deren Flächen gehören beide der Stadt.
Laut Schmid hat mit dem Verein diese Woche ein Gespräch stattgefunden. Im Fall einer Möbelhauserweiterung soll er eine adäquate Ausgleichsfläche in Eglosheim erhalten. Für die neuen Gebäude und die Einrichtung müsste die XXXL-Gruppe sorgen. Mit dem Autohaus Mäurach hat es noch kein Gespräch gegeben aber, so Schmid, dessen Pachtvertrag mit der Stadt laufe bald aus.
Die Stadt begrüßt die Pläne von XXXLutz aus verschiedenen Gründen. Zum einen sehe man in Ludwigsburg noch Platz für einen zweiten leistungsfähigen Möbelhändler neben Ikea. Denn bisher kam die Filiale im Gewerbegebiet Monrepos, das auf Neudeutsch Businesspark Monrepos genannt wird, nicht so recht voran.
Schon unter dem Namen Mann Mobilia dümpelte das Möbelhaus mehr vor sich hin, als wirklich erfolgreich zu sein. 2005 wurden die Mann-Mobilia-Häuser dann von der XXXL-Gruppe übernommen. Die steckte auch einiges Geld in das Ludwigsburger Haus, das im Januar 2009 neu eröffnet wurde. Schon im Juni 2009 hieß es dann völlig überraschend XXXL suche einen neuen Mieter für das Gebäude und wolle Ludwigsburg verlassen. Davor hatte der Ludwigsburger Gemeinderat den Wunsch der Lutz-Gruppe abgelehnt, auf dem Gewerbegebiet Hintere Halden bei Pflugfelden einen neuen Möbelmarkt mit 40 000 Quadratmetern zu bauen.
Nur drei Jahre nach den Rückzugsplänen geht es nun um eine Erweiterung.
„Wir ziehen einen Ausbau einem Neubau auf der grünen Wiese vor“, sagt Baubürgermeister Schmid. Es gebe bereits Verkehrsgutachten, die eine Erweiterung samt zusätzlicher Parkplätze unproblematisch sehen. Das Möbelhaus soll in diesem Fall aber eine eigene Zufahrt bekommen. Bislang kommt man nur sehr umständlich über die Umgehungsstraße Mäurachspange (Richtung Freiberg) in das Gewerbegebiet und zu XXXL.
Auf den erweiterten Flächen möchte das Möbelhaus laut Schmid ausschließlich Möbel anbieten, also kein Sortiment, das zulasten der Innenstadt-Läden fallen würde.
Die Stadtverwaltung sieht durch die XXXL-Pläne außerdem noch eine andere Chance. Zwischen 2008 und 2010 war das Gewerbegebiet Monrepos schon einmal in der Diskussion. Damals ging es um eine Vergrößerung der Gewerbeflächen und eine Neuordnung auf dem Gelände zwischen B 27, Monreposstraße und der Landesstraße nach Freiberg (Mäurachspange). Doch die Pläne verschwanden ohne Ergebnis wieder in der Schublade.
So ist das Areal bis heute relativ unsortiert geblieben und für den Verkehr schlecht erschlossen. Selbst Wohngebäude befinden sich auf dem Gelände, einige ältere sogar unterhalb des Möbelhauses neben dem Autohaus. Hinzu kommen dort ein 24 Ar großes Biotop, ein alter Steinbruch sowie Kulturdenkmale.
„In der Flur Mäurach bestand wahrscheinlich – dem Flurnamen nach – eine römische Siedlung. Nach Angabe unserer Akten wurden 1855 zudem Gräber mit Waffenbeigaben gefunden, die wohl aus der Merowingerzeit stammen“, so Clemens Homoth-Kuhs, Pressesprecher beim Regierungspräsidium, das für den Denkmalschutz zuständig ist. Direkt genannt wird ein Skelettfund mit Hiebschwert als Beigabe. Die Fläche ist seit 1995 als Kulturdenkmal geschützt.
All das soll von der möglichen Erweiterung des Möbelhauses unangetastet bleiben, verspricht Schmid. Trotzdem könnte das Gewerbegebiet Monrepos nun wieder auf die Tagesordnung kommen. Neben der Unübersichtlichkeit machen auch Altlasten Probleme. In der kleinen Zufahrtssackgasse „Im Mäurach“ liegt das verwilderte Areal eines ehemaligen Schrotthändlers. Der versucht offenbar gerade, das Gelände zu verkaufen. „Alles in allem keine einfache Ecke“, resümiert Baubürgermeister Hans Schmid.
Info: Das Unternehmen XXXLutz stellt am heutigen Donnerstag seine Pläne im Bauausschuss vor. Der Ausschuss tagt öffentlich und beginnt um 17 Uhr im Rathaus. Die Präsentation steht allerdings am Ende der Tagesordnung. Die Fraktionsgemeinschaft Linke/Lubu hat zu dem Thema schon einen Antrag gestellt. Linke/Lubu fordert, dass das Thema auch weiterhin öffentlich und mit schriftlicher Vorlage behandelt wird.







Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:
Interessiert Sie ein Thema ...
das Sie schon immer in der Zeitung lesen wollten? Gibt es in Ihrem Ort im Landkreis Ludwigsburg etwas, was sich die Redaktion genauer anschauen sollte?
Dann schreiben Sie uns, wir gehen der Sache nach.
