Firmenporträt
KREIS LUDWIGSBURG | 27. September 2012

Es duftet – Caro lüftet den Kaffeedeckel

Nestlé-Qualitätsinitiative: Reinigen, Rösten, Vermahlen, Verpacken – Am 12. Oktober können Bürger erstmals das Ludwigsburger Werk besichtigen

Der Landkaffee wird abgefüllt, verpackt und palettiert.

Der Landkaffee wird abgefüllt, verpackt und palettiert.

Fotos: Ramona Theiss
Thomas Mathar, Enes Sedic und Michael Eisele (von links) begutachten eine Probe aus der Röstanlage. Aus ihr steigt der Duft nach oben, der die Stadt bisweilen erfüllt.

Thomas Mathar, Enes Sedic und Michael Eisele (von links) begutachten eine Probe aus der Röstanlage. Aus ihr steigt der Duft nach oben, der die Stadt bisweilen erfüllt.

Fotos: Ramona Theiss
Verantwortlich für den prägnanten Kaffeeduft über der Stadt: die Zichorie.
Verantwortlich für den prägnanten Kaffeeduft über der Stadt: die Zichorie.

Ludwigsburg. Die Prozedur an der Pforte zum Ludwigsburger Nestlé-Werk erinnert an einen Sicherheitstrakt: Fragebögen ausfüllen, Einverständniserklärungen durchlesen. Wer ins komplett abgesperrte Werkgelände will, muss spezielle Schuhe, eine Weste und eine Haube tragen.

Drinnen weht der Charme eines Industrieareals aus vergangenen Jahrzehnten. Fotografieren? Nicht erlaubt. Alles im Dienste der Sicherheit. „Wir müssen uns als Lebensmittelhersteller schützen. Damit der Kunde die Gewährleistung hat, dass sein Produkt in einer sicheren Umgebung hergestellt ist“, begründet Thomas Mathar, der seit einem halben Jahr Werkleiter ist.

Was hinter dem Zaun zwischen Pflugfelder Straße und dem Bahnhof genau passiert, ist den meisten Ludwigsburgern im Verborgenen. Nur der Caro-Schriftzug lässt auf das Herstellen des Landkaffees schließen. Und der legendäre Duft der Zichorie, schon im 19. Jahrhundert in Gedichten beschrieben, steigt je nach Wetterlage in die Nasen der Bevölkerung.

„Jeder kennt Caro, doch kaum einer weiß, wie er gemacht wird“, sagt Mathar. Das soll sich am 12. Oktober ändern, im Zuge der von der Frankfurter Zentrale gestarteten Initiative „Qualität bedeutet mehr“. Sie soll die Themen Geschmack, Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit beleuchten. Verbraucher sollen sich ein umfassendes Bild von der Lebensmittelqualität machen können – bei allen Produkten des Konzerns, heißt es.

Das Ludwigsburger Werk, das seit 1971 zum Nestlé-Konzern gehört, nutzt die Initiative, um seine Türen zu öffnen. „Der Verbraucher hat durch diverse Lebensmittelskandale nicht mehr das Vertrauen, das wir gerne hätten“, so Mathar. Besucher werden in Gruppen durch das Areal geführt. Dort können die Bürger den Entstehungsprozess des Caro-Kaffees nachvollziehen: vom Sortieren des Getreides, dem Reinigen, Rösten, Vermahlen zum Extrahieren, Trocknen und Verpacken. Diverse Verkostungen sind auch geplant: „Wie schmeckt geröstete Gerste? Oder Zichorie? So bekommt der Bürger ein Gefühl für das Rohmaterial“, so Mathar. Schließlich gebe es Einblicke ins Labor, wo Mitarbeiter die angelieferten Rohstoffe auf ihre Qualität prüfen.

Die Unternehmensgeschichte reicht zurück in die Zeit Friedrichs des Großen, der Bohnenkaffee mit hohen Steuern belegte und ihn fast unbezahlbar machte. Findige Menschen wie Firmengründer Johann Heinrich Franck fanden in der Zichorie, gemischt mit Getreide und geröstet, eine Kaffeealternative. Die 1828 in Vaihingen gestartete und schon 1868 nach Ludwigsburg verlegte Produktion hat wesentliche Einschnitte in der Produktwerbung miterlebt, die das Unternehmen prägten: im Radio, auf Automobilen, dann Fernsehwerbung, nennt Mathar als Beispiele. Dabei sei Franck einer der ersten gewesen, der seine Produkte mit einem Logo geschützt hat, sozusagen „der Erfinder einer Schutzmarke“. Grund für den Umzug nach Ludwigsburg war, dass Franck schon früh die Vorteile eines Bahnanschlusses nutzen wollte, so Michael Eisele, seit 27 Jahren am Standort und seit sieben Jahren Technischer Leiter. „Er hat erkannt, dass er seine guten Produkte mit den Pferden nicht mehr allzu schnell unter die Leute bringen konnte.“ Bis heute würden gut 50 Prozent der Produktion auf die Bahn verladen. Das Werk hat einen eigenen Gleisanschluss. Bis zu zehn Lkws und drei Bahnwaggons werden täglich beladen.

Auf dem 20 000 Quadratmeter großen Areal sind 114 Mitarbeiter beschäftigt (Mitte der 90er Jahre waren es noch 20 weniger), darunter Ingenieure, Logistiker, Mechatroniker und Fachkräfte für Lebensmitteltechnik. Zum Umsatz einzelner Werke macht Nestlé traditionell keine Angaben. Mehr als neun Millionen Dosen Landkaffee laufen jährlich vom Band.

Insgesamt verlassen 8000 Tonnen Fertigprodukte das Werk. Dazu gehören nicht nur die Caro-Sorten, sondern auch Kathreiner Malz- und Linde’s Kornkaffee zum Aufbrühen. Zudem produzieren die Ludwigsburger einige Mixgetränke wie Nescafé au lait. Der Exportanteil liegt bei gut 50 Prozent. Die Produkte landen in Österreich, Großbritannien, vor allem aber Italien. Dort seien besonders die Gerstenprodukte gefragt, die dann mit einfachen Espressomaschinen aufgebrüht würden, so Mathar.

Caro selbst wird seit gut 50 Jahren hergestellt, anfangs zum Überbrühen, später als schnell lösliches Produkt: kein Koffein, kein Zucker, keine zugesetzten Aromen – stattdessen mit Gerste, Roggen und Zichorie, einer in Mitteleuropa verbreiteten Pflanze, die auch für Herz-Kreislauf-Präparate eingesetzt wird. Worauf sich auch der Wohlfühl- und Gesundheitsaspekt der Marke gründet. Die Zichorie ist auch für den typischen Duft verantwortlich, der aus der Rösterei an der Pflugfelder Straße in die Ludwigsburger Luft steigt. Eisele erklärt, wie er entsteht: 2600 Kilo Gerste kommen in die Röstmaschine, sie werden binnen 90 Minuten in vier Stufen auf 220 Grad hochgefahren. Um eine gleich bleibende Bräunung zu erhalten, wird die Röstung mit 250 bis 280 Litern Wasser abgelöscht und gelangt dann in Form von Dampf durch den Kamin an die Luft. „Das zieht auch die Aromastoffe nach oben“, erläutert Eisele. Etwa alle 90 Minuten gelangt also ein Dampfschwall an die frische Luft. Jeden Tag, außer am Wochenende. „Dann weiß der Ludwigsburger, wo das Wetter herkommt. Vor allem bei Tiefdruckgebieten im Winter ist das in der Stadt deutlich zu riechen.“ Jedoch werde stets daran gearbeitet, den Geruch zu minimieren, zuletzt mit einer regenerativen Nachverbrennung der Abluft. So würden 95 Prozent der Energie zurückgewonnen. Zudem sei es gelungen, in den vergangenen Jahren trotz steigender Produktion 70 Prozent Frischwasser einzusparen.

Info: Das Nestlé-Werk Ludwigsburg veranstaltet am Freitag, 12. Oktober, einen „Tag der Qualität“. Interessierte erhalten Einblicke in Produktionsprozesse und Qualitätsaspekte. Der dreistündige Rundgang beginnt um 13 Uhr und enthält eine Verkostung von Produkten. Interessierte sollten sich bis zum Freitag, 5. Oktober, per E-Mail unter ute.stegmeyer@de.nestle.com anmelden. Bei zu vielen Anmeldungen wird das Los entscheiden.

Michael Müller
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