Ein überraschendes Geschenk
Ein überraschendes Geschenk
Erdmannhausen. Das Verhandlungsgeschick der drei Unternehmerinnen hat den Erfolg gebracht. Am heutigen Samstag fahren sie nun mit Familienmitgliedern und Bekannten als Verstärkung nach Heppenheim, um die dortige Ladeneinrichtung abzubauen, auf einen Lastwagen zu laden und in Erdmannhausen wieder aufzubauen.
Aber erst stehen noch Gespräche mit Handwerkern an. Es geht um die Deckengestaltung und die Beleuchtung. Begeistert sind sie von den in Kartons verstauten runden grünen Lampen, die künftig über den Kassen hängen sollen. Seit Anfang Oktober schaffen die drei Frauen in dem Laden. „Die Reste von Schlecker werden abgekratzt“, schreibt Meinerz auf Facebook. Und in der Tat, der Laden hat bereits ein jungfräuliches Gesicht, auch die letzten Spuren des Schlecker-Blaus sollen noch verschwinden. Denn der Drehpunkt hat die grüne Farbe zum Markenzeichen, die neuen Betreiberinnen wollen sich bewusst von dem vorherigen Ladenkonzept abheben.
Die drei Frauen bewegen sich auf bislang unbekanntem Terrain und gelten durchaus als Pionierinnen. Sie sind jetzt Unternehmerinnen, sie verhandeln mit Handwerkern und stecken viel Eigeninitiative in „ihren“ Laden. Der soll Vorzeigecharakter haben, denn weitere einstige umsatzstarke Schleckerfilialen sollen nach dem Drehpunkt-Konzept eröffnen. Und so wundert es nicht, dass auch mal ehemalige Kolleginnen reinschauen, um das Entstehen des neuen Drogeriemarktes zu verfolgen.
Bewohner des Ortes zeigen ebenfalls reges Interesse und sind froh, bald hier einkaufen zu können. Da werden die Ladenbetreiberinnen auch richtig verwöhnt. Eine Bürgerin hat schon mal Kaffee und Kuchen, ein anderer gebratene Göckele spendiert. Im Café Glock nebenan sind die drei Frauen ebenfalls Stammgast. Vor allem, wenn das Fernsehteam kommt, um mal wieder für eine einstündige Reportage zu drehen.
„Man braucht schon Mut“, sagt Karin Meinerz, die wie Bettina Meeh einst Betriebsrätin bei Schlecker war. Annemarie Keller war zuletzt in der Erdmannhäuser Filiale tätig, bevor das Licht ausging. Das Thema Schlecker hat ihnen schlaflose Nächte bereitet, denn alle drei sind in einem Alter, in dem Frauen nicht mehr so schnell einen neuen Job bekommen. Deshalb haben sie sich auch für die Selbstständigkeit und erst mal wieder für schlaflose Nächte entschieden. Denn wie sie zugeben, geht ihnen jetzt viel im Kopf herum.
„Wir sind deshalb froh, dass uns jemand zur Seite steht“, sagen sie. Dieser Jemand ist der bayerische Unternehmensberater Wolfgang Gröll, der mit dem eigens gegründeten Verein „Institut zur Förderung der Nahversorgung“ den Frauen einen schnellen Start als Unternehmerinnen ermöglicht. Er fädelte Kontakte zu einem Kölner Großhändler ein, der die Drehpunkt-Laden künftig mit Drogerieartikeln bekannter Marken beliefert. Auch günstige „No Name“-Ware eines bekannten Vollsortimenters ist hier fortan erhältlich. In der nächsten Woche kommen aber erst einmal die Handwerker. Da die weiteren Umbauarbeiten zeitlich nicht so gut abzuschätzen sind, haben die drei Unternehmerinnen nun die beiden Eröffnungstermine 3. oder 10. November im Visier.
Über die Entstehung des neuen Marktes kann man sich unter www.drehpunkt-erdmannhausen.de informieren.




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