LUDWIGSBURG | 07. August 2008

Geburtstags-Tasse für die Schwiegermutter Europas

Von Rosenkränzen umrahmt ist der in Gold geschriebene Wunsch „MOEGE SIE LANGE LEBEN“ auf die beiden Seiten einer Deckeltasse aus Ludwigsburger Porzellan verteilt. Die gleichfalls mit Gold aufgemalte römische Zahl XVIII und ein liegender Steinbock, das Tierkreiszeichen für den Monat Dezember, zieren die Front der Tasse, deren Deckelknauf (äußerst ungewöhnlich) als Herzogshut gestaltet ist. Welchem Mitglied der herzoglichen Familie diese Tasse zum Geburtstag am 18. Dezember verehrt wurde, verraten die Initialen SDHW auf Deckel und Untertasse: Sophie Dorothea Herzogin von Württemberg.

Bild: Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württem


Die am 18. Dezember 1736 geborene Tochter des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt war im November 1753 mit Friedrich Eugen von Württemberg, dem jüngsten Bruder des regierenden Herzogs Carl Eugen, vermählt worden. Der außergewöhnlich glücklichen Ehe entstammten zwölf Kinder, von denen nur eines als Kleinkind starb.
Es gelang, die Töchter so vorteilhaft zu verheiraten, dass man Herzogin Sophie Dorothea gelegentlich als „Schwiegermutter Europas“ bezeichnete. Für Württemberg war dies ein Glücksfall, denn als Friedrich Eugen 1795 nach dem Tod seiner beiden Brüder unerwartet die Regierung in Stuttgart übernahm, sicherten seine Kinder und ihre einflussreichen Beziehungen die machtpolitische Bedeutung Württembergs im 19. Jahrhundert.
Mit einem rauschenden Fest hatte der württembergische Hof den Geburtstag Sophie Dorotheas im Jahr 1768 in Ludwigsburg gefeiert. Die Festbeschreibung eines Augenzeugen berichtet von einer aufwendigen Raum- und Tafeldekoration.
Auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten wurde der Liebesgott Cupido mittels einer Maschine von der Decke herabgelassen und überreichte der Prinzessin ein Paar Perlenarmbänder mit den von Brillanten gefassten Porträts ihres Gemahls und ihres Schwagers, des regierenden Herzogs Carl Eugen.
Zum wievielten Geburtstag man der Herzogin Sophie Dorothea die Deckeltasse verehrte, kann man nur vermuten. Aus stilistischen Gründen würde man die Tasse um 1780 bis 1790 datieren. In Betracht käme das Jahr 1785, in dem der Geburtstag der Schwägerin Herzog Carl Eugens im Marmorsaal des Neuen Schlosses in Stuttgart gefeiert wurde.
Der plastische Herzogshut auf dem Deckel legt jedoch eine spätere Datierung nahe: Ihre drei letzten Geburtstage, nämlich den 18. Dezember 1795, 1796 und 1797, beging Sophie Dorothea als Gemahlin des regierenden Herzogs von Württemberg. Möglicherweise war die Deckeltasse eine Gabe der Manufaktur an die Landesherrin, etwa zu ihrem 60. Geburtstag im Jahr 1796.

Sabine Hesse
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