LUDWIGSBURG | 30. August 2012

Gehört, Gesehen von Janna Werner

Danieleeeeee, Mandyyyyyyy, Ollyyyyy.“ Wer sich gestern Nachmittag zufällig in der Nähe des Forums aufhielt, hörte schon von weitem an dem durchdringenden dreigestrichenen C, dass sich hier weibliche Teenies die Kehle aus dem Leib schrien. Und es gab einiges zu sehen auf dem Roten Teppich, der mit dem Aufmarsch der rund 30 Gladiatoren die 63. Auflage von „The Dome“ einleitete. 15 Jahre alt ist die Chartshow mittlerweile, die als Bravo-CD zum Anfassen vermehrt zum Sammelbecken der Gewinner von zig Castingshows geworden ist, und damit ist sie älter als die meisten ihrer Besucher.

Verweisbild Foto: LKZ
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Es ist sicher, dass Sebastian, Johannes und Sascha Madsen aus dem Wendland mit Nico Maurer gestern Neuland betraten. Martin Krüssel von der Band EL*KE, der Madsen live unterstützt, starrt etwas verwundert auf die anderen Künstler: „Ich habe die noch nie gesehen.“ Das Publikum schon, Madsen erntet eher Stille, was Sebastian schmerzhaft feststellen musste: „Wow, dachte ich, was die kreischen, der Bann ist gebrochen.“ Bis er sich umdrehte und hinter sich Roman Lob erkannte. „Trotzdem ein schöner Klassenausflug“, grinst Krüssel, und die Band hat am Dienstagabend im Nestor für einigen Lärm und einen guten Umsatz gesorgt. Kein Wunder, gehören doch das Hurricane-Festival und Rock am Ring zu ihren Hausbühnen, den Vier-Minuten-Auftritt zum Playback von „Lass die Musik an“ nehmen sie gelassen. Und Keyboarder Hans-Jürgen Steffen hebt mit 61 Jahren gut gelaunt die Altersquote. „Als Musiker bleibst Du immer jung.“

The DomeThe Dome

Eine, die handgemachte Musik mag und das mit ihrer Band Jennifer Rostock auch deutlich zeigt, ist Jennifer Weist. Tätowiert, mit Rot im Haar, Goldkette und einem 80er-Anzug in Jeans rockt die 25-Jährige den Roten Teppich. Das erste Mal, sagt sie: „Da können wir die Sau rauslassen.“ Die Glamrockröhre schielt fürs Foto und macht dicke Backen, um kurz darauf das Mädel von Promiflash runterzuputzen, das sich mit pinkfarbenem Mikrofon anschleicht: „Da macht ihr ein Interview und macht Blödsinn draus. Ihr seid ein Scheißmagazin, oder?“ Mit ihrem Special Guest Sido, der leider keinen Teppich lief, hat sie bereits live gespielt, „er hat sogar eine Strophe geschrieben“. Ihre Tattoos reichen über den ganzen Körper, auch wenn die Textauswahl auf den Schenkeln doch erstaunt: Oben „Das letzte Einhorn“, unten „Comin’ Home“ von Dallas Green. Großformatig.

Keiner geht mehr ohne Tattoo. Unser gescheiterter Star für Baku, Roman Lob, der neben Oliver Pocher unbestritten den größten Kreischalarm auslöste, entblößt bereitwillig sein Tattoo: Eine Hand mit Mikrofon, daneben steht „Never fearful, always hopeful.“ In einer Woche, sagt er, macht er das nächste. Ansonsten, verrät er, beruhigt er sich mit „Gummibärchen, Schokolade, alles, was süß ist“ und hat den Nachmittag auf der Bärenwiese mit Badminton verbracht. „Völlig gechillt.“ Stefanie Heinzmann sieht mit abgeschnittener Jeans und weißer Bluse aus wie das Mädchen von nebenan (und ist auch so nett), wären da nicht zahlreiche Piercings und Tattoos. Die ersten an den Oberschenkeln hat sie sich heimlich machen lassen, erzählt sie. Schon am selben Tag brach sie aber gegenüber ihrer Mutter in Tränen aus, die sah’s angeblich gelassen. „Der totale Disney-Fan“ hat ansonsten die Einstellung: „In 100 Jahren interessiert’s eh keinen mehr.“ Da ist was dran. Wer kann sich da noch erinnern?

Und das dürfte auch auf viele der Künstler zutreffen, die den Roten Teppich zieren. Wobei Zeit hier offenbar nicht linear verläuft. Mit ihren 15 Jahren erklärt Helena Szilassy aus Oberstenfeld im Brustton der Überzeugung, dass sie „schon immer“ Fan von Daniele Negroni und Luca Hänni – zugegebenermaßen sehr süß, aber so jung für eine Ewigkeit – sei. Rielingshäuserin Linda Klingler, die die Karte für „The Dome“ zum 16. Geburtstag bekommen hat, macht es sich da einfacher: „Ich bin für alle.“ Wie auch die 17-jährige Dimitra „in allen Sparten vertreten“ ist – das aber als treuer Fan seit vier Jahren. Immerhin schon das zweite Jahr dabei ist Selina Steeg aus Pforzheim, mit ihren zwölf Jahren begleitet von Mutter Sabine. Selina, mit ihrem Fotoapparat und Autogrammblock ganz vorne an die Absperrung gepresst, hat die Stars vom vergangenen Jahr schon wieder vergessen, sagt sie. Liebe Selina, willkommen im Club!

Beim schönsten Outfit hatten die Fans die Qual der Wahl. Die hatten sich übrigens nicht selten selbst ins Ausgehoutfit geschmissen, selten aber mit so umwerfendem Erfolg wie die blitzlichtgewittergewöhnten Teppichläufer. Wer war die Schönste? Collien Ulmen-Fernandes im 70er-Regenbogen-Hosenanzug , Ex-Playmate Mia Gray (oder anders: Michaela Grau aus Stuttgart) oder die mit langen Beinen gesegnete Mandy Capristo in betörendem Mini in Schwarz-Weiß? Mutig und mit göttlicher Haut fast gemalt schön war Carolin Niemczyk von Glasperlenspiel, die durch ihre Tour mit Ich+Ich bekannt wurden und Baden-Württemberg beim Bundesvision Song Contest vertraten. Die Jungs hingegen glänzen fast ausnahmslos mit Sneakers, Jeans und T-Shirt oder kariertem Hemd. Damit sieht Luca Hänni keinen Tag älter aus als seine 17 Jahre, doch der diesjährige DSDS-Sieger hat eindeutig den Kreischfaktor. Auch wenn er offenbar nicht weiß, wo er sich befindet. „Schwabenland? Ich weiß nicht mal, was das ist.“

Fast umarmt hätte ich Alex U-Jean Hutson (R.I.O.). Den kenne ich wenigstens. Vor knapp drei Monaten war er Gast bei der Session Possible in Ludwigsburg, und davor verbrachten wir zwei samt Bäckerteam einige Zeit auf seiner Werbetour im Café Lutz in der Oststadt. Eine wahre Frohnatur, trotz genau vier Fans, die damals ein Autogramm haben wollten. Frohnatur auch gestern: Unzählige Fotos werden mit den Mädchen geschossen, Autogrammkarten verteilt, in jede Kamera gegrinst. Ähnlich viel Aufruhr verursacht Oliver Pocher, der seine Fans nicht enttäuscht, indem er erst mal über die Absperrung springt und dann die Motorhaube des Sponsorautos eindellt. Er umarmt hier und da auf Wunsch und wärmt sich schon mal auf für seine Aufgabe am Abend: Animateur der Show.

Shaggy („Boombastic“) macht ihm Konkurrenz und er hat ein Faible für Prinz Harry, vor allem für dessen letztes Nackt-Foto. „Ich wünschte, bei der Party wäre ich dabei gewesen. Er ist der einzig wahre Prinz.“

Zwei ganz Süße, die Daniele und Tim Bendzko, locker abhängen, hätte ich fast verpasst. Julia und Tim dürften die jüngsten Crew-Mitglieder der Weltgeschichte sein, als die sie ihr Ausweis um den Hals ausweist, und wir haben ihnen den Platz verschafft, der ihnen gebührt: Auf dem roten Teppich, umgeben von lächelnden Mädels.

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