



Von der Bühne wehen die Töne der Geigen und Querflöten der Musiker herüber, die gerade zur Generalprobe im Schlosshof eingetroffen sind. Ganz vorne steht Doran Sherwin und spielt seine Zink, eine gebogene Flöte. Ein paar Schritte weiter singt Künstlerin Misia die ersten Töne ihres portugiesischen Fado. Bisher hat das Orchester der Schlossfestspiele in der Aula der Waldorfschule geübt, nun sind sie erstmals am Originalschauplatz. Heute um 14 Uhr geben sie ihr Konzert.
In der Mitte des Ehrenhofs ziehen Schlosschef Ulrich Krüger, Mitarbeiter des Staatsministeriums, des Bundeskanzleramtes, Bundespresseamtes, Bundeskriminalamtes, des Südwestrundfunks und der Agentur Pulsmacher ihre Kreise auf knirschendem Kies, begutachten den Sicherheitsbereich 1, der den kompletten vorderen Bereich bis zum Brunnen einschließt. Dort sitzen heute ab 12.30 Uhr die 800 geladenen Gäste und auch Bürger, die ihre Karten über die LKZ oder das Staatsministerium gewonnen haben.
Ausschließlich dort werden sich Angela Merkel und François Hollande um 13.15 Uhr unters Volk mischen und mit einer Gruppe von Jugendlichen das Gespräch suchen. Den Festakt können die Besucher übrigens auf zwei LED-Wänden neben der Bühne und einer großen Leinwand in der Mitte verfolgen. Dort präsentiert die LKZ zudem ab 14 Uhr Videos von Interviews, die während der Veranstaltung mit Gästen geführt werden.
Mittendrin ist gestern auch Jens Kenserski, der begeistert ist von der „supertollen Zusammenarbeit“ aller Beteiligten. Der Geschäftsführer der Agentur Pulsmacher, die das Event organisiert, ist beeindruckt von der „professionellen und akribischen Organisation“. Er und seine acht Mitarbeiter haben ihr Produktionsbüro in der Barockgalerie. Die Bierbänke und -tische stehen schon im hinteren Bereich des Hofs, im Büro warten noch 250 Tischdecken aus Papier mit dem Logo „50 Jahre Charles de Gaulle“ und Freundschaftsband. Très charmant: Die Wartezeit können sich die Gäste mit Details zu 50 Jahre deutsch-französischer Geschichte vertreiben, die auf die Decken gedruckt sind.
Erst vor zwei Wochen, gesteht Kenserski, habe man das Public Viewing im Südgarten unterhalb des Haupteingangs geplant. Dann erst wurde klar, dass es weit mehr Besucher geben kann als die rund 3000, die in den Hof passen. Im Südgarten auf der Treppe vor dem Schloss findet auch die Begrüßung Merkel-Hollande und Winfried Kretschmann statt. Es gibt dabei freien Zugang, aber mit einem Sicherheitsabstand zum Schloss. Erst mit Beginn des Festakts wird dieser Bereich freigegeben für ein Public Viewing.
Die Staatsgäste gehen nach der Begrüßung direkt in den Vorraum des Königssaals im Neuen Hauptbau, der Südgarten und den großen Innenhof verbindet. Dort tragen sich alle drei Staatsgäste in das Goldene Buch der Stadt ein.
Tags zuvor herrscht im Schlosshof noch Aufbaustimmung. Im vorderen Bereich um die Rednerbühne werden die letzten schwarzen Plastikstühle ausgerichtet, auf der Bühne stimmt Orgelbaumeister Friedrich Lieb die Truhenorgel für das Festspielkonzert. Sollte es regnen, leiden die Instrumente. „Die sind sehr empfindlich“, sagt der technische Leiter der Schlossfestspiele, Marc Wenz. Mit der Bühnenkonstruktion, die von den Konzerten am Monrepos bekannt sein dürfte, ist er vertraut. „Alles läuft hervorragend.“
Ein bisschen hektischer geht es für Ulrich Krüger zu, der noch kostümierte Kinder aus dem Kinderreich akquirieren muss, die heute beim Rundgang der Staatsgäste warten. Als Zeitzeuge wird er ganz vorne sitzen, und immer bereit: „Falls doch noch was gebraucht wird.“
Sozusagen an mehreren Plätzen gleichzeitig ist dann Pulsmacher Jens Kenserski. Denn die Agentur organisiert auch die Pressekonferenz mit Merkel und Hollande im Asperger Adler um 15.15 Uhr. Nicht von ungefähr: Bereits gegen 13.40 Uhr machen sich die beiden auf, um sich in Christian Ottenbachers Restaurant von Harald Derfuß bekochen zu lassen.







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