



Die Stadt Ludwigsburg fungiert dabei als eine Art Zwischenhändler – bislang allerdings ohne eigenes finanzielles Risiko. Denn die Verkaufsverträge werden erst dann wirksam, wenn ein Investor gefunden wird, der die Flächen dann auch tatsächlich kauft. Der muss allerdings erst noch gefunden werden.
Die Gründung der „Unteren Stadt Ludwigsburg GmbH“ war notwendig geworden, weil sich seit dem Auszug von Karstadt aus dem Center vor über zwei Jahren nichts mehr getan hat. Viel schlimmer noch: Mit der Ladenpassage ging es seither kontinuierlich bergab. Mittlerweile steht sie praktisch leer. Und es fanden sich in letzter Zeit auch keine Investoren oder Projektentwickler mehr, die bereit waren, die komplizierten Verkaufsgespräche mit den Eigentümern zu führen – anfängliche Versuche der Firma Pirelli waren schnell gescheitert.
Die seit April laufenden Gespräche haben zu ersten Erfolgen geführt. Etwas mehr als die Hälfte der 18 Besitzer von kleineren Ladenflächen – nach Informationen unserer Zeitung sind es elf – haben bisher ihre Unterschrift unter den Vertrag gesetzt und damit signalisiert, dass sie sofort verkaufsbereit sind. Auch bei den Besitzern der großen Ladeneinheiten – drei internationale Fondsgesellschaften halten im Marstall-Center größere Flächen – hat die Verwaltung einen ersten Erfolg erzielt. Eine dieser Gesellschaften hat ebenfalls bereits unterschrieben, mit den beiden anderen werden laut Stadt weiter Verkaufsverhandlungen geführt.
Gerade die drei großen Eigentümer haben Ludwigsburg in der Vergangenheit große Sorgen bereitet. Sie interessierten sich nämlich herzlich wenig für den Zustand der Einkaufspassage. Schlimmer noch: Die Verwaltung schaffte es nicht einmal, Gesprächspartner ausfindig zu machen, da die Unternehmen ihre Sitze im Ausland – Niederlande und England – haben.
Bis Ende Juli hat sich die „Untere Stadt Ludwigsburg GmbH“, die von Verwaltungsmitarbeitern gesteuert wird, Zeit gegeben. Spätestens in einem Monat muss also Klarheit herrschen. Der Verkauf der kompletten Ladenflächen war in der Vergangenheit unter anderem auch daran gescheitert, dass einige wenige Besitzer von kleinen Ladenflächen nicht bereit waren, zu den bislang angebotenen Summen zu verkaufen.
„Diejenigen, mit denen wir noch nicht handelseinig sind, müssen entscheiden, ob sie das Scheitern des Projekts mittragen können“, so die Botschaft der Verwaltung an all diejenigen, die sich noch nicht haben durchringen können, ihre Unterschrift unter den Verkaufsvertrag zu setzen. Bei den Bewohnern des Marstall-Centers hat die Initiative der Stadt erwartungsgemäß große Hoffnungen ausgelöst.
Im Ihme-Zentrum in Hannover ist man derweil mit der Zwangsversteigerung beschäftigt. Das vom Konzept her baugleiche, allerdings wesentlich größere Zentrum, das wie das Marstall-Center in den 70er Jahren vom Städtebauer Carl Schaetzle geplant und errichtet wurde, hat seit einigen Jahren ebenfalls gewaltige Probleme.
Nachdem viele Ladenflächen in der Passage des Ihme-Zentrums jahrelang leer standen, ging 2009 ein Investor dabei pleite, während er das Zentrum modernisieren wollte. Seither leben die Bewohner auf einer Baustelle oder, besser gesagt, in einer Teilruine. Im August werden die Gewerbeflächen des Centers zwangsversteigert.







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