Auch über 30 Grad bremsen die Laufbegeisterung nicht
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Kreis Ludwigsburg. Das Handwerk ist für das Funktionieren einer komplexen Gesellschaft unersetzlich. Ohne Bäcker müsste man die Wurst beim Frühstück ohne Brot essen, ohne Elektroinstallateur bliebe die Wohnung dunkel, und ohne Friseur würden wir alle aussehen wie Cat- weazle, der kauzige Zauberer aus einer britischen Fernsehproduktion der 70er Jahre.
Wer viel leistet, darf sich auch mal selbst feiern. Das dachten sich auch die Verantwortlichen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, als sie 2010 eine auf fünf Jahre ausgelegte Imagekampagne ins Leben riefen. Das Motto: „Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“. Wichtiger Bestandteil der Initiative ist der bundesweite Tag des Handwerks, der 2011 erstmals stattfand. Mit vielfältigen Aktionen wie einer großen Handwerkerparty im Europapark Rust oder einem Handwerkertreffen auf dem Ulmer Münsterplatz betrieben auch im Südwesten zahlreiche Fachbetriebe Imagepflege für ihren Berufsstand.
In Stadt und Landkreis Ludwigsburg dagegen stieß der Tag des Handwerks Anfang September auf eine eher verhaltene Resonanz, nur wenige Unternehmen beteiligten sich. Der Ludwigsburger Kreishandwerksmeister Albrecht Lang machte die damals noch andauernden Sommerferien für das geringe Interesse verantwortlich. Am morgigenSamstag, 15. September, findet der zweite Tag des Handwerks statt. Mit der Beteiligung in der gesamten Region Stuttgart ist Gerd Kistenfeger, Pressesprecher der Handwerkskammer Region Stuttgart, durchaus zufrieden. Seine Organisation vertritt die Interessen von fast 30 000 Handwerksbetrieben, deren rund 170 000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr einen Umsatz von 18,7 Milliarden Euro erwirtschafteten. Das Motto „Wirtschaftsmacht von nebenan“ ist keinesfalls aus der Luft gegriffen. Zwar hat die Stuttgarter Handwerkskammer auf ihrer Internetseite lediglich ein Dutzend Unternehmen aufgelistet, die sich bei dem Aktionstag einbringen. Nur ein Unternehmen aus dem Landkreis Ludwigsburg ist vertreten: Die Bäckerei und Konditorei Bauer im Ditzinger Ortsteil Heimerdingen verkauft mit dem Logo des Tags des Handwerks verzierte Torten. Kistenfeger ist aber überzeugt, dass sich wesentlich mehr Handwerker als das oben genannte Dutzend beteiligen. „Längst nicht alle geben uns eine Rückmeldung, es werden am Samstag viele Betriebe mitmachen“, erklärt der Pressesprecher die auf den ersten Blick ernüchternde Zahl. Unter dem Strich sei die Resonanz in der Region Stuttgart „lebendig“, geplant seien vielfältige Aktionen wie Tage der offenen Tür, Jubiläums- und Mitarbeiterfeste, Produktpräsentationen und Rabattaktionen. Auch die Kreishandwerkerschaften in der Region sind aktiv. Eine zentrale Veranstaltung in der Region findet auf dem Stuttgarter Schlossplatz statt. Dort machen die Handwerkskammer Region Stuttgart, die Kreishandwerkerschaft Stuttgart und zahlreiche Betriebe die Öffentlichkeit auf ihre Angebote aufmerksam. Bäcker und Metzger präsentieren sich in einem „Gourmettempel“, zudem werden außergewöhnliche Produkte und Innovationen von regionalen Betrieben präsentiert.
„Alle wollen die Höchstleistungen des regionalen Handwerks präsentieren“, so Pressesprecher Kistenfeger. „Ich freue mich, wenn Betriebe diesen Tag nutzen, um für sich zu werben.“ In Ludwigsburg freilich verhallte dieser Aufruf auch im Vorfeld des zweiten Tags des Handwerks nahezu ungehört. Nach seinem Kenntnisstand hält sich die Beteiligung in Grenzen, teilte Kreishandwerksmeister Lang unserer Zeitung auf Anfrage mit.
Die Initiative sei grundsätzlich zu begrüßen, betont Richard Benz, Obermeister der Innung für Elektro- und Informationstechnik Ludwigsburg. Das Handwerk müsse Präsenz zeigen.
Deshalb habe seine Innung immer wieder Aktionen organisiert, beispielsweise kostenlose Energieanalysen in Kindergärten angeboten, sich auf Ausbildungsmessen präsentiert oder bei eisigen Temperaturen an der Eröffnungsveranstaltung der Imagekampagne „Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“ im Januar 2010 auf dem Ludwigsburger Marktplatz beteiligt.
Benz kritisiert aber den Termin, den sich der Zentralverband des Deutschen Handwerks für den Aktionstag ausgesucht hat. „Ich bin absolut dafür, dass was gemacht wird. Aber dieser Termin liegt zu nah an den Ferien, so eine Veranstaltung braucht mindestens sechs bis acht Wochen Vorlaufzeit“, so der Obermeister. „Zu diesem Zeitpunkt locke ich niemanden hinter dem Ofen vor. Das ist in anderen Bundesländern machbar, in denen die Ferien früher zu Ende sind. Aber nicht in Baden-Württemberg.“




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