



Zur Kooperation sind beide Seiten aufgerufen, sowohl die sogenannten Migrantenselbstorganisationen, kurz MSO genannt, wie auch die Sport- und sonstigen Vereine. 40 solcher MSO gibt es in der Stadt, darunter Tamilen, Türken, Polen, Aleviten, Serben oder Eriträer. „Diese setzen sich aufgrund ihrer Herkunft täglich damit auseinander, die Deutschen eher nicht“, hat Berner beobachtet.
Um den Prozess des Zusammenwachsens voranzutreiben, hat der Integrationsbeirat nun die Kriterien für eine städtische Förderung verändert. Derzeit unterstützt die Stadt Vereine und MSO durchschnittlich mit 4000 Euro jährlich. „Früher wurde der Topf für folkloristische Veranstaltungen genutzt“, weiß Saliou Gueye, Integrationsbeauftragter der Stadt. Nun hat sich das geändert: „Wir wollen weg von der rein kulturellen Förderung.“ Jetzt stünden Integrationsprojekte im Vordergrund, die „Hilfe zur Selbsthilfe geben“. Neu ist auch, dass sich nicht nur Migrantenvereine bewerben können, sondern alle, die Integrationsprojekte machen.
Formal bedeutet dies, dass die Vereine nachweisen müssen, dass sie gezielte Angebote für jugendliche Migranten oder Kooperationen zwischen Einheimischen und Zugewanderten machen, die der Integration dienen. Ludwigsburg sei für ihn „die Stadt der Engagierten“, betont Gueye, „aber das reicht nicht“. Konzeption und Zielsetzung müssten stimmen, damit der Verein Geld beantragen könne. Dabei fließen durchschnittlich 500 Euro. „Wir wollen auch, dass sich die Migrantenvereine öffnen“, betont Gueye. „Mit Abschottung kommen wir nicht weiter.“
Den Sportvereinen komme bei der Integration eine herausragende Rolle zu, betont der Integrationsbeauftragte. Das sieht auch Reinhardt Weiss so. Der Vorsitzende des Stadtverbands für Sport hat allerdings nicht das Gefühl, dass dies den deutschen Vereinen bewusst ist. Sommerfeste mit Würstchengrillen und Bierausschank seien „nicht gerade der Renner in Sachen Integration“. Und viele Vereine verhielten sich „eher reaktionär“.
Weiss sieht in Sachen Integration die Fußballvereine an vorderster Front, die per se viele Mitglieder mit Migrationshintergrund hätten. Das Problem: Außerhalb der Vereinsarbeit laufe nicht viel, und im Erwachsenenalter spielten die mehrheitlich türkischen Jugendlichen dann in einem der drei türkischen Vereine.
Jetzt holt sich der Stadtverband für Sport Hilfe von außen, in Person von Gül Keskinler. Die Deutschtürkin ist Integrationsbeauftragte des Deutschen Fußballbundes. „Integration ist kein Selbstläufer“, sagt die 48-Jährige, die noch für dieses Jahr eingeladen wurde, den Ludwigsburger Vereinen unter die Arme zu greifen.
Hilfestellung will auch das Programm Ge(h)fit geben, das nun in der zweiten Phase als Ge(h)fit-Plus läuft. Es sei sehr wichtig, die Vereine für Projektmanagement und Finanzakquise fit zu machen, betont Saliou Gueye. Deswegen sollen jetzt 14 Vereine in die Ausbildung von Vereinsberatern eingebunden werden, auch Einzelpersonen können sich bewerben. Von September 2012 bis Herbst 2014 sollen so 25 Deutsche und Migranten lernen, wie Integration im Verein machbar ist. Bisher gibt es 15 Anmeldungen. Ab 2015 sollen sie dann im Ehrenamt die Vereine gegen eine Aufwandsentschädigung beraten, diese wiederum stellen Praktikumsplätze zur Verfügung.
Davon erhofft sich die Stadt „die Förderung interkultureller Kompetenz“, wie Ge(h)fit-Koordinatorin Ulla Berner sagt. „Denn Jugendliche wollen nicht mehr den reinen Kulturzweck im Verein leben“, auch die Migrantenorganisationen müssten sich bewegen. Mit den Beratern und veränderten Förderkriterien hofft Gueye, den Nerv getroffen zu haben: „Wir sind gespannt auf die Kreativität der Vereine.“







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