

Die Zelkove ist 50 Jahre alt. Den besonders langsam wachsenden Miniaturbaum aus der Familie der Ulmengewächse hat Herbert Pfitzinger gut dreißig Jahre gegossen und gepflegt. Jetzt ist nur noch einer der zarten Äste übriggeblieben.
Eine Woche nach der Tat ringt Herbert Pfitzinger in seinem Garten immer noch um Fassung. Ein Unbekannter hat 27 Bäume seiner Bonsaisammlung zerstört. Mit glatten Schnitten hat der Täter die kleinen Baumkronen und Äste abgetrennt. „Das muss jemand mit einer Rebschere gemacht haben“, vermutet der Rentner. „Es kann nur wenige Minuten gedauert haben.“ Dann waren die Jahrzehnte alten Zwergbäume zerstört. Bonsai ist eine fernöstliche Gartenkunst, die übersetzt „Anpflanzung in der Schale bedeutet“. Besonders prachtvolle Exemplare sind meist sehr viele Jahre alt.
Anfang der 80er Jahre ist Pfitzinger auf die fernöstliche Gartenkunst gekommen, nachdem er eine Bonsai-Ausstellung besucht hatte. „Im Garten konnte ich den Ärger von der Arbeit vergessen und richtig abschalten“, sagt der 76-Jährige. „Ein Hobby? Das ist viel mehr als ein Hobby“, sagt Elisabeth Pfitzinger über die Bonsai-Leidenschaft ihres Mannes. Zu jedem Baum kann Herbert Pfitzinger eine Geschichte erzählen. Um manche Exemplare tut es ihm besonders leid. Der Flieder zum Beispiel war schon 70 Jahre alt, eine Eibe 35 Jahre. „Vieles habe ich aus dem Urlaub im Gebirge mitgebracht“, erzählt er. „Nicht illegal“, das ist ihm wichtig. Er habe immer den Förster um Erlaubnis gefragt. Die Kiefer kommt aus Schweden, die Fichte hat er einst als Setzling aus dem Tannheimer Tal mitgebracht. Einen anderen Bonsai hat er mal von einem guten Freund geschenkt bekommen. „Der Freund ist erst vor zwei Wochen gestorben. Jetzt ist auch sein Baum hinüber.“
Der Unbekannte hat nicht die gesamte Bonsai-Sammlung zerstört. Um die übrig Gebliebenen sorgt Pfitzinger sich nun. Er will sie jetzt schnell ins Winterquartier bringen. Zurück bleibt Ratlosigkeit. „Was muss das für ein Mensch sein, der zu so etwas fähig ist“, Elisabeth und Herbert Pfitzinger grübeln über die Beweggründe des Unbekannten. Ob sie darauf eine Antwort erhalten werden? Die Polizei macht ihnen wenig Hoffnung. „Wir haben bisher wenige Ermittlungsansätze“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn. „Die Nachbarschaftsbefragung läuft derzeit noch. Die Spurenlage gibt wenig her.“ Die Polizei ermittelt, weil die Bäume nicht nur eine ideelle Bedeutung haben, sondern auch einen beachtlichen materiellen Wert. Zeugen, die in der vergangenen Woche in der Zeit von Dienstag bis Donnerstag in der Hoffeldstraße etwas Verdächtiges bemerkt haben, können sich unter Telefon (0 71 41) 18 53 53 an die Polizei wenden.






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