Schulcampus
Ludwigsburg | 09. März 2017

Jetzt wird täglich durchgelüftet

Im alten Fachklassentrakt erhöhte PCB-Werte – Laut Stadt besteht keine Gefährdung – Luftreinigungsgeräte werden getestet

Der alte Fachklassentrakt beim Schiller- und Mörike-Gymnasium. Foto: Holm Wolschendorf
Der alte Fachklassentrakt beim Schiller- und Mörike-Gymnasium. Foto: Holm Wolschendorf

Seit der Debatte um Schadstoffe im Bildungszentrum West sind Schulen, Eltern und Kommunalpolitiker sensibler geworden. Kein Wunder, dass auch nach dem alten Fachklassentrakt auf dem Schulcampus Innenstadt gefragt wird. Vom Abriss war schon die Rede, doch der Betonklotz wird von den Gymnasien für den Fachunterricht gebraucht. Auch dort finden sich in den Räumen Schadstoffe.

Wie hoch die Konzentration ist, war bislang unbekannt. Die Stadt hat deshalb auf Anfrage einer Personalrätin des Mörike-Gymnasiums vom September letzten Jahres Messungen veranlasst. Auch Grünen-Stadtrat Michael Vierling hatte mehrfach darauf gedrängt, nach den Erfahrungen im Bildungszentrum West die Raumluft untersuchen zu lassen. Zwei Messungen wurden daraufhin veranlasst, wie die Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt.

Ähnlich dramatisch wie am Bildungszentrum West scheint die Lage nicht zu sein. Während dort in den Klassenzimmern vor allem hohe Formaldehyd-Werte gemessen wurden, liegen diese im Fachklassentrakt mit bis zu 0,016 Milligramm pro Kubikmeter deutlich unter dem zulässigen Wert von 0,1 Milligramm. Zum Vergleich: Im Bildungszentrum West war die Raumluft mit bis zu 1,75 Milligramm belastet – was den Einbau einer mechanischen Belüftung nach sich zog.

Vor allem wegen des Brands vor neun Jahren sollte auch auf die giftigen Stoffe Dioxine und Furane untersucht werden, die üblicherweise nach Bränden entstehen. Dabei gab es Entwarnung, auch in Bezug auf Asbest. In den Räumen, in denen gemessen wurde, ergab sich jedoch eine PCB-Konzentration von bis 701 Nanogramm pro Kubikmeter. Solche Werte liegen über dem Vorsorgewert von 300 Nanogramm – die Stadt ist also gefordert, etwas zu tun. Allerdings liegen sie unter den Schadstoffkonzentrationen, die als gesundheitsgefährdend gelten. Diese liegen bei 3000 Nanogramm.

Als Ursache für die PCB-Schadstoffe wurden laut einem Bericht von Michael Lämmermeier vom Fachbereich Hochbau die Dehnfugen ausgemacht. In manchen Zimmern gibt es bis zu 40 Meter solcher Fugen. Decken, Wände und Böden sind laut Angaben der Stadt stark mit PCB kontaminiert.

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„Eine unmittelbare Gefährdung besteht für die Nutzer nicht“, stellt die Stadt fest. Nach deren Angaben bestätige das Gesundheitsamt diese Sicht. Doch dort erklärt man, dass das Gutachten noch nicht vorliege. Die Aussage der Stadt, die gemessenen Werte „würden von uns als unproblematisch angesehen, ist definitiv nicht zutreffend“, teilt der Sprecher des Landratsamts, Andreas Fritz, auf Nachfrage mit. Ein akutes gesundheitliches Risiko bestehe nicht, das Gesundheitsamt verlange aber aus Gründen der gesundheitlichen Vorsorge mittelfristig weitere Schritte.

Als erste Maßnahme hat die Stadt die Hausmeister angewiesen, morgens alle Fenster im Fachklassentrakt zu öffnen und 30 Minuten lang zu lüften. Auch die Lehrer sollen darauf achten, dass regelmäßig gelüftet wird. In monatlichem Abstand soll auch eine Sonderreinigung stattfinden.

Fest steht, dass damit der Wert nicht unter die 300 Nanogramm (Vorsorgewert) gedrückt werden kann. Deshalb ist seit den Faschingsferien in einem Klassenzimmer ein neuartiges Luftreinigungsgerät im Einsatz. Dieses Gerät soll mit speziellen Filtern PCB-Schadstoffe ausfiltern. Nach Angaben der Stadt läuft dazu eine Messreihe, die zeigen soll, ob es was nützt. In etwa sechs Wochen, so der Bericht vom Fachbereich Hochbau, sollen die Ergebnisse dazu vorliegen. Danach werden weitere Schritte folgen.

Die Messungen lassen die Stadt aufatmen, dennoch muss an eine Sanierung des Gebäudes gedacht werden. Kostspielige Eingriffe, heißt es in dem auch den Schulen vorgelegten Bericht des Fachbereichs Hochbau, will man vermeiden, weil der Fachklassentrakt sowieso für den Abriss vorgesehen sei.

Hans-Peter Jans
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