06.10.2012

Kleine Schritte und Visionen

Aufbruchstimmung bei Rathausspitze und Stadträten – Bald Gutachten über Erhöhung der Bahnsteige

Der Ludwigsburger Bahnhof und sein Vorplatz. Links schließt sich der Zentrale Omnibusbahnhof an.

Viele Jahre nach der Einweihung 1992 war der Ludwigsburger Bahnhof eben so wie er war, der Großteil der Politik unternahm nur selten einen Anlauf, die Schwächen und Misstände des „Einkaufszentrums mit Gleisanschluss“ zu beheben. Das blieb meist Sache von Engagierten außerhalb der der Politik, ein Kampf um jede noch so kleine Verbesserung.

Dann kam die große Neuordnung im Westen des Bahnhofs, ein Teil davon war der Westausgang. Ein echter Quantensprung – der allerdings fast schon wieder bescheiden daherkommt, wenn man hört, welche Zukunftspläne und welche Hoffnungen inzwischen mit dem gesamten Bahnhof einher gehen.

Die Initialzündung gab Oberbürgermeister Werner Spec, der vor einem Jahr den Bahnhof zur Chefsache erklärt hat. Auch der Gemeinderat nahm wieder Fahrt auf. Ein handfestes Ergebnis: Seit Juli gibt es im Rathaus eine neue Stelle, für einen Projektentwickler Bahnhof, besetzt mit dem früheren Hotelmanager Arne Wintermeier.

Spec spannt einen großen Bogen. An beiden Enden einer weiten Innenstadtachse sieht er mit die wichtigsten „Baustellen“ dieser Tage: hier den Bahnhof, dort das Marstallcenter. Dazwischen der Weg über Myliusstraße, Schillerplatz und Wilhelmgalerie in die Fußgängerzone und zum Marstallcenter. Auch an dieser Achse schlummert noch ein wesentliches Zukunftsprojekt, die Neugestaltung von Schillerplatz und Arsenalplatz.

Für den Bahnhof hatte die Stadtverwaltung Planer beauftragt, die Ideen entwickelten. Im Grunde lassen sie nur die Hülle des Bahnhofsbaus unberührt und schlagen im Inneren eine großzügige Bahnhofshalle vor mit kleineren und feineren Geschäften, auch mit einer Galerie versehen. Eigentümer des gesamten Bahnhofgebäudes ist die Dibag Industriebau AG, ein großes Immobilienunternehmen mit Sitz in München. Ob Dibag jemals an derart weitreichende Umbaupläne herangehen wird, ist vollkommen offen. Manche halten es für durchaus denkbar, zumal dann, wenn – wie derzeit spekuliert wird – der Elektroriese Saturn als mit Abstand größter Bahnhofs-Mieter bald auszieht und im Marstallcenter eine neue Heimat findet.

Andere wollen darüber nachdenken, ob das Bahnhofsgebäude überhaupt als Ladenzentrum ein Zukunft haben soll und ob es nicht besser für den Bahnhof und die Innenstadt wäre, an dieser Stelle den Einzelhandel im Kern auf den Reisebedarf zu konzentrieren.

Über all diese zum Teil noch visionär erscheinenden Gedanken hinaus ist aber auch im zeitlichen Nahbereich manches in Bewegung geraten (siehe auch nebenstehenden Text). Der neue Bahnhofs-Entwickler im Rathaus hatte einiges zu berichten, als diese Woche Stadträte zum Vor-Ort-Termin an den Bahnhof kamen. Etwa von Aktionen des Bahnhofseigentümers, der die Fassade neu streichen ließ und der im Erdgeschoss aus zwei kleinen Läden demnächst ein Café mit Wartebereich einrichten will. Und der die Beleuchtung im Inneren verbesserte.

„Es gibt in weiteren Punkten wie zum Beispiel dem Einbau von Rolltreppen noch keine Ergebnisse, aber es ist für uns schon äußerst erfreulich, wie gesprächsbereit man sich bei Dibag zeigt“, berichtet Wintermeier.

Zukunftsmusik will die Stadt zusammen mit dem Fraunhofer Institut anstimmen, eine „Multimodale Box“ ist das Ziel. Will heißen: Ähnlich einer Paketstation der Post soll es am Bahnhof eine Station geben, die Gepäckaufbewahrung bietet, Ladestation für Elektrofahrräder ist, aber noch viel mehr kann, zum Beispiel den Einkauf übers Internet. Motto: Morgens per Smartphone Gemüse, Obst und andere Lebensmittel ordern und die Bestellung abends auf dem Weg nach Hause aus einer gekühlten Box abholen.

Auch die Bahn zeigt sich kooperativ, im Kleinen mit einem lang geforderten DB-Logo an der Gebäudefront, wie in größeren Beiträgen: Sie will 70 000 Euro in die Unterführung stecken. Eine entscheidende Diskussion und Weichenstellung steht aber noch aus, beim Thema Erhöhung der Bahnsteige, damit das Einsteigen in die S-Bahn einfacher wird. Die Bahn will offenbar demnächst ein Gutachten über dieses Vorhaben vorlegen.

Und den Stadträten fällt noch jede Menge zum Thema Bahnhof ein. „Da ist manches noch Mittelalter, der Busbahnhof und die Haltestellen brauchen digitale Anzeigen“, sagt Dr. Eckart Bohn (SPD). Eine bessere Gestaltung des Vorplatzes wünschen sich Wilhelm Haag (FDP) wie Markus Gericke (Grüne), bessere Radabstellplätze auch zur Innenstadt hin fordert Prof. Michael Vierling. Und Elga Burkhardt (Lubu) weiß schon lange ein Lied von erhöhten Bahnsteigen zu singen.

URL: http://www.lkz.de/lokales/stadt-kreis-ludwigsburg_artikel,-Kleine-Schritte-und-Visionen-_arid,89628.html