LUDWIGSBURG | 26. Juni 2008

Königin Beatrix bringt Vase nach Stuttgart

Während eines Deutschlandaufenthalts im Jahr 1982 besuchte Königin Beatrix der Niederlande auch die Landeshauptstadt Stuttgart. Als Staatsgeschenk überreichte sie dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten eine Trichtervase aus Ludwigsburger Porzellan. Die Schauseite ist mit einer Ansicht von Stuttgart dekoriert. Verkehrte Welt? Wäre eine solche Vase nicht weit sinnvoller als Geschenk der Landesregierung an die niederländische Königin zur Erinnerung an ihren Besuch in Stuttgart?

Bild: Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württem


Das Präsent war sehr gut überlegt, denn mit der Vase hat es eine besondere Bewandtnis. Sie stammt aus dem Besitz von Königin Sophie der Niederlande, einer württembergischen Prinzessin. Als zweite Tochter aus der Ehe König Wilhelms I. mit seiner Cousine Katharina, der russischen Großfürstin, war Sophie vor 190 Jahren, am 17. Juni 1818, in Stuttgart zur Welt gekommen. Am 18. Juni 1839 hatte sie sich im Marmorsaal des Neuen Schlosses mit dem niederländischen Kronprinzen vermählt, der 1849 als König Wilhelm III. den Thron bestieg. Als Königin Sophie der Niederlande 1877 in Den Haag starb, befand sich die Ludwigsburger Vase in ihrem Nachlass.
Streng genommen handelt es sich nicht um eine Vase, sondern um einen Cachepot, eine Blumentopfhülle. Das Gefäß besteht aus zwei Teilen, die sich optisch zu einer Einheit fügen und als Vase erscheinen. Durch ein Loch im Boden des trichterförmigen Oberteils kann bei der Benutzung als Cachepot überschüssiges Wasser in den inneren, hohlen Sockel abfließen. Die ungeheure Leuchtkraft des matten kobaltblauen Fonds wird durch die Vergoldung der Profile und Ränder noch gesteigert.
In radiertem Goldrahmen mit der Aufschrift „Stuttgart“ prangt eine gemalte Ansicht der Residenzstadt. Von erhöhtem Standpunkt aus blickt man über Felder und eine Allee auf die Silhouette der Stadt, die sich unter zart von Dämmerlicht getöntem Himmel von den Hängen des Neckartals abhebt.
Das Gefäß stammt aus der spätesten Zeit der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg, die zu schließen sich König Wilhelm I. 1824 aus wirtschaftlichen Gründen genötigt sah. In seiner fern der Heimat unglücklich verheirateten Tochter Sophie mag die stimmungsvolle Ansicht ihrer Geburtsstadt wehmütige Erinnerungen geweckt haben.
In den Besitz des Landesmuseums gelangte die Vase im Mai 1987. Anlässlich des 125-jährigen Bestehens überreichte der damalige Ministerpräsident Lothar Späth das traditionsreiche Stück am Eröffnungstag. Seit 2004 ist es im Keramikmuseum in Schloss Ludwigsburg ausgestellt.

Dr. Sabine Hesse
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