Ein überraschendes Geschenk
Ein überraschendes Geschenk
„Das Gebäude ist standsicher“, betonte Wolf. Dennoch müsse die Dynamik im Untergrund beobachtet werden, um auf maßgebliche Änderungen reagieren zu können. Und weil nichts zu 100 Prozent ausgeschlossen werden könne, werde ein Krisenplan ausgearbeitet, wie das Rathaus bei einer Einsturzgefahr schnell geräumt und der Betrieb dennoch aufrechterhalten werden könne. „Die Grobstruktur steht, an Details wird noch gearbeitet.“ Ein Sicherheitskoordinator und Stockwerksbeauftragte sollen demnächst ausgebildet werden.
Das über 40 Jahre alte Rathaus an Ort und Stelle werde nicht zu halten sein, meinte Sonja Widmann vom Fachbereich Hoch- und Tiefbau. Ein Neubau müsse ins Auge gefasst werden. Denn eine Sanierung oder ein Auffüllen des löchrigen Untergrunds mache keinen Sinn. „Wir müssen auch die Kostenseite im Blick haben“, sagte Widmann. Der fortschreitende Auslaugungsprozess im Boden könne verzögert, aber nicht mehr gestoppt werden. „Wir müssen reagieren – und das nicht erst in fünf Jahren“, sondern in den nächsten Monaten, so Schultes Wolf. Er trage Verantwortung für Mitarbeiter und Bürger, die sich im Gebäude aufhielten. Deshalb sei innerhalb der Verwaltung eine „Arbeitsgruppe Rathaus“ gebildet worden, die sich regelmäßig austauschen will.
Zum Hintergrund: Trotz des problematischen Untergrunds wurde das Gebäude seinerzeit ohne ausreichende Tiefengründung errichtet. Das rächt sich mit Rissen und Senkungen. Schon 1988 ergab ein Gutachten, dass sich unter dem Rathaus Hohlräume gebildet hatten. Die Setzungen waren hauptsächlich im südwestlichen und südlichen Teil des Bauwerks messbar. Zwei jüngere Expertisen gehen davon aus, dass die Gipsauslaugungen und die damit verbundenen Nachsackungen in der Umgebung des Saalplatzes noch nicht abgeschlossen sind.
Durch Probebohrungen wurden mächtige, bis zu zwei Meter hohe Löcher im Boden entdeckt, die kaum zu verfüllen sind. „Alles verfließt ins Unendliche“, schließt Widmann eine weitere nachträgliche Stabilisierung des Fundaments aus. Dazu kommt, dass sich seit 1988 der Grundwasserspiegel um bis zu drei Meter gesenkt hat. Damit fehlt ein hydrostatischer Gegendruck. Im gleichen Zeitraum habe sich das Haus um fünf Zentimeter gesenkt, sei bis zu 29 Zentimeter aus dem Lot geraten. Dennoch bestätige der Statiker dem Gebäude „Standsicherheit“.
Experten empfehlen nun monatliche Messungen der Gesamtsituation, um schnell auf bedrohliche Veränderungen reagieren zu können. Des Weiteren soll eine Grundwassermesseinrichtung installiert werden. Sämtliche Maßnahmen kosten die Kommune alleine in diesem Jahr noch 34 000 Euro.
„Nicht noch ein Gutachten“, forderte Dr. Otto Koblinger (FW). Die Ergebnisse seien hinlänglich bekannt, mit neuen Erkenntnissen nicht zu rechnen. Dagegen würde jede Art von Verfüllung etwas mehr an Sicherheit bringen, glaubt er. „Und wenn wir nur einen Teil des Fundaments stützen, ist schon Zeit gewonnen, die Standortfrage für einen Neubau zu diskutieren.“
„Wir brauchen neue Messungen“, meint dagegen Martin Hönes (CDU). „Es“ – der Einsturz – könne jederzeit passieren: „Wenn, dann hoffentlich nachts.“ Viola Noack von der FDP sagte: „Wenn etwas passiert, möchte ich die Verantwortung nicht tragen müssen, etwas nicht getan zu haben.“ Ihr Parteikollege Peter Ott urteilte: „Das Rathaus ist nicht der schönste Fleck im Ort. Arg schad’ wär’s darum nicht.“ Allerdings gehe Sicherheit vor. Bei zwei Enthaltungen wurden die weiteren Messungen und der Ausarbeitung des Notfallplans zugestimmt.




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