



Manche Dinge ändern sich nie. Wenn ältere Herren mit Mofas oder Mokicks ganz stolz ihre Runden drehen, dann kann man fast davon ausgehen, dass diese Liebe zum Zweirad bereits seit frühester Jugend besteht. Zweitakt-Freunde, und vor allem Freunde der Marke Kreidler trafen sich am Wochenende zu einem internationalen Festival, stilecht natürlich auf dem ehemaligen Werksgelände in Kornwestheim.
Die Werkshallen stehen zwar schon lange nicht mehr, schließlich ist das Unternehmen Kreidler im Jahr 1982 Pleite gegangen, doch der Platz ist zumindest noch der gleiche.
Fein aufgereiht stehen die Motorräder auf dem Industrieparkplatz, die meisten hören auf den Namen Florett. Diese Marke wurde ab dem Jahr 1957 bis zum Ende gebaut. Ein Klassiker für Kreidler-Fans sind die Baureihen aus den 1950er und 1960er Jahren. Elegant geschwungen, mit oder ohne Durchstieg für die Damenwelt, und immer in den Farben Grau und Creme. Die Kreidler-Mopeds waren damals technisch auf dem neuesten Stand. Und die Konkurrenz der schweren Viertakt-Motorräder noch weit entfernt.
Gleich daneben die „Rennsemmeln“. In der sogenannten Schnapsglas-Klasse (50 Kubikzentimeter) war Kreidler in den 1970er bis Anfang der 1980er Jahre das Maß aller Dinge. In dieser Zeit wurden sieben Weltmeisterschaften gewonnen. Und auf dem Großen Salzsee in den USA wurden Geschwindigkeitsweltrekorde von über 200 Stundenkilometern aufgestellt.
Das alles gehört zum Mythos Kreidler und in Kornwestheim wurde dieser anständig ausgelebt. Immer wieder fuhr ein Motorradkorso rund um das Kreidler-Gewerbegebiet und verbreitet einen Zweitakt-Duft von Benzin und Motorenöl. Allerdings waren nicht nur Kreidler auf der Straße, auch die Marken Puch, Herkules oder NSU waren vertreten. Und dazwischen ein paar große Viertakt-Brüder der Marken Triumph oder Jawa. Zudem gab es Show- und Stunteinlagen. Und auch die schönste Rennmaschine wurde gekürt. Am Samstagabend spielte die Band Fine Rip Cover-Songs aus dem den 60er und 70er Jahren. Aus einer Zeit eben, als die heutigen Kreidlerbesitzer auch noch jung waren. Nach dem Festgottesdienst machten sich die Moped-Fahrer dann wieder auf die Heimreise.
„Wir hatten Besucher aus der Schweiz, aus Norddeutschland und auch aus Österreich. Und die meisten sind selbst nach Kornwestheim gefahren“, sagt Ozren Kuzmanovic, den alle auf dem Platz nur Ozzy nennen. Er ist Vorsitzender des Motorsportclubs Ludwigsburg und hat bereits vor zwei Jahren eine solche Veranstaltung auf die Beine gestellt. Doch damals ging die Kalkulation nicht auf. „Eine fünfstellige Euro-Summe hatten wir am Ende draufgelegt, daher war es nicht unsere Absicht nochmals eine solche Veranstaltung durchzuziehen“, sagt Kuzmanovic. Doch die Kreidler-Fans wollten ihr Treffen. Immer wieder seien Aufforderungen an ihn herangetragen worden, es nochmals zu versuchen. Schließlich ließen sich die Ludwigsburger doch breit schlagen.
Diesmal wurden bereits im Vorfeld einige Sponsoren mit ins Boot genommen. Am Wochenende waren rund 5000 Besucher beim Kreidler-Festival und 1000 Motorräder zu sehen, das macht auch den Vereinsvorsitzenden optimistisch, dass man diesmal wenigstens Null auf Null rauskommt. Kuzmanovic: „Und wenn man dann noch das Glänzen in den Augen der Leute sieht, dann hat sich auch der Aufwand für den Verein gelohnt“.







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