
Land schießt eine Million Euro zu

War die Schulsozialarbeit vor 20 Jahren noch ein negatives Zeichen für Probleme an der Bildungseinrichtung, wird sie heutzutage als Qualitätsmerkmal geschätzt. Und das Land lässt sich das Angebot etwas kosten, um Mobbing, Sucht und Jugendarbeitslosigkeit einzudämmen: Im Pakt für Familien mit Kindern vom 1. Dezember 2011 war zwischen der Landesregierung und den kommunalen Landesverbänden vereinbart worden, dass sich das Land von 2012 an mit einem Drittel an den Kosten für Jugendsozialarbeit an öffentlichen Schulen beteiligt – und zwar bis zu einem Betrag von 15 Millionen Euro jährlich. Sozialministerin Katrin Altpeter hatte Anfang Oktober angekündigt, die Mittel angesichts des hohen Bedarfs von 2014 an sogar auf 25 Millionen Euro aufzustocken (wir berichteten). Die Förderpauschale pro Vollzeitstelle beträgt 16 700 Euro, bei Teilzeitkräften wird der Betrag entsprechend reduziert.
Der Landkreis Ludwigsburg übernimmt – zunächst einmal in diesem Schuljahr – ein weiteres Drittel der Ausgaben für die Schulsozialarbeit. Den Rest bezahlt der Schulträger, also die Kommune. Bisher hatten die Städte und Gemeinden die Kosten alleine schulten müssen.
In den Kreis Ludwigsburg wird dieses Schuljahr gut eine Million Euro Landesmittel fließen. Die beiden Ludwigsburger Landtagsabgeordneten Jürgen Walter (Grüne) und Claus Schmiedel (SPD) werten dies in einer gemeinsamen Pressemitteilung als einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Konfliktpotenzialen an Schulen. In der Stadt Ludwigsburg erhalten laut Schmiedel und Walter Carl-Schaefer-Schule, Erich-Bracher-Schule, Mathilde-Planck-Schule, Oscar-Walcker-Schule und Robert-Franck-Schule insgesamt über 167 000 Euro. In Asperg kommen die Friedrich-Hölderlin-Schule, das Friedrich-List-Gymnasium und die Goetheschule in den Genuss von zusammen 23 658 Euro aus dem Fördertopf. Nach Freiberg fließen 16 700 Euro Landesmittel für den seit 18 Jahren tätigen Schulsozialarbeiter der Oscar-Paret-Schule. Der Gemeinderat wird im Rahmen der Haushaltsberatungen entschieden, ob eine zweite Stelle dazu kommt.
Alle Schulen, die ihren Förderantrag vollständig ausgefüllt haben, seien auch bedacht worden, versicherte das Sozialministerium auf Anfrage unserer Zeitung gestern. Es habe einen wahren Ansturm gegeben. Bis zum Ende des Schuljahres 2012/13 soll es in Baden-Württemberg 1060 Vollzeitstellen in der Schulsozialarbeit geben. Mitte 2010 waren es lediglich 690 gewesen, derzeit sind es 980. Wie viel neue Stellen im Kreis Ludwigsburg geschaffen werden, ist noch unklar, da die Schulen das Geld auch für Sozialarbeiter verwenden können, die bereits im Einsatz sind.