



Mit dem Dokumentardrama „George“ hat sich der Ludwigsburger Produzent Jochen Laube an eine besondere Herausforderung gewagt: Ex-Tatort-Kommissar Götz George spielt darin seinen verstorbenen Vater – keine einfache Rolle, denn Heinrich Georges Wirken zu Zeiten des Dritten Reichs gilt bis heute als umstritten.
Filme wie Fritz Langs „Metropolis“ und das Milieu-Drama „Berlin – Alexanderplatz“ machten Heinrich George in den 20er und 30er Jahren zu einem der größten deutschen Schauspieler. Seine Filmographie umfasst jedoch auch NS-Propagandafilme wie „Jüd Süß“ und „Hitlerjunge Quex“. Dass der Schauspieler schon zu Lebzeiten polarisierte, verdeutlicht auch die Szene in der Musikhalle: In der Handlung werden die prunkvollen Räume am Ludwigsburger Bahnhof kurzerhand in das holländische Utrecht verlagert. Dort machte Heinrich Georges Theaterensemble auf einer Europatournee Station – kurz nach dem Einmarsch der Nazis in Österreich. Während George in Wien noch gefeiert wurde, warf das Prager Publikum bereits mit Steinen. In Utrecht wurde die Vorstellung schlicht boykottiert. Nur drei deutsche Diplomaten plus Gattinnen – im Film von Komparsen aus Ludwigsburg und Umgebung verkörpert – saßen im Saal. Als der Theaterabend abgesagt werden sollte, widersprach Heinrich George. Er beharrte darauf, die Vorstellung seines Lebens zu geben – nicht für die Zuschauer, sondern für die Kunst.
„Es ist eine sehr wichtige Szene für den Film. Sie ist zum einen beispielhaft für Heinrich Georges Persönlichkeit, zum anderen aber auch für die damalige Zeit und die politischen Verhältnisse“, beschreibt Laube das Ergebnis des letzten von insgesamt 22 Drehtagen, bei denen das Filmteam unter anderem in Berlin, Heidelberg und auf der Schwäbischen Alb gastierte.
„Die Arbeit mit Götz George war absolut beeindruckend. Er ist ein fantastischer Schauspieler, war immer zu 150 Produzent vorbereitet und konzentriert und hat im ganzen Prozess von der Vorbereitung bis zum letzten Drehtag in Ludwigsburg Übermenschliches geleistet“, schwärmt der Produzent. Und das, obwohl Götz George es in den vergangenen 15 Jahren diverse Male abgelehnt hatte, in die Rolle seines Vaters zu schlüpfen – nachvollziehbar, kennt man das tragische Ende der Karriere Heinrich Georges: Die letzten Monate seines Lebens verbrachte er im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen, das der sowjetische Geheimdienst nach Kriegsende nutzte, um Funktionäre und Sympathisanten des NS-Regimes zu inhaftieren. Dort starb der einst massige Schauspieler an Unterernährung.
Im Film kommen auch Zeitzeugen zu Wort, die Heinrich Georges Leben, teilweise auch seine letzten Tage im Lager miterlebt haben. Die dokumentarischen Elemente mischen die Macher mit Spielfilmsequenzen. Letzten Endes sei es diese besondere Konzeption gewesen, die Götz George überzeugt hat, an der Produktion mitzuwirken. Dabei trägt der 74-Jährige selbst wohl am meisten zur Verknüpfung von Dokumentation und Fiktion bei. Im Film tritt Götz George nicht nur als Zeitzeuge auf und spielt parallel die Hauptrolle, sondern hat auch bei der Entwicklung des Charakters Heinrich George eng mit den Filmemachern zusammengearbeitet.
Da liegt die Frage nahe, wie objektiv ein Darsteller sein kann, wenn es darum geht, dem eigenen Vater gerecht zu werden. „Er hat nicht darauf gedrängt, das Leben und das Wirken seines Vaters im Drehbuch und im Film einseitig darzustellen“, so Laube. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, muss sich noch gedulden. Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 soll „George“ in der ARD zu sehen sein.







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