27.08.2012

Lichterspektakel lockt Tausende in den Park

Erst Woodstock-Flair, dann Feuerwerk: Der Lichterzauber des Blühenden Barock hat am Samstag wieder Tausende von Menschen in den Bann gezogen.

Fast schien es, als explodiere die Emichsburg in allen Farben.

Gestört wurde die Idylle nur durch einen Feuerwehreinsatz, kurz nachdem sich der Lampionumzug in Bewegung gesetzt hatte. „Nicht, dass das Nachthemd von Clown Ferdinand in Brand geraten ist“, unkte Clown Peppo beim Anblick des Feuerwehrautos mit Martinshorn und Blaulicht. Er wies mit einer Laterne in der Hand dem langen Lampionzug aus Eltern, Kindern und Buggys den Weg in Richtung des Unteren Obstgartens.

Das Rettungsfahrzeug bahnte sich seinen Weg quer durch das BlüBa-Gelände und fuhr ausgerechnet auf dem Hauptweg, auf dem die Teilnehmer des Lampionzuges unterwegs waren. Vor allem bei den Kindern war der Schreck groß. Glücklicherweise qualmten im Bereich der Planie neben einer Toilettenanlage lediglich zwei Strohballen, und der Einsatz der Rettungskräfte war schnell vorüber.

Schon am Nachmittag waren die Besucher auf das BlüBa-Gelände geströmt. Der Schiffsmodellclub Ludwigsburg ließ gemeinsam mit Vereinsfreunden aus Leonberg rund 30 Schiffsmodelle – vom Frachter bis zum U-Boot – zu Wasser. Ein Leuchtturmnachbau aus 22 000 Steinen, das Original steht in Danzig, wies den Besuchern den Weg. Sogar ein Schwan und ein Delfin im Kleinformat waren zu bestaunen.

Festivalstimmung herrschte auf der Bühne in der Nähe des Parkcafés sowie auf der Bühne im Oberen Obstgarten: Dort gaben sich sechs Bands aus dem Best-of-Projekt der Kreissparkasse Ludwigsburg die musikalische Klinke in die Hand. Sie brachten die Musikfans mit einer Mischung aus a cappella, Rock, Jazz und Soul in Stimmung. Für herbstliches Flair sorgten die Kunstwerke und Kulinarisches aus Kürbissen. Bänke und Strohballen luden zum Verweilen an. An dem Imbissstand auf der Wiese vor der Emichsburg dampften Friteuse und Grill um die Wette.

Die Plätze mit der besten Sicht auf die Emichsburg waren schnell vergeben: Die Wiese glich am frühen Abend einem Meer aus Decken. Zwischen den Blumenrabatten hatten Familien mit Kindern und Freundesgruppen ihr Lager aufgeschlagen und ihre Picknickkörbe ausgepackt. Chipstüten würden geöffnet, Sekt- und Weinkorken knallten und ploppten. Schalen mit Pommes wurden über die Köpfe der Picknickenden zum eigenen Platz balanciert.

Einige Lichterfest-Profis waren mit Klappstühlen zum BlüBa gepilgert und hatten diese in Position gebracht. Ein bisschen Komfort muss schließlich sein. „Bitte einen Stehplatz frei- halten. Ich komme noch. Danke“, hatte jemand auf einen Zettel geschrieben und samt Schirm und Leinenbeutel oben auf der Brüstung unterhalb des Schlosses befestigt. Dort sicherten sich einige gewiefte Besucher ungeachtet der vorbeiströmenden Massen ihren persönlichen Logenplatz.

Alle Hände voll zu tun hatten die Beschäftigten des BlüBa, die ab 19 Uhr damit begannen, die Lichterbecher und -teller zu entzünden. Von 10 000 Stück war die Rede. Unterstützt wurden sie von einigen Gästen, die bereitwillig Feuerzeug und Streichhölzer zückten. Endlich konnten auch die Kinder ihre Lampions zum Leuchten bringen, die sie dort gebastelt oder mitgebracht hatten.

Bei Einbruch der Dunkelheit wurden unterhalb der Emichsburg selbst Stehplätze zur Mangelware. „Alles, was größer ist als 1,60 Meter, hinsetzen“, tönte ein Scherzbold. „Wir machen jetzt die Gasse dicht“, beschwerte sich eine Frau mittleren Alters über den drängelnden Durchgangsverkehr.

Doch alles war vergessen, als kurz nach 21 Uhr die ersten Feuerwerkskörper aus der Emichsburg gen Himmel schossen. Perfekt abgestimmt auf die Hits der unsterblichen Sängerin Amy Winehouse erlebten die Zuschauer ein faszinierendes und farbenfrohes Lichterspektakel. Die Pyrotechniker, die aus dem ostwestfälischen Bielefeld angereist waren, zauberten unzählige Sterne an den Himmel und hielten die Regenwolken in Schach. Bei dem vermeintlichen Brand der Emichsburg handelte es sich nur um einen gelungenen pyrotechnischen Effekt. Die meisten Besucher hatten das BlüBa-Gelände verlassen, als die ersten Regentropfen fielen. So etwas nennt man ein perfektes Timing.

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