Magna-Näher
KREIS LUDWIGSBURG | 31. Oktober 2012

Markgröninger Werk vor dem Aus

Die Mitarbeiter des Autozulieferers Magna-Näher in Markgröningen kommen nicht zur Ruhe. Erneut schockt sie eine Schreckensnachricht: Der Konzern hat Pläne, das Werk im zweiten Quartal 2014 zu schließen.

Der Magna-Konzern hat Pläne, das Magna-Näher-Werk in Markgröningen im zweiten Quartal 2014 dichtzumachen.
Der Magna-Konzern hat Pläne, das Magna-Näher-Werk in Markgröningen im zweiten Quartal 2014 dichtzumachen.
Luftbild: Werner Kuhnle

Markgröningen. Vonseiten des Mutterkonzerns Magna war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Markgröningens Bürgermeister Rudolf Kürner ist aber von der Magna-Näher-Leitung bereits über die Schließungsabsichten informiert worden. Kürner sagte gestern gegenüber unserer Zeitung: „Ich werde alles tun, um Arbeitsplätze in Markgröningen zu erhalten.“ Er bedauere die Pläne sehr. Er wolle aber als Wirtschaftsförderer mit dem Konzern Kontakt halten, um mögliche Chancen für den Standort auszuloten.

Alarmstimmung herrscht auf der Arbeitnehmerseite. Nach Angaben von Andreas Klose, der als Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) für Magna-Näher in Markgröningen zuständig ist, sind an dem Standort derzeit 800 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 200 Leiharbeiter. Wie deren Zukunft nun aussieht, ist ungewiss. Gestern hat sich der Magna-Näher-Betriebsrat zu Beratungen im IG-BCE-Büro in Kornwestheim getroffen. Auch heute wollen sie noch an einer Strategie arbeiten, die dann am Freitag der Belegschaft vorgestellt werden soll.

„Wir sind noch nicht in Verhandlungen“, betonte Andreas Klose. Noch viele Fragen zu den Schließungsplänen seien offen. Es gehe darum, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten und nach Alternativen für die Betroffenen zu suchen. Auch an Transfergesellschaften werde gedacht. Hoffnung setze er auf die Magna-Näher-Produktion im Markgröninger Stadtteil Unterriexingen. Dort arbeiten derzeit etwa 100 Menschen. Möglich sei, meinte Klose, dass eine Handvoll der Markgröninger Mitarbeiter in Unterriexingen eine Stelle finden könnten. Sorge bereite ihm der hohe Altersdurchschnitt der Belegschaft und auch der Tatbestand, dass viele Mitarbeiter auf ihrem Gebiet richtige Fachleute seien, aber nur angelernt und ohne Berufsabschluss. Am Standort herrsche große Unruhe. „Die Mitarbeiter sind teilweise resigniert, aber auch wütend und kampfbereit“, sagte Klose.

Als Gründe für die Schließungspläne hat der Konzern laut Klose unter anderem den starken Nachfrageinbruch auf dem Automarkt angegeben, der auch die Zulieferer treffe, sowie den Wettbewerbsdruck unter den Zulieferern selbst. „Die unterbieten sich gegenseitig.“

Magna-Näher stellt Fahrzeug-Innenraumverkleidungen mit Schallschutz her. Im Jahr 1997 hat der österreichisch-kanadische Magna-Konzern die Firma Intier Automotive Näher übernommen. Seit 2010 erleben die Mitarbeiter eine Hängepartie um den Standort und ihre Arbeitsplätze. Im Februar 2010 wollte Magna das Firmengelände in Markgröningen verlassen, weil es angeblich zu eng geworden war. Eine Standortsuche lief ins Leere. Obwohl die Stadt Markgröningen unter größten Anstrengungen ein neues Industriegelände angeboten hat, lehnte Magna ab. Noch heute schuldet der Konzern nach Angaben von Bürgermeister Kürner der Kommune 150 000 Euro an Planungskosten. Im März 2011 teilte Magna mit, 700 der 800 Stellen in Markgröningen bis zum Jahr 2013 streichen zu wollen. Neue Hoffnung gab es für die Belegschaft im Sommer 2011, als drei Gesellschafter der Pelzer-Gruppe mit Sitz im nordrhein-westfälischen Witten Magna-Näher kauften und versprachen, das Werk als eigenständige GmbH weiterführen zu wollen. Doch im Sommer dieses Jahres kaufte Magna das Markgröninger Werk wieder zurück. Über die Hintergründe für diese Entscheidung war gestern weder von der Pelzer-Gruppe noch von Magna etwas zu erfahren. Aus Unternehmenskreisen war zu hören, dass der Deal wohl nicht so gelaufen sei, wie Magna es sich vorgestellt habe. Ein hoher Sanierungsbedarf für das Werk und das Abgleiten in rote Zahlen dürften eine Rolle gespielt haben.

Bisher ist bekannt, dass Magna-Näher für das Jahr 2010 ein Minus von 30 Millionen Euro verbuchen musste. Das Management befürchtet, dass sich der Verlust bis zum Jahr 2014 auf etwa 70 Millionen Euro erhöht. Der Magna-Konzern gehört zu den zehn größten Autozulieferern weltweit. Im vergangenen Jahr stieg sein Umsatz von knapp 18 Milliarden Euro auf fast 22 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erreichte einen Rekordwert von 780 Millionen Euro.

Birgit Ebner
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