
Mit Robinien und farbigen Übergängen

Wer von der Innenstadt kommt, nimmt den hinteren Teil der Wilhelmstraße kaum wahr. Sie verschwindet beim Arsenalplatz in der Senke – und so sieht sie auch aus. Die Straße ist geflickt, gleicht mehr einer asphaltierten Rennstrecke hinunter ins Nirgendwo. Seit die Rohre für die Fernwärmeleitung verlegt werden, ist sie noch unattraktiver geworden. Sie wurde an vielen Stellen wieder aufgegraben und zugekleistert.
Die Stadt will das ändern, die Straße soll so saniert werden, dass sie zur Innenstadt passt – auch wenn sie nur eine Erschließungsstraße ist. 590 000 Euro wird das kosten, die Stadträte im Bauausschuss haben sich einstimmig für die Umgestaltung ausgesprochen. Schließlich ist es eine Straße, die mit ihren meist gut erhaltenen Gründerzeithäusern auch fürs Stadtbild bedeutend ist, wie es Elga Burkhardt (Lubu) formulierte.
Nach der Winterpause wird die Baustelle eingerichtet, bis zum Sommer soll alles fertig sein. Geplant ist, die Fahrbahn an einer Stelle zu verengen, um die Autofahrer dazu zu bringen, das Tempo herauszunehmen. Auch zwei farbliche Markierungen auf der Fahrbahn sollen dazu beitragen. Die Engstelle beim Elisabeth-Kallenberg-Weg hilft vor allem den Schülern des Grundschulcampus in der Innenstadt, ist dort doch ein reger Betrieb auf dem Weg zur Schule.
Entlang der Straße ab der Hospitalstraße sollen auch 13 Bäume neu gepflanzt werden. Die Stadt wird Robinien pflanzen, weil diese auch bereits im Prachtteil der Wilhelmstraße stehen. Ein Baum, den Burkhardt als weniger geeignet ansieht, weil dieser ein „sturzgefährdeter Flachwurzler“ sei und sich über diese Baumart die Miniermotte ausbreite. Besser geeignet wären Linden. Gerhard Kohler vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen hat gleichfalls ein Herz für Linden, hält die Robinie aber an diesem Standort für geeignet. „Sie hat sich oben in der Wilhelmstraße gut bewährt, wir wollen jetzt da nicht abweichen“, sagte er. Bezüglich der Motte werde man achtgeben.
Strittig war, wie der Bereich vor der Charlottenkrippe gestaltet werden soll. Immer wieder ist dort die Straße zugeparkt, wenn Eltern ihre Kinder abliefern. Oft ist auch der Fußweg zugeparkt, wie Markus Gericke (Grüne) sich beklagt, andere wie Noz reden von einem „15-minütigen Chaos“. Doch Alternativen für die derzeitigen Parkprobleme gibt es nicht.
Stadtplaner Martin Kurt hat drei Varianten untersucht, darunter war eine schräge Parkierung bis hin zu einer Bring- und Abholspur für die Eltern. Keine der Varianten sieht er als geeignet an, die Situation zu verbessern. Eltern und Vertretern der Krippe, mit denen die Möglichkeiten besprochen wurden, wollen ebenfalls lieber die Situation belassen, wie sie ist.
Dass die Eltern aber einfach auf der Straße anhalten und den Verkehr blockieren, gehe nicht, so Roland Glasbrenner (FWV), der sich fragt, ob die Zahl der Kurzzeitparkplätze dort reicht. Er wandte sich ebenso wie CDU-Stadtrat Noz gegen die Verengung der Straße. Begegnungsverkehr wäre dort nicht mehr möglich. Die Stadt möchte jedoch die Raser ausbremsen, was auch die Mehrheit im Ausschuss letztlich so sah.
Die Sanierung insgesamt wurde allseits begrüßt. „Das gibt qualitativ einen ganz anderen Eindruck“, freut sich Dieter Juranek (SPD) auf die Umgestaltung der Wilhelmstraße. „Eine richtig gute Aufwertung“, urteilt Wilhelm Haag (FDP). Beide Stadträte hätten sich aber noch ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle gewünscht. Doch dafür will die Stadt kein Geld ausgeben.