LUDWIGSBURG | 27. Mai 2008

Mitarbeiterin im Einsatz für andere

Johanne Hommel weiß, was sie will. Mit knapp 18, als die von Geburt an behinderte junge Frau ihre Ausbildung in den Theo-Lorch-Werkstätten fast abgeschlossen hatte, wusste sie, dass sie im Verwaltungsbereich arbeiten wollte. Ihr Wunsch wurde kurze Zeit später Wirklichkeit: Seitdem ist sie in der Telefonzentrale der Werkstatt in Bietigheim-Bissingen tätig.

Bild: Alfred Drossel

Für einen Menschen, der im Rollstuhl sitzt und den linken Arm fast nicht benutzen kann, ist dieser Job gar nicht so einfach zu bewältigen.
Doch technische Hilfsmittel machen den Alltag leichter. „Ich habe ein spezielles Headset, mit dem ich Anrufe annehmen und weiterleiten kann, auch wenn ich grad am Kopierer bin“, erzählt die heute 22-Jährige. Und ihr Computer ist mit einem Sprachprogramm ausgestattet, damit sie Texte diktieren kann.
Denn sie hat mehr zu tun als nur Gespräche zu vermitteln. Sie arbeitet den Mitarbeitern des Vereins „Arbeit und berufliche Bildung für benachteiligte Menschen Ludwigsburg“ (ABL) im Haus zu, dem Träger der Theo-Lorch-Werkstätten, kopiert beispielsweise Unterlagen.
Und sie hat seit fast vier Jahren noch einen ehrenamtlichen Nebenjob: Johanne Hommel ist Werkstatträtin, also quasi Betriebsrätin der Behindertenwerkstatt und Schriftführerin des Gremiums.
Dass sie schon mit 18 Jahren kandidiert hat, um sich für die Belange anderer einzusetzen, findet sie nicht ungewöhnlich. „Mir liegt so etwas. Ich war schon in der Schule einige Jahre Klassensprecherin“, sagt sie lachend zur Begründung für ihr Engagement.
Zusammen mit vier anderen Werkstatträten des Bietigheimer Betriebs vertritt die junge Frau aus Pleidelsheim die Interessen der rund 250 Beschäftigten gegenüber der Werkstattleitung und der Geschäftsführung.
Und die Probleme sind ähnlich wie in anderen Betrieben auch. Da wird der Werkstattrat von einem Mitarbeiter eingeschaltet, der mit seinem Gruppenleiter nicht klar kommt oder soll vermitteln, weil es zwischen zwei Beschäftigten immer wieder zu Reibereien kommt.
Im ersten Fall habe man die Sache intern klären können, im zweiten habe der Werkstattrat den Sozialdienst einschalten müssen, erklärt Johanne Hommel. Bislang habe der Werkstattrat in ihrer Amtszeit aber noch jedes Problem intern klären können und noch nie den Gesamtwerkstattrat bemühen müssen.
Kopfzerbrechen bereiten dem Werkstattrat weniger die Fälle, die er auf den Tisch bekommt, als die Zurückhaltung der Kollegen. „Es ist schwer die Leute zu motivieren zu uns zu kommen“, sagt Hommel nach knapp vier Jahren im Amt. So bleibt es derzeit bei durchschnittlich drei Fällen mit denen sich das Gremium in seinen monatlichen Sitzungen befassen muss.
Wie ein Betriebsrat hat der Werkstattrat Mitsprachrechte bei Maßnahmen im Betrieb, welche die Beschäftigten insgesamt betreffen. So sei das Gremium bei der geplanten Einführung einer Frühschicht für einen kleinen Teil der Belegschaft ebenso gefragt worden, wie bei der Neugestaltung der Umkleide- und Sanitärbereiche der Werkstatt, sagt der Verwaltungsleiter der Werkstätten, Joachim Knoll.
Ob sie weitergehende Ambitionen hat, etwa für den Gesamtwerkstattrat zu kandidieren, lässt Johanne Hommel offen und antwortet mit einem Lächeln geradezu wie ein Politprofi: „Dazu muss ich erst einmal wiedergewählt werden.“

Jürgen Schmidt
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