Schulen
LUDWIGSBURG | 19. Oktober 2012

Mörike möchte den Einstieg ins G 9

Überraschend wechselt jetzt das Mörike-Gymnasium die Spur. Zum nächsten Schuljahr will es neben dem achtjährigen auch den neunjährigen Zug anbieten. Damit könnte sich die Schule profilieren – auch mit Blick auf die benachbarten Gymnasien, die in den Ganztag einsteigen.

Auch für Medienerziehung soll mehr Zeit sein: Mörike-Schüler schreiben über den Schullandheim-Aufenthalt ein Tagebuch.
Auch für Medienerziehung soll mehr Zeit sein: Mörike-Schüler schreiben über den Schullandheim-Aufenthalt ein Tagebuch.
Foto: Holm Wolschendorf

Bislang schien es so, als ob in Ludwigsburg die Gymnasien Angst vor dem Erfolg dieses Modells haben. Doch der Druck seitens der Eltern nimmt zu, in Marbach wählten 73 Prozent der Fünftklässler die neunjährige Schulzeit. Jetzt hat sich auch das Mörike-Gymnasium entschieden, mit dem G 9-Zug für Ludwigsburg neue Wege zu beschreiten. „Eltern und Schüler sollten auch hier die Möglichkeit haben, zu wählen“, begründet Schulleiter Reiner Hohloch den Schritt. „Und das Mörike hat ideale Voraussetzungen dafür.“ Start wäre, wenn das Land mitspielt, bereits zum nächsten Schuljahr.

Das Konzept für G 9 steht, nach den Herbstferien soll der Antrag dafür gestellt werden. Vorgesehen ist, die Unterstufe zu erweitern und den Lernstoff in drei oder vier Jahren durchzugehen. „In der achten Klasse steigen dann alle wieder in ein Boot“, erklärt Beratungslehrerin Susanne Reck-Fechter. Damit will die Schule den Kindern entgegen kommen, die unterschiedliche Lerntempi haben. Manche lernen langsamer, andere sind noch nicht so weit, das Abstraktionsniveau der Klasse 8 einhalten zu können und wieder andere wollen noch stärker außerschulischen Interessen nachgehen.

Ob das Mörike nun nächstes Schuljahr mit einem Ansturm rechnen muss, ist Spekulation. Zumindest setzt sich das Gymnasium damit mehr in Szene – profilieren sich doch die direkten Schulnachbarn jetzt mit dem Einstieg in den gymnasialen Ganztag. Ideal wäre, so der stellvertretende Schulleiter Werner Fechter, wenn es bei den Anmeldungen 50 zu 50 ausgeht, sprich: Komplett auf neun Jahre umsteigen will man nicht. Denn auch den achtjährigen Zug will die Schule pflegen.

Verknüpft werden könnten die beiden Züge mit dem MGplus-Programm, das es seit 2009 an der Schule gibt. Es ist ein Lernangebot, das die unterschiedlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten der Schüler berücksichtigt. In Pflichtstunden werden diesen verschiedene Lernmethoden beigebracht, es gibt Begabtenkurse und Streitschlichterprogramme. Dort könnten sich die Schüler begegnen, bevor sie in Klasse 8 wieder zusammen sind.

Was sich in diesem Angebot im Kleinen gezeigt hat, soll sich nun auch im Schulsystem niederschlagen. Der ganzheitliche Ansatz ist gut, so Reck-Fechter, für manche Schüler ist es zu wenig Zeit, die sie haben, um sich die nötigen Grundlagen für später beizubringen. „Für manche Schüler ging’s einfach zu schnell“, so Hohloch. Das kann sich mit dem neunjährigen Zug nun grundsätzlich ändern.

Für den Rektor selbst ist es eine schulpolitische Wende. Bislang hatte er sich für die achtjährige Schulzeit starkgemacht, hatte noch im Mai betont, „dass wir mit G 8 gut klarkommen“. Er hat seine Ansicht gewandelt, auch unter dem Einfluss der Lehrerschaft. Die Gesamtlehrerkonferenz hat mit eindeutigem Votum für die Einführung des Neunjährigen gestimmt. Und seitens der Politik gibt es kräftig Rückenwind, SPD-Fraktionschef im Landtag, Claus Schmiedel, hat bereits versichert, dass er das Anliegen unterstützt.

„Die Rahmenbedingungen waren noch unklar, auch hatte ich befürchtet, dass wir uns übernehmen“, begründet Hohloch seine bisherige Zurückhaltung. Man war dabei, das MGplus auszubauen, auch das habe dazu beigetragen, dass weitere Änderungen vorerst außer Sichtweite waren.

Mehr Räume braucht die Schule für das G 9 nicht, so der Schulleiter, zumal die Schülerzahlen nicht weiter zunehmen. Am liebsten wäre es ihm, wenn die drei Innenstadt-Gymnasien ihre Schüler gleichmäßig verteilen würden.

Die Stadt hat lange darauf gewartet, dass sich bei den Gymnasien etwas bewegt. „Bei den Eltern stellen wir eine massive Nachfrage nach G 9 fest“, hatte im Mai Erster Bürgermeister Konrad Seigfried festgestellt. Allerdings ist noch offen, wie das Land mit dem Antrag umgehen wird. Bislang sollen 22 weitere Schulen genehmigt werden, wird diese Zahl nicht erhöht, könnte das Mörike leer ausgehen. Zumal es im Landkreis bereits mit Marbach eine G 9-Schule gibt. „Bei einer Politik des Gehörtwerdens müssten jetzt die Grünen einlenken“, so der Landtagsabgeordnete Schmiedel. Er setzt sich dafür ein, dass der gesetzlich mögliche Rahmen ausgeschöpft wird, also ein Drittel der Schulen in das Modell aufgenommen werden. „Das wären dann 120 Schulen“, so Schmiedel, der zuversichtlich ist. Eine „mittelgroße Chance“ räumt er deshalb dem Mörike ein.

Hans-Peter Jans
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