11. Mai 2011

Musikschule hat gewaltige Geldsorgen

Vorstand sucht nach Auswegen – Bei Gebühren an der Grenze – Stadträte bereit, Kürzungen zurückzunehmen

Noch bleiben die Stühle in den Sälen der Jugendmusikschule nur in den Pausen leer.
Noch bleiben die Stühle in den Sälen der Jugendmusikschule nur in den Pausen leer.
Bild: Holm Wolschendorf

Steigende Personalkosten und sinkende Zuschüsse von der Stadt – das kann
nicht gutgehen. Bei der Finanzierung der Ludwigsburger Jugendmusikschule geht die Schere immer weiter auseinander. Jetzt kann sie das Finanzloch nicht mehr stopfen – auch nicht über die Erhöhung der Gebühren. Die Stadträte äußerten sich besorgt. Die Jugendmusikschule ist an einem Punkt angekommen, an dem kaum mehr etwas anderes bleibt, als die Kürzung von 27 000 Euro seitens der Stadt zurückzunehmen. Das räumt auch OB Werner Spec ein. Doch die Finanzprobleme gehen weit darüber hinaus, erklärte er jüngst im Kulturausschuss. Allein diese Gelder wieder freizugeben, helfe noch nicht wirklich weiter. „Wir müssen noch vor dem Sommer überlegen, wie wir ein stabiles Fundament hinbekommen“, sagte er. Gerade die Schere zwischen steigenden Personalkosten und rückläufigen Zuschüssen geht immer weiter auseinander, das bringt die Musikschule in eine schwierige Situation. Die Schule hat zwar gegengesteuert, wie Sandra Stegmann und Jochen Schwemmle vom Vorstand der Jugendmusikschule erklären.
Es gibt seither mehr Gruppenunterricht und weniger Einzelunterricht, was die Einnahmesituation verbessert. Auch die Gebühren wurden um drei Prozent erhöht, weitere Erhöhungen sind bereits eingeplant. So konnte das Defizit verringert werden, doch die Stellschraube lässt sich nicht weiter nach oben drehen. „Es ist nicht so schlimm gekommen wie befürchtet“, so Schwemmle. Das Minus beträgt 2010 rund 58 000 Euro, in den folgenden zwei Jahren rechnet man aber mit einem Defizit von 100 000 und 170 000 Euro. Eine Summe, die von den Stadträten mit Sorge betrachtet wird. Als „sehr kritisch“ beurteilt Dr. Volker Heer (FDP) die Lage, „besorgniserregend“ findet es Prof. Michael Vierling (Grüne). Im Kulturausschuss betonten aber auch viele, dass die gute Arbeit der Musikschule unterstützt und die hohe Qualität – sie spiegelt sich auch im Jugendsinfonieorchester und der Big Band – erhalten werden müsse. Wie man die Musikschule wieder auf die richtige Spur setzt, darüber waren sich die Stadträte allerdings nicht einig. Während CDU, SPD und Grüne es richtig finden, über die Rücknahme der Kürzungen nachzudenken, glauben die FDP und die Freien Wähler, dass „die Stadt schon sehr viel macht“, so Reinhardt Weiss (FW). „Die Stadt kann nicht jedes Jahr etwas drauflegen“, meint er, weshalb weiter über Strukturänderungen nachgedacht werden soll. Solche hat der neue Vorstand bereits angegangen. Er will noch stärker den Gruppenunterricht ausbauen. Die Schule hat vergleichsweise viele Lehr Musikschule hat gewaltige Geldsorgen kräfte fest mit Tarifverträgen angestellt. Künftig will man wieder auch stärker auf freiberufliche Engagements setzen, so Stegmann und Schwemmle. Wofür sie prompt von der FDP gelobt wurden. Die Liberalen fordern, mehr freie Honorarkräfte zu beschäftigen und etwas mehr Spenden einzuwerben. Heer: „Die zurückgehenden Spenden verweisen darauf, dass da zu wenig Herzblut drin steckt.“ Die vom Vorstand angestrebten Korrekturen seien richtig, so Albrecht Bergold (SPD). Positiv sieht er, dass trotz allem der Musikunterricht gemessen an der Zahl der Wochenstunden nicht eingeschränkt worden ist, positiv sei auch zu bewerten, dass die Musikschule mehr Bildungspartnerschaften eingegangen sei. Bei der Finanzierung müsse man nun aber darüber nachdenken, die Kürzungen zurückzunehmen. In dieselbe Kerbe schlugen die Grünen. „Die Schule ist von Stadt und Land unterfinanziert“, so Vierling. Er warnte davor, nun zu sehr auf Honorarkräfte zu setzen, ebenso plädierte er dafür, den Einzelunterricht nicht weiter zu schwächen. „Ich erkenne aber noch nicht, wie die Musikschule finanziell einen Turnaround hinbekommen kann.“ Kritik wurde auch laut im Vergleich zu anderen Musikschulen im Kreis. Warum, so die Frage, stünden andere Schulen besser da – und das bei niedrigeren Gebühren? Einen Finanzvergleich gibt es nicht, derzeit arbeiten aber die Musikschulen daran, Daten für einen solchen zu sammeln. Auf Nachfrage erklären die Leiter der Musikschulen, dass die Einrichtungen so unterschiedlich aufgestellt seien, dass ein Vergleich schwerfalle. Vergleicht man die Aufwendungen, so steht Ludwigsburg mit 950 Euro je belegtem Kursplatz schlecht da. Bietigheim-Bissingen wendet je Beleger 742 Euro auf, die Musikschule Marbach-Bottwartal 820 Euro. Vergleicht man die Personalkosten, so gibt Ludwigsburg teilweise bis zu 200 Euro mehr je Schüler im Jahr aus. Oberbürgermeister Spec will diese Fragen bei einer eigenen Tagung klären. Auch er will die Spitzenförderung nicht kappen, die Jugendmusikschule soll ihre Arbeit auf dem bisher hohen Niveau fortsetzen können. Ludwigsburgs Musikschulleiter Hans-Dieter Karsch betont, dass man alles tun werde, um die Situation zu verbessern. Schon jetzt arbeiteten die Lehrkräfte zehn Prozent mehr ohne finanziellen Ausgleich. Bei der Frage nach der Qualität gingen die Ängste zu weit: „Der Einzelunterricht ist auch für uns ein wichtiges Anliegen.“

HANS-PETER JANS
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