LUDWIGSBURG | 24. Juli 2008

Nur duften können Blüten aus Porzellan nicht

Die Feste am württembergischen Hof waren legendär. Bekannt ist das Urteil des Venezianers Giacomo Casanova: Der Hof Herzog Carl Eugens sei „der glänzendste von ganz Europa“ schrieb er. Über das Geburtstagsfest des Herzogs im Jahr 1763 wird Atemberaubendes berichtet:

Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württemberg


Das abendliche Festin in Ludwigsburg, das am siebten der insgesamt 14 Tage stattfand, war einer der Höhepunkte. Den mittleren Schlosshof hatte man komplett überbaut und in einen Palast der Pracht verwandelt. Auf einen Wink des Herzogs teilten sich die Wolken und enthüllten den Gipfel des Olymps. Während die Götter sangen, nahm Herzog Carl Eugen mit ausgesuchten Gästen an der Haupttafel Platz.
Mitten auf dieser Tafel erhob sich plötzlich, durch einen verborgenen Mechanismus ausgelöst, die Liebesgöttin Venus mit Amoretten. Diese überreichten „den sechzehn Damen, die an der Tafel saßen, jeder einen Blumenstrauß, an welchem das Aug den Glanz der seltensten und bestgewähltesten Blumen bewunderte. Keiner dieser Sträuße gliche dem andern, und schon hoffte der Geruch ihre köstliche Düfte einzuathmen, als das Gefühl entdekete, daß sie von Porcelain wären. Man konnte nicht begreiffen, wie es der Kunst möglich gewesen, die Natur so gut nachzuahmen“.
Für Blüten aus Porzellan war in der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur der Bossierer Franz Joseph Ess zuständig, der Ludwigsburg jedoch schon 1763 verließ und an die Manufaktur Nymphenburg wechselte.
Blumensträuße aus Ludwigsburger Porzellan haben sich bedauerlicherweise nicht erhalten, aber Geschirr mit aufgelegten Blüten. Jedes Blütenblatt ist separat ausgeformt, und die Blüte dann aus den einzelnen Blättern zusammengesetzt. Die naturgetreuen Rosen, Nelken, Tulpen oder Glockenblumen sind wahre Wunderwerke.
Wie sehr die Manufaktur das überragende Können von Franz Joseph Ess zu schätzen wusste, ist an den frühen Ludwigsburger Prunkvasen abzulesen, die ganz auf die Blütengirlanden abgestimmt sind.
Mehrere mit plastischen Blüten belegte Vasen aus Ludwigsburger Porzellan sind bekannt. Sie stammen aus dem ehemaligen Krongut, der württembergischen Hofhaltung, und sind heute im Keramikmuseum im Ludwigsburger Schloss zu besichtigen.

Sabine Hesse
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige