gesundheitswesen
kreis ludwigsburg | 02. Oktober 2012

OP-Personal aus Spanien

Kreiskliniken finden hierzulande keine Fachkräfte mehr – Sprachkurse in den ersten Monaten

In den OPs und auf den Intensivstationen der Kreiskliniken wird künftig auch Pflegepersonal aus Spanien arbeiten.
In den OPs und auf den Intensivstationen der Kreiskliniken wird künftig auch Pflegepersonal aus Spanien arbeiten.
Foto: Friso Gentsch/dpa

Nicht nur die Industrie sucht Fachkräfte im Ausland, auch die Kliniken im Landkreis haben ihre Fühler nach Spanien ausgestreckt – und 20 Pflegekräfte für den OP-Bereich und die Intensivmedizin angeworben.

Schon in gut zwei Wochen werden die jungen Spanierinnen und Spanier hier erwartet. 20 werden kreisweit in den Häusern der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH arbeiten, weitere zehn in den übrigen Krankenhäusern der Regionalen Klinikenholding, zu der auch die Kliniken im Kreis gehören. In den ersten vier bis sechs Monaten werden die neuen Pflegekräfte Praktika absolvieren und Sprachkurse besuchen, „danach bieten wir einen unbefristeten Arbeitsvertrag an“, erläutert Wolfgang Stahl, Personalleiter der Kliniken gGmbH und stellvertretender Personaldirektor der Holding.

Stahl hat die Suche nach Krankenschwestern und Pflegern in Spanien organisiert – denn auf dem deutschen Arbeitskräftemarkt haben die Kliniken schon seit längerem keine Bewerber für den anstrengenden Dienst im OP oder auf der Intensivstation mehr gefunden: „Wir haben viel Geld für Stellenanzeigen in die Hand genommen – leider ohne Erfolg.“

So entstand die Idee, im europäischen Ausland nach Fachkräften zu suchen – speziell in Ländern, in denen die Arbeitslosigkeit nicht zuletzt wegen der Finanzkrise groß ist. „Spanien und Portugal boten sich zudem an, weil die Ausbildungen dort vergleichbar sind, Abschlüsse hierzulande anerkannt werden“, sagt Stahl. Die Wahl fiel schließlich auf Spanien, weil andere Kliniken bereits gute Erfahrungen mit der Personalsuche dort gemacht haben.

Ende Juli schaltete Stahl in zwei spanischen Internet-Jobbörsen Anzeigen – und war von der Resonanz positiv überrascht: 100 Bewerbungen gingen auf die 30 Stellenangebote ein. 60 Bewerber wurden daraufhin zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Stahl organisierte dezentral Termine in Madrid, Valencia und Malaga. „Wir haben bei den Gesprächen aber nicht nur die Kandidaten angeschaut, sondern in einer Präsentation auch das Arbeitsumfeld hier vorgestellt. Zum Beispiel Bilder unserer OP-Säle gezeigt oder dargelegt, wie die Dienstpläne erstellt werden“, beschreibt Stahl das Vorgehen.

Deutschkenntnisse haben bei der Auswahl nicht die entscheidende Rolle gespielt: „Die neuen Kollegen werden hier Sprachkurse besuchen und die medizinische Sprache ist ohnehin ähnlich“, sagt Wolfgang Stahl. Je nach Vorkenntnissen sind die Sprachkurse auf vier bis sechs Monate angelegt, parallel dazu sind Praktika für die spanischen Pflegekräfte geplant. In dieser Zeit sind sie über einen Praktikantenvertrag angestellt, der danach in einen unbefristeten Job übergehen soll.

Für Stahl hat sich die Anwerbeaktion zumindest aus heutiger Sicht „mehr als gelohnt“. Trotz des finanziellen Aufwands sei die Personalsuche in Spanien für die Kliniken deutlich günstiger gewesen, als deutschlandweit „für Tausende Euro Anzeigen zu schalten und dann vielleicht zwei oder drei Bewerbungen zu bekommen.“

von sabine frick
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