
Patienten loben kurze Wartezeiten

„Räume super, Betreuung hervorragend und wenig warten müssen“ – der 41-Jährige ist angetan von der Behandlung in der Notfallpraxis, die am vergangenen Donnerstag vom Zuckerberg in die Erlachhofstraße 1 umgezogen ist. Der Fall des Ludwigsburgers, der namentlich nicht genannt werden will, zeigt, welche Vorteile die neuen Räumlichkeiten den Patienten bringen. Der 41-Jährige war beim Spielen mit den Kindern gestürzt. Weil er eine Rippenprellung oder einen Rippenbruch hat, muss er in die Unfallchirurgie des Klinikums. Und das liegt nicht mehr wie bisher ein paar Straßen von der Notfallpraxis entfernt, sondern ihr nun direkt gegenüber. „Wem es nicht gut geht, für den sind 600 Meter zu weit. Jetzt muss ein Patient nur über die Straße gehen“, sagt Dr. Roland Kolepke über jene Notfälle, die im Krankenhaus versorgt werden müssen.
Erste Anlaufstelle soll die Notfallpraxis sein, in deren Räumen die Patienten ambulant behandelt oder, wenn nötig, ins angrenzende Klinikum weitergeleitet werden. Dass die Notfallpraxis die Patienten lenkt, hat für die Kranken einen weiteren Vorteil: Sie müssen nicht mehr so lange warten wie bisher.
Viele gingen bisher nämlich sofort in die Notaufnahme des Klinikums, auch wenn sie „nur“ Kopfschmerzen, Grippesymptome, kleine Schnittverletzungen oder Schmerzen an der Wirbelsäule hatten, wenn es beim Wasserlassen brannte oder wenn der Blutdruck nicht stimmte. Für diese kleineren gesundheitlichen Probleme ist aber der hausärztliche Notdienst zuständig.
Die Notaufnahme des Klinikums dagegen muss sich, wenn die Patienten nicht schon per Rettungswagen gebracht worden sind, um lebensbedrohlich Erkrankte, um Bewusstlose oder um Menschen mit Schlaganfallsymptomen, kurz: um schwere Notfälle kümmern. Weil bisher aber oft auch die ambulant behandelbaren Fälle ins Klinikum kamen, mussten diese mitunter mehrere Stunden warten – die Notfälle müssen natürlich zuerst behandelt werden. „Die ambulanten Fälle waren eigentlich falsch bei uns“, sagt Klinikum-Sprecher Alexander Tsongas, „aber es ist schwierig, zu sagen: ,Setzen Sie sich wieder ins Auto und fahren zur Notfallpraxis am Zuckerberg‘“.
So platzte die Notaufnahme des Klinikums mitunter aus allen Nähten. Diese müsse „hochkomplizierte Krankheiten“ intensivmedizinisch versorgen, so Kolepke: „Wenn sie von ambulanten Fällen geflutet wird, dann kann sie ihrem eigentlichen Auftrag nicht mehr hinterherkommen.“ Die Patienten sollten zuerst in die Notfallpraxis kommen, „das ist die primäre Anlaufstelle“. Die Nähe zum Klinikum sei nicht nur aufgrund der kurzen Wege ein Vorteil: So könnten Hausärzte und Krankenhaus auch besser und schneller zusammenarbeiten und kommunizieren: „Beide Seiten können sich auf ihre Stärken konzentrieren, das ist ein Gewinn für die Patienten“, betont Kolepke. Marina Zimarino kam am Samstagvormittag wegen einer Blasenentzündung aus Stuttgart-Feuerbach in die Notfallpraxis. „Ich habe höchstens fünf Minuten warten müssen“, sagt die 24-Jährige. „Nicht mal 15 Minuten“ musste Nurhadiye Ar-Aran warten: Die Markgröningerin kam, weil sie heftige Hals- und Ohrenschmerzen hatte und nicht mehr schlucken konnte. „Die Räume sind sauber, ordentlich und geräumig“, lobte die 36-Jährige, die den neuen Praxisstandort von der Nachbarin erfahren hatte.
Die Wände der etwa 300 Quadratmeter großen Praxis sind mit hellblauer und weißer Farbe bemalt, viele Türen sind aus Glas, in dem Wartezimmer, das vor Helligkeit geradezu strahlt, gibt es eine Kinderspielecke. Martina Sauter und Simone Szakacs, zwei von etwa 25 im Turnus arbeitenden Helferinnen, empfangen die Patienten, nehmen telefonisch ihre Beschwerden und Daten auf.
Auf dem Tisch des Empfangs stehen Dahlien und ein rosa Schweinderl, daneben liegen Zettel mit den aktuellen Notfallapotheken. „Geht’s schon ein bisschen besser?“, fragt Szakacs eine Patientin im Infusionsraum. Außerdem gibt es sechs Behandlungsräume, einen Laborraum, Schlaf- und Sozialraum für Mitarbeiter und Nachtdienst. Patienten gelangen vom Erdgeschoss per Aufzug direkt in die Praxis. „Die Patienten werden hier professionell versorgt“, sagt Kolepke, „sie sind bei uns gut aufgehoben.“ Notfallpraxis und Klinikum böten „die gesamte medizinische Versorgung an einem Ort aus einer Hand. Das ist unser Angebot an die Patienten.“