



Um 20.45 Uhr hebt sich der riesige Vorhang in der Comtech-Arena und das Abenteuer-Traum-Piratenschiff als aufwendige Kulisse für das Konzert der Schlagerkönigin Andrea Berg nimmt Fahrt auf. Die „Abenteuer des Lebens“ sind ihr Thema, die Suche nach Liebe und Glück. Sechs Open-Air-Partys hat es im Stadion im Fautenhau schon gegeben.
Im vergangenen Jahr fand das Spektakel erstmals in der neuen Arena statt. Für die Kulisse rollten 22 Trailer an, um die 400 Tonnen schwere, 48 Meter breite und 26 Meter lange Bühne aufzustellen, das Piratenschiff. 28 Mal wurde die Kulisse für das „Abenteuer“ von Andrea Berg schon aufgebaut. Am Samstag war Schluss.
Im rund 4200 Einwohner zählenden Aspacher Teilort herrschte der Ausnahmezustand. Abgeerntete Felder und saftige Wiesen wurden zu riesigen Parkplätzen und nach dem Regen zu Schlammflächen. Straßen wurden zu Einbahnstraßen. Aus ganz Deutschland sind die Fans gekommen, um die „Piratenbraut“ Berg inmitten ihrer Schiffskulisse bejubeln zu können.
Das Zehn-Millionen-Euro-Stadion des Viertligisten SG Sonnenhof Großaspach war Schauplatz für das sommerliche Großereignis. Im Vorfeld gab es Proteste wegen des Lärmpegels. Nach dem Umbau des Stadions soll es sogar noch lauter geworden sein. Doch dem Aushängeschild der Region, Andrea Berg, wollte man keine überzogenen Vorschriften machen. Also Power bis fast Mitternacht.
Auch am Samstag dröhnten die Lieder weit in den ausgestorbenen Ort hinein. Mit ihrem gekonnt-aufwendig inszeniertem Traumschiff-Feuerzauber samt klassischer Seemannsschlager schaffte Andrea Berg ein Gemeinschaftsgefühl über Altersgrenzen hinweg, das sonst schwer zu finden ist. „Ich fange an zu schweben, ich tauche in eine andere Welt ein. Während eines Andrea-Berg-Konzertes schalte ich einfach ab. Ich lasse die ganze – nicht immer schöne – Welt da draußen. Ich verbringe ein paar schöne Stunden inmitten Gleichgesinnter und mit Andrea“, sagt Petra Brenner vom Andrea-Berg-Fanclub Alzey. Mit 17 Freundinnen ist sie gekommen, übernachtet in Bergs Hotel Sonnenhof und genießt den doch recht kühlen Abend.
Ein 56-Jähriger aus Leonberg steht etwas verloren im weiten Oval des Stadions. „Ich wolle mal das Ambiente so eines Konzertes erleben“, begründet er seinen Besuch. Im Innern des Stadions wird getanzt und gejubelt. Die Sängerin ist von dort aus nur ganz klein zu sehen, kommt aber auf den Videowänden, links und rechts der Bühne groß heraus.
In ihren Liedern findet sich allerdings vom wirklichen Leben nur wenig. Vor ihrem Traumschiff lauerten keine Untiefen und keine Felsen – anders als etwa auf der Costa Concordia hat die Piratenbraut Andrea ihre Mannschaft und ihr Publikum („Ihr seid mein Meer!“) fest im Griff.
Allerdings so ganz möchte man ihr aber ihre Texte in dem Programm und in ihren philosophischen Erklärungen zwischen den Liedern nicht abnehmen: Da spült „der Wind des Lebens“ uns irgendwohin; da „hält die Liebe ewig“ und „verzeiht alles“. Was sie leider eben gerade nicht tut, wie vermutlich jeder Zweite im begeisterten Publikum schon selbst erfahren hat. Genau wie diese auch wissen, dass „Piraten wie wir“ manchmal eben doch untergehen, und zwar ziemlich kläglich.
Auch bei der auf extravaganten Kostümwechsel abonnierten Künstlerin greift der Stil-Berater ein wenig daneben. Vielleicht sind es aber gerade diese kleinen Ungereimtheiten, vielleicht ist es gerade dieses Unperfekte des ansonsten perfekt inszenierten Auftritts, das die Sängerin viele so sympathisch, weil menschlich macht.
Im Vorfeld des Konzerts hat Andrea Berg verkündet, dass sie die 17 000 Fans direkt vor der eigenen Haustür stolz machten. Allerdings sei das Lampenfieber nicht größer als sonst.
Eine große Party wollte sie feiern. Das ist gelungen. Mit ihren aktuellen Hits wie „Du hast mich tausendmal belogen“ oder „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ , hat sie das Stadion zum Kochen gebracht.
Diese Musik hat Andrea Berg zu einer der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands gemacht. Sie hat laut Plattenfirma rund zwölf Millionen Alben verkauft.
Aspach ist durch die gebürtige Krefelderin Andrea Berg berühmt geworden.







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