LUDWIGSBURG | 03. Juli 2008

Porzellanfigur steht auch als riesige Skulptur in Wien

Wenn ein Kenner Ludwigsburger Porzellans im Park von Schloss Schönbrunn bei Wien spazieren geht, kann es passieren, dass er sich verwundert die Augen reibt. Da steht auf mächtigem Sockel eine zweieinhalb Meter hohe Steinskulptur, die als Porzellanfigur (knapp 30 Zentimeter groß) in einer Vitrine des Keramikmuseums im Schloss Ludwigsburg zu besichtigen ist: Artemisia, die sich auf die Aschen-Urne ihres verstorbenen Gemahls stützt. Wie kann das sein?

Bild: Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württem


Wie alle Fürsten seiner Zeit setzte auch Herzog Carl Eugen von Württemberg seinen Ehrgeiz darin, fähige Künstler an seinem Hof zu beschäftigen. Darüber hinaus lag ihm aber auch die Förderung talentierter Künstler am Herzen. Johann Christian Wilhelm Beyer etwa. Er war der Sohn seines Hofgärtners. Da die hervorragende künstlerische Begabung des jungen Mannes offenkundig war, schickte ihn der Herzog zum Studium nach Paris und anschließend als Stipendiat nach Rom. Dort widmete sich Beyer der Bildhauerei.
Nach acht Jahren in Rom kehrte er im November 1759 an den württembergischen Hof zurück und wurde sofort mit einem Jahresgehalt von 1200 Gulden als Bildhauer unter Vertrag genommen. Er hatte nicht nur Skulpturen für Schloss und Garten in Ludwigsburg anzufertigen, sondern auch Modelle für die herzogliche Porzellanmanufaktur.
Die besten und schönsten Figuren aus Ludwigsburger Porzellan sind dem württembergischen Hofbildhauer Johann Christian Wilhelm Beyer zu verdanken: anmutige Schäfer und Schäferinnen, weinselige Bacchantenpaare und die sogenannten Musiksoli.
Als fortschrittlicher Künstler wandte sich Beyer schon früh dem aufkommenden neuen Stil, dem Klassizismus, zu. Mit ihm rückten verstärkt antike Bildthemen in den Vordergrund, wie etwa Artemisia, die für ihren verstorbenen Gemahl ein Grabdenkmal hatte errichten lassen, das zu den sieben Weltwundern zählte. Ausnahmsweise hat sich sogar Beyers eigenhändiges Tonmodell für die Artemisia erhalten.
Im Februar 1767 verließ Johann Christian Wilhelm Beyer den württembergischen Hof. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Er zog nach Wien, wo er bis zu seinem Tod 1806 blieb. 1773 erhielt er den Auftrag, 32 überlebensgroße Statuen für den Schlosspark von Schönbrunn anzufertigen. Eine von ihnen ist die trauernde Artemisia, die er ursprünglich für die Porzellanmanufaktur Ludwigsburg entworfen hatte.

Dr. Sabine Hesse
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