

Auch über 30 Grad bremsen die Laufbegeisterung nicht
3000 Postkarten in zehn Tagen, Anfragen aus der ganzen Welt – Sabine Benedikta Beschmann ist selbst verblüfft, wenn sie die weltweite Resonanz auf die neueste Aktion ihres Vereins „Deutschland pro Papa“ beschreibt: „Das hat mich total überrascht.“ Zudem ihr Tun ein äußerst konservatives Thema hat: die Einigkeit der katholischen Kirche, die Treue zum Vatikan in Rom und natürlich das deutliche Bekenntnis zu Papst Benedikt XVI. „Ich bin überzeugt, dass er unsere Kirche in die richtige Richtung führt.“
Der Weg führt zurück zum Ur-Katholizismus als fester Basis, es geht um Traditionen, wider den Reformismus und die Ökumene. Sabine Benedikta Beschmann will dem Papst dabei helfen. Auch von Deutschland aus, das in der Zahl der Katholiken im weltweiten Ranking ganz hinten steht. Und so hat sich die 43-Jährige vor knapp zwei Wochen eine Fanpostaktion ausgedacht. Auf der Karte, die jeder an den Vatikan schicken darf und soll, winkt Benedikt dem Betrachter zu. „Wir stehen zu Dir“, ist da zu lesen. 5000 der Karten wurden bisher gedruckt, 3000, so schätzt sie, sind bis jetzt abgeschickt worden. Seit die Karten – aufgrund der weltweiten Anfragen in mehreren Sprachen – auch auf der Homepage des Vereins (www.deutschland-pro-papa.de) zum Download bereitstehen, wird sich diese Zahl vervielfacht haben.
Offensichtlich hat die Ludwigsburgerin viele Katholiken mitten ins Herz getroffen: „Es gibt viele Romtreue, die aber zur schweigenden Mehrheit gehören.“ Jetzt hätten diese Gelegenheit, mit dem Bekenntnis zu Papst Benedikt „nicht nur zu beten für ihn, sondern etwas zu tun“. Und dass etwas getan werden muss, davon ist Sabine Benedikta Beschmann überzeugt. Denn der Vatikan wird derzeit von der Vatileaks-Affäre erschüttert, die einen Machtkampf zwischen Reformern und Traditionalisten offenbart, befeuert von Seilschaften und ehrgeizigen Kirchenmännern, und jeder Tag bringt neue Einzelheiten über Korruption und Intrigen.
Ein Alptraum für Konservative und Anlass für die lebenslustige Frau, ihre Bemühungen zu verstärken. Diese begannen bereits 2010, als sie ihren Verein „Deutschland pro Papa“ mit derzeit zehn Mitstreitern gründete, damals noch von Marbach aus. Dieses Jahr brachte eine weitere Breitseite für das katholische Schiff, den Missbrauchsskandal durch Priester. „Das hat uns sehr erschüttert“, sagt sie, und betont, dass es da nichts zu beschönigen gebe: „Ich habe sehr unchristliche Gedanken über Pädophile.“ Die Diskussionen hätten ihr Gutes gehabt, „es musste sich etwas ändern“.
Weniger gut allerdings fand sie die öffentliche Wahrnehmung, die in ihrem privaten Umfeld auch mal in der Bemerkung „Na, bist Du noch in dem Pädo-Verein?“ gipfelte. Und als Sabine Benedikta Beschmann im Mai 2010 im Fernsehen eine Solidaritätskundgebung auf dem Petersplatz in Rom verfolgte, wurde die Idee geboren: „Wir machen das auch.“ Sie machte. Gemeinsam mit der zweiten Vorsitzenden Regina Steinert und dem Dritten im Bunde, Bernhard Luthe, gründete sie „Deutschland pro Papa“ und legte los. Auch per Facebook, wo der Verein mittlerweile fast 1100 Freunde hat. Es folgten zwei große Kundgebungen mit je 5000 Menschen in Köln und München, die ihrem Verein eine Einladung zur Generalaudienz des Papstes nach Rom einbrachte.
Der Verein lässt Luftballons steigen für den Papst, deklariert Pilgerreisen zu den eigenen Kundgebungen, sammelt Spenden für den Verein. Kürzlich besuchte Beschmann, die ihren zweiten Vornamen Benedikta 2007 erhielt, als sie sich dem Benediktinerkloster Neresheim anschloss, Georg Ratzinger in Regensburg. Der habe danach mit seinem Bruder in Rom gesprochen, der sich „sehr gefreut“ habe, berichtet sie. Persönlich hat sich Benedikt XVI. zu der Postkartenflut noch nicht geäußert. Beschmann hat Verständnis: „Er hat ja eine Weltkirche zu leiten.“
Diese Kirche war der evangelisch Getauften übrigens nicht in die Wiege gelegt. Sie trat im Erwachsenenalter zunächst aus der Kirche aus, um sich dann für einige Jahre auf die spirituelle, geistliche Suche zu begeben und landete beim Katholizismus, vor zwölf Jahren trat sie der Kirche bei. Dort, sagt sie, „wird die Bibel am getreuesten umgesetzt“.
Als Frau, wehrt sie sich gegen Kritik, könne man dort alles sein, nur eben nicht Priester. Die Weihe ist für sie kein Streitthema, zudem Jesus ein Mann gewesen sei: „Ich muss nicht alles machen, was Männer machen.“ Die Reiseverkehrskauffrau ist verlobt und lebt in der Südstadt.
Sabine Benedikta Beschmann nimmt sie ernst, ihre Verantwortung als gläubige Katholikin. Und fühlt sich gut aufgehoben. „Ich bin der Überzeugung, dass wir einer Kirche, die über 2000 Jahre von dem Heiligen Geist Gottes geleitet wird, vertrauen können.“ Als sogenannte Benediktineroblatin, die ein Leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt von Nursia lebt, hält sie sich auch an das Stundengebet am Nachmittag und um 21.30 Uhr. Liturgie und Gebet geben ihr Festigkeit. Während der EM allerdings gelten andere Regeln: „Zu Fußballzeiten bete ich erst um 23 Uhr.“





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