Ein überraschendes Geschenk
Ein überraschendes Geschenk
Dass der Kreis Ludwigsburg beim Neuanfang in den einstigen Schlecker-Läden eine Vorreiterrolle einnehmen soll, begründet Christina Frank von Verdi damit, dass an den drei Standorten die besten Voraussetzungen gegeben seien. Vermieter und Kommunen seien kooperationsbereit, qualifizierte und engagierte Schlecker-Mitarbeiterinnen, die die Arbeit in den Filialen leisten sollen, gebe es vor Ort, und frühere Umsätze ließen hoffen, dass sich die Läden wirtschaftlich rechnen. Zudem, so die Stuttgarter Gewerkschaftssekretärin, seien alle drei Standorte für sie rasch erreichbar, was den Start erleichtere. Denn bei Frank laufen derzeit alle Fäden von Geno SF, so der Arbeitstitel der Genossenschaft zusammen. SF steht dabei für Schlecker-Frauen.
Ob Nachfrage und Unterstützung vor Ort für die neuen alten Läden wirklich so groß sind wie vermutet, wollen Frank und ihre Mitstreiter bald testen. In den kommenden Wochen seien in allen drei Orten öffentliche Versammlungen geplant. Sollte die Beteiligung dabei sehr niedrig ausfallen, müsse man einen anderen Standort suchen, erklärt die Gewerkschafterin.
Denn die Bürger brauchen die Schlecker-Mitarbeiterinnen für ihr Projekt nicht nur als Kunden, sondern auch als Geldgeber. Sie sollen sich an dem neuen Unternehmen jeweils in ihrem Anteil als Gesellschafter beteiligen. Um das möglichst einfach zu gestalten, schwebt Christina Frank eine Art Kunstwährung – eine Art Geno-SF-Taler“ – vor. So könnten kleine Anteile von 50 oder 100 Euro einfach erworben werden.
Nicht ganz so einfach ist das unternehmerische Konstrukt, in dem die einzelnen Läden zusammengefasst werden sollen. Jede Filiale soll als Mini-GmbH rechtlich selbstständig sein. Darüber steht dann die Genossenschaft als Holding, die sich um Einkauf, Buchhaltung und andere übergreifende Aufgaben kümmern soll. Damit, so Frank, solle verhindert werden, dass ein Laden, wenn er in Schieflage gerät, nicht die ganze Gruppe ins Wanken bringt und damit die berufliche Existenz aller einstigen Schlecker-Mitarbeiterinnen gefährdet.
Seit der Plan der Frauen, ihr berufliches Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, öffentlich geworden ist, steht bei der Verdi-Handelsexpertin das Telefon nicht mehr still. Täglich gebe es neue Anfragen von ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen, aber auch von einstigen Schlecker-Vermietern, Kunden und Bürgermeistern, die an einer Wiedereröffnung eines Ladens in ihrem Ort oder einem Stadtteil Interesse bekunden. Und Anfragen kommen nicht nur aus Baden-Württemberg, sondern aus ganz Deutschland.
Im Landkreis loteten Frank und ihre Mitstreiter gestern bei Kommunen und Vermietern aus, wie groß das Interesse an einer Wiederbelebung der Läden in den drei Orten mit einem veränderten Warensortiment ist. Konkrete Ergebnisse wurden zwar nicht bekannt, doch zumindest ideelle Unterstützung war aus allen drei Kommunen bereits im Vorfeld bekundet worden.




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