Konzert
Ludwigsburg | 26. Mai 2017

Schüler spielen auf Spitzen-Niveau

Wenn Musiklehrer und ihre Schüler wie Popstars bejubelt werden und im voll besetzten Theatersaal des Forums ausgelassene Stimmung herrscht, dann kann es sich nur um eine Veranstaltung handeln: den Schools Day der Ludwigsburger Schlossfestspiele.

Genuss für die Ohren: Beim Schools Day der Schlossfestspiele zeigen die jungen Nachwuchsmusiker aus Ludwigsburg und Stuttgart, was sie können.Foto: Holm Wolschendorf
Genuss für die Ohren: Beim Schools Day der Schlossfestspiele zeigen die jungen Nachwuchsmusiker aus Ludwigsburg und Stuttgart, was sie können.Foto: Holm Wolschendorf

Längst hat es sich bei Musikfreunden herumgesprochen, dass ihnen der Nachwuchs ein erstklassiges Programm präsentiert. Am Dienstagabend reichte es von Chorgesang, Orchestermusik bis zu Big-Band-Sound. Nicht umsonst sprechen die Veranstalter selbst von einem „Feuerwerk namens Schools Day“.

Alle Schulen, zu denen die Schlossfestspiele eine Bildungspartnerschaft unterhalten, hatten bei der vierten Auflage dieser Veranstaltung ihren großen Auftritt. „Es wird immer voller“, stellte Intendant Thomas Wördehoff fest, nachdem er gemeinsam mit Michael Finkbeiner vom Vorstand des Freundeskreises Ludwigsburger Schlossfestspiele die Bühne betreten hatte. Der Freundeskreis, so Wördehoff, fördere Veranstaltungen wie den Schools Day, bei dem Jugendliche freien Eintritt haben.

Dr. Benedikt Vennefrohne und Sabine Knecht-Ammon, Musiklehrer am Goethe-Gymnasium haben das pädagogische Experiment gewagt und Schüler von der Klasse fünf bis zur Klasse zwölf gemeinsam proben und auftreten lassen. „Ich habe mich gewundert, in wie vielen Rock- und Popsongs rote Schuhe besungen werden“, sagte Vennefrohne, der das Programm für den Auftritt beim diesjährigen Schools Day entwickelt hatte, im Gespräch mit Wördehoff. Ob der Holzschuhtanz von Albert Lortzing, ein russischer Tanz aus „Die goldenen Schuhe“ von Peter Tschaikowski oder „High Flying Wings on My Shoes“ von Cole Porter – das Orchester und das Junior-Orchester meisterten den Spaziergang durch die verschiedenen Epochen und musikalischen Stilrichtungen mit Bravour.

Verbunden wurden die Stücke durch die Promenade nach „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, das mit dem Volkslied „Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuhe“ verwoben und ganz unterschiedlich interpretiert wurde. Am Dirigentenpult wechselten sich Vennefrohne und Knecht-Ammon ab. Der frenetische Applaus der Zuhörer und die strahlenden Gesichter der Beteiligten sprachen Bände. Kein Wunder, dass sich das Orchester des Goethe-Gymnasiums einen festen Platz als Vorgruppe beim Klassik-Open-Air am Monrepos erspielt hat.

Einen starken Auftritt zeigte auch der Schulchor des Helene-Lange-Gymnasiums in Markgröningen, in dem zirka 60 Schüler der Klassen neun bis 13 mitsingen. Und wie! Dass Sandra Meyer es mit der Choreographie sehr genau nimmt, wie eine Schülerin im Interview während der Umbaupause verriet, zahlt sich aus. Klassiker wie „Sing, Sing, Sing“ von Louis Prima oder legendäre Pophits wie „We are the World“, den die beiden Popgiganten Michael Jackson und Lionel Ritchie im Jahr 1985 komponiert haben, beherrscht der Chor unter der Leitung von Gerhard Möller in Perfektion. Höhepunkt war die Auswahl von Best-of-Stücken aus dem Musical „Les Misérables“ von Claude-Michel Schönberger, die nicht nur gesungen, sondern auch dargestellt wurden.

Als Solisten zeigten Elena Müller, Larissa Stahl, Sarah Woldeyohannes und Marc Lehmann, ihr gesangliches und stimmliches Können. Beatrice Michalski (Synthesizer) und Maik Merle (Schlagzeug) bestritten den instrumentalen Part.

„Wir bilden junge Menschen aus“, zeigte sich Christiane Schützer, Leiterin der Jugendmusikschule, bescheiden. Das Ziel bestehe darin, die Jugendlichen am Instrument auszubilden und ihnen das Rüstzeug zu geben, damit sie später in einem Orchester oder einem Ensemble mitspielen könnten, sagte sie nach der Pause im Gespräch mit Intendant Wördehoff. „Die Band ist wie eine Fußballmannschaft, und ich bin ihr Trainer“, übte sich auch Andreas Bader, Leiter des Jugendmusikschulensembles „Los Bigbanderos“ in Bescheidenheit.

Die begeisterten Zuschauer erlebten 18 gut aufgelegte Musiker und einen tanzenden Musiklehrer. Andreas Bader schien vollends in seinem Element zu sein – ob bei „Summertime“ von George Gershwin, „Streetlife“ von Joe Sample oder dem Santana-Hit „Oeye come va“ von Tito Puente. Immer wieder gab es spontanen Applaus für gelungene Soloeinlagen wie die von Julius Englisch am Schlagzeug. Der Funke sprang über, es wurde mitgeklatscht und mitgewippt.

Einen ganz anderen Akzent setzte das Sinfonieorchester des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums in Stuttgart unter der Leitung von Gereon Müller: Gespielt wurden Variationen über ein Rokokothema für Violoncello und Orchester von Peter Tschaikowsky. Damit begab sich der russische Musiker in eine Epoche, in der die Menschen weißgepuderte Perücken trugen und die Lust am Tanzen groß war. Nur zu toppen war diese wohl von dem Applaus, den die Gäste aus der Landeshauptstadt und beim Schools Day erhielten.

Marion Blum
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