BESIGHEIM | 16. August 2008

Tiefschlaf mit offenen Augen

Das Robert-Breuning-Stift der Evangelischen Heimstiftung kümmert sich seit 2002 um Wachkoma-Patienten. Derzeit werden dort 27 Menschen betreut. Das stellt hohe Anforderungen an Patienten, Angehörige und Pflegekräfte. Der erste Teil der LKZ-Serie über die Situation in Alten- und Pflegeheimen gibt einen Einblick in die Wachkoma-Station.

Bild: Martin Goldhahn

Bis heute weiß die Medizin nur wenig über das Wachkoma. Patienten in diesem Zustand haben die Augen geöffnet, nehmen ihre Umwelt aber scheinbar nicht wahr. Häufig handelt es sich um junge Menschen, die nach Unfällen im Arbeitsalltag oder im Straßenverkehr in einen vegetativen Zustand fallen. In Deutschland gibt es schätzungsweise 10 000 bis 12 000 Betroffene.
Das Robert-Breuning-Stift in Besigheim ist das einzige Pflegeheim im Landkreis Ludwigsburg, in dem eine spezielle Abteilung zur Pflege von Wachkoma-Patienten zur Verfügung steht. Dort werden 27 Menschen betreut, die wegen schwerer Hirnschädigungen auf therapeutische Pflege angewiesen sind.
20 Pflegekräfte, Krankenschwestern und Schüler kümmern sich um die Wachkoma-Patienten. In der Regel sind auf Pflegestationen die Hälfte der Mitarbeiter voll ausgebildete Pflegekräfte. „Bei uns sind es 80 Prozent“, sagt Peter Rüger, Leiter der Pflegedienstabteilung des Robert-Breuning-Stifts. Die Betreuung stellt hohe Anforderungen an das Personal, sowohl fachlich als auch im zwischenmenschlichen Umgang. „Weil es sich oft um junge Patienten handelt, sind deren Angehörige zumeist im gleichen Alter wie die Pflegekräfte“, sagt Rüger. Das erfordere großes Einfühlungsvermögen – schließlich gerieten die Patienten direkt aus ihrem Alltagsleben in eine Pflegesituation. „Bei alten Menschen rechnen die Angehörigen eher damit, dass irgendwann der Pflegefall eintritt“, so der Pflegedienstleiter.
In Besigheim werden Wachkoma-Patienten der Phase F betreut. Also Menschen, die dauerhaft gepflegt, therapeutisch versorgt und sozial betreut werden müssen, nachdem eine Rehabilitation keine Besserung mehr verspricht. „Das heißt aber nicht, dass keine Hoffnung besteht“, betont Rüger. Mit Hilfe von Ergotherapie, Krankengymnastik und Logopädie könne es durchaus gelingen, den Patienten wieder ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Als Übergangshilfe hierhin betreibt die Evangelische Heimstiftung in Walheim betreute Wohnungen, in denen sich die Patienten wieder an einen selbstständigen Alltag gewöhnen können. „Wenn es unseren Phase F-Patienten in Besigheim besser geht, können sie dorthin“, sagt Peter Störl, Leiter des Robert-Breuning-Stifts.
Auch vier ehrenamtliche Helfer tragen dazu bei, dass sich Wachkoma-Patienten in Besigheim gut aufgehoben fühlen. Sie gehen mit ihnen spazieren, helfen beim Essen und Trinken oder erledigen Boten- und Behördengänge. Peter Rüger schätzt die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiter sehr. „Die Pflegekräfte haben einfach nicht genug Zeit, sich um solche einfachen Tätigkeiten zu kümmern“, sagt der Pflegedienstleiter.
Im Gegensatz zu der bei Medizinern verbreiteten Ansicht, dass Wachkoma-Patienten kein Bewusstsein haben, sagt Rüger: „Einer unserer Patienten, der eines Tages aus demKoma erwachte, konnte sich an Sachen, die er in der Phase F erlebt hatte, erinnern. Ich glaube schon, dass da ein Bewusstsein ist.“
Info: Wer Interesse an ehrenamtlicher Mitarbeit im Robert-Breuning-Stift hat, kann unter Telefon (0 71 43) 6 70 weitere Informationen erhalten. Ansprechpartner ist Einrichtungsleiter Peter Störl.

Frank Klein
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