Sichelhenket
Mundelsheim | 27. August 2012

Traditionsfest mit viel Schwung

Die Mundelsheimer feiern ausgiebig und gerne, wie die 20. Auflage der Sichelhenket am Wochenende gezeigt hat

So war es früher üblich: Mit Dreschflegeln wird das Korn von den Ähren getrennt.
So war es früher üblich: Mit Dreschflegeln wird das Korn von den Ähren getrennt.
Foto: Holm Wolschendorf

„Wir haben den Wind belauscht, der durch die Reben rauscht“, singt der Mundelsheimer Liederkranz. „Er sagt der Wein in diesem Jahr wird wunderbar.“ Über der Hindenburgstraße auf Höhe der Gaststätte Zur Sonne ist ein Ernteseil gespannt. Daran hängen Blumensträuße, Sonnenblumen, Vespersäckle, ein Krug und eine Sichel. Sie ist das Symbol und der Namensgeber für die 20. Mundelsheimer Sichelhenket, die am Wochenende wieder Tausende Besucher ins Trollingerdorf gelockt hat. Die Sichelhenket steht traditionell am Ende der Getreideernte. „Sie ist das größte Fest in Mundelsheim“, sagt der Bürgermeister Holger Haist. „Und das will schon etwas heißen. Wir feiern nämlich gerne und viel.“ Am Samstagnachmittag holte sich der Schultes Unterstützung zum Fassanstich. Mit von der Partie war die württembergische Weinkönigin Petra Hammer aus Untertürkheim, die nur einen Schlag brauchte, um eine Weißweincuvée aus dem Fass, das einheimische Wengerter gestiftet hatten, fließen zu lassen. Es war Hammers erster offizieller Besuch als Weinkönigin in Mundelsheim.

Sie lobte die Reben am Käsberg und nutzte ihren Auftritt für ein Plädoyer für württembergischen Wein. „Wir haben ein Anbaugebiet mit so vielen unterschiedlichen Rebsorten. Da ist es immer wieder spannend, etwas Neues zu entdecken.“ Dem neuen Weinjahrgang schaut sie optimistisch entgegen. Am Samstagnachmittag wünschte sie sich für die Weingärten noch ein paar Tropfen Regen – ein Wunsch, der am Abend in Erfüllung ging. Vorher eroberte die Gruppe von Dieter Reiner die Mundelsheimer Bühne. Die vier Männer zeigten, wie Bauern früher das Korn gedroschen haben. Dabei wird das Getreide zu Garben zusammengestellt und mit Dreschflegeln aus den Ähren gelöst. Es ist eine anstrengende Arbeit. Nach der Demonstration löschte die Gruppe ihren Durst mit Trollinger und lud zu einer Prominentenrunde ein. Mit dabei am Dreschflegel Bürgermeister Haist, der CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Hollenbach und Gäste aus der französischen Partnerkommune La-Motte-Servolex. „Das sah teilweise ganz schön gefährlich aus“, fand Reiner schmunzelnd. Die französischen Freunde waren bei der 20. Sichelhenket auch mit einem eigenen Stand vertreten. Dort servierten sie zum Wein eine Spezialität aus den Savoyen: Diots-Crozets – Würste in Weißwein und mit Zwiebeln gekocht. Die deutsche Seite tischte Ochsenbrust, Leberkäs oder Kräuterkässchnitten auf.

Die Landfrauen befeuerten derweil ihr Backhaus und stellten Zwiebel- und Kartoffelkuchen her. Ihren Besuchern demonstrierten sie zudem traditionelles Brotkorbtragen. Dabei balancierten sie einen Korb auf dem Kopf, in dem Teig liegt. „Manche schaffen das ganz wunderbar, andere bekommen kaum ein paar Schritte hin“, sagte die Landfrau Brigitte Haar.

So ähnlich sieht es auch beim Sauschätzen des Liederkranzes aus. Die Aufgabe: Das Gewicht eines Schweins schätzen. Der erste Preis: die zu schätzende Sau. „Meistens sind die Leute froh, wenn sie nicht gewonnen haben“, sagt der Liederkranzchef Jürgen Wörner. Die Weinkönigin Petra Hammer darf die Sau übrigens nicht mit nach Hause nehmen. „Ich bin immer ganz schlecht bei solchen Sachen“, räumt die 25-Jährige ein. Auch der Abgeordnete Manfred Hollenbach ging leer aus. „Wahlen und Sauen kann man nicht schätzen.“

Auch wenn die 20. Sichelhenket gestern stimmungsvoll und fast herbstlich zu Ende ging, bleibt das Ernteseil laut Bürgermeister Haist noch ein wenig hängen. Das wurde in diesem Jahr zum ersten Mal seit Jahren nicht mehr vom Schuljahrgang 1952 angefertigt, sondern von einer Frauengruppe. Unter der Erntekrone steht: Danket dem Herrn.

Philipp Schneider
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