LUDWIGSBURG | 07. Mai 2008

Vierbeinige Missionarin in Sachen Boxer

Wenn ich nach Ludwigsburg ziehe, schaffe ich mir einen Hund an“, hat sich Pfarrerin Gisela Vogt vor ihrer Versetzung an die evangelische Friedenskirchengemeinde selbst versprochen.


Das ist gut elf Jahre her und aus der Sache mit dem Hund ist dann bis vergangenen Herbst nichts geworden. Da war es dann genug der Stille im Pfarrhaus an der Jägerhofallee. Ein junger Hund sollte es sein, „damit ich ihn noch prägen kann“, sagt Gisela Vogt.
„Ich bin mit Boxern aufgewachsen“, erklärt sie. Nun wollte sie wieder einen haben. Doch fast alle, denen sie von ihrem Plan erzählte, rieten ab. „Boxer sind so hässlich, sie sabbern. Alles Mögliche bekam ich da zu hören“, sagt sie.
Doch dann kam Line. „Ich hab mir beim Züchter die Welpen angeschaut und sie ist mir sofort entgegengehüpft,“ so die Pfarrerin. „Es war Liebe auf den ersten Blick. Auch als ich sie einige Wochen später abgeholt habe, hat sie nicht eine Sekunde geweint.“
„Sie hat mein Leben verändert, ihm mehr Qualität gegeben“, hat Gisela Vogt festgestellt. Was immer sie tut, ist da jetzt ein Gegenüber. Und wenn sie vom Schulunterricht nach Hause kommt, wird sie jetzt immer stürmisch begrüßt. „Meine Hupfbrummel“ nennt sie ihre Line liebevoll, wenn die sich vor Freude mal wieder kaum beruhigen kann. „Line hilft mir, auf mich selbst zu achten“, so Gisela Vogt. Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch war einmal: „Sie ist die Wächterin meiner Pausen“ sagt sie und lacht.
Längst ist aus dem einst knuffeligen Hundebaby ein elegantes Mädchen geworden, von bullig-kräftig keine Spur. Was daran liegen mag, dass Fressen im Leben von Line eine Nebenrolle spielt. „Sie ist sehr eigenwillig und auch nicht mit Leckerli zu ködern“, hat Gisela Vogt schon festgestellt. „Ich finde aber gerade das Charaktervolle an ihr so toll.“
Dafür will Line oft spielen. Am liebsten mit Frauchen oder dem bunten Gummi-Ei, das so schön quietscht und ein Küken zum Vorschein bringt, wenn sie darauf beißt.
Gassi gehen und im Freien herumtollen ist Lines zweite Leidenschaft. Prima, dass Frauchen da so nahe am Salonwald wohnt. Manchmal gehen die beiden auch noch weiter Richtung Kornwestheim über den Golfplatz. Da hat Line einem Golfer schon mal den Ball gemopst und mochte ihn eigentlich auch nur ungern wieder hergeben. „Der Mann war aber sehr nett und hat sich nur gesorgt, dass sie den Ball vielleicht verschluckt und sich damit etwas tut“, so Gisela Vogt.
Line kann aber auch ganz anders. „Wenn ich hier im Pfarrhaus Besuch habe, geht es oft um sehr ernste Dinge. Line spürt, wenn jemand traurig ist, und wird dann selbst ganz still oder legt einfach mal den Kopf in den Schoß des Gastes.
Längst ist Line zum Liebling vieler Mitglieder der Friedenskirchengemeinde geworden. Im Gottesdienst darf sie zwar nicht mit auf die Kanzel, aber im Konfirmandenunterricht und auf der Konfirmandenfreizeit ist sie immer dabei. „Menschen, mit denen ich noch nie näheren Kontakt hatte, haben uns auf einmal eingeladen, weil sie Line kennenlernen wollten“, so Gisela Vogt.
„Plötzlich komme ich mit manchen Leuten ganz anders ins Gespräch“, so die Pfarrerin. „Jetzt sind alle begeistert und finden sie auch schön. Sie ist eine richtige Missionarin in Sachen Boxer geworden.“

Annette de Cerqueira
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