LUDWIGSBURG | 21. August 2008

Vor 200 Jahren: Manufaktur feiert sich mit einer Tasse

Die Porzellan-Manufaktur hat aus Anlass des 250-jährigem Bestehens in diesem Jahr eine goldene Tasse herausgebracht. Auch zum 50. Geburtstag der Manufaktur, also vor 200 Jahren, hatte man diese Idee.

Bild: Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württem

Aus den Jahren zwischen 1806 und 1816, der Regierungszeit König Friedrichs von Württemberg, stammt eine Tasse mit Unterteller in der für die Manufaktur Ludwigsburg typischen Form. Beides ist dekoriert mit Rundbildern in sogenannter Sepiamalerei. Diese aus dem getrockneten Beutel des Tintenfischs gewonnene Malfarbe eignete sich vorzüglich für fein abgestufte Ton-in-Ton-Gemälde und entsprach in ihrer zurückhaltenden Farbigkeit dem Geschmack der Zeit um 1800. Auf der Stirnseite der Tasse ist eine sitzende junge Frau wiedergegeben. Auf dem Schoß hält sie ein Kleinkind.
Im Gegensatz zu diesem Bild privaten Glücks strahlt die Darstellung im Zentrum des Untertellers etwas Feierliches aus: Eine mächtige Palme markiert die Mitte der Szene. Im linken Bildteil legt eine junge Frau den Arm um eine hohe, mit Reliefs verzierte Deckelvase. Des weiteren sind eine Tasse auf Löwenfüßen, eine Deckelurne und eine Skulptur zu erkennen. Die Frau hält ein Modellierholz in der Hand.
Rechts der Palme ist eine zweite Frau mit Pinsel und Palette damit beschäftigt, eine Trichtervase zu bemalen. Am Stamm der Palme hängen, von der Königskrone überfangen, zwei Ovalschilde. Sie tragen die ineinander verschlungenen Buchstaben FR für König Friedrich von Württemberg beziehungsweise ein M für Königin Charlotte Mathilde.
Das Bild auf dem Teller stellt offenbar das Modellieren und das Bemalen, die wesentlichen Arbeiten einer Porzellanmanufaktur, dar und verherrlicht mit den in die Palme gehängten Monogramm-Schilden die königlichen Betreiber der Ludwigsburger Fabrik.
Das zweigeschossige Gebäude im Hintergrund des schmuckvoll gestalteten Tellers gibt demnach wohl das sogenannte Jägerhaus wieder, in dem die 1758 gegründete Manufaktur untergebracht war.
Üppige Goldranken rahmen das Bild auf dem Unterteller und füllen die seitliche Wandung der Tasse. Geflügelte Genien, dem lebhaften Kind auf dem Schoß der jungen Frau nicht unähnlich, tummeln sich in den aufgerollten Blättern.
Diese eher ungewöhnliche Ornamentik auf beiden Teilen macht deutlich, dass Tasse und Unterteller zweifelsfrei zusammengehören. Folglich kann auf der Tasse nicht irgendein Kind mit seiner Mutter wiedergegeben sein, sondern es muss sich um Mitglieder der königlichen Familie handeln.
In Frage kämen Prinz Friedrich, der 1808 geborene erste männliche Enkel des württembergischen Königspaares, und seine Mutter Charlotte, die Gemahlin des Prinzen Paul. Im selben Jahr 1808 konnte die Ludwigsburger Porzellanmanufaktur ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Die zunächst befremdliche Kombination der beiden so unterschiedlichen Bilder ließe sich damit erklären.

Sabine Hesse
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