Ein überraschendes Geschenk
Ein überraschendes Geschenk
Neugier, gespannte Erwartung, aber auch ein wenig Unsicherheit: All das ist in den Gesichtern der knapp 30 jungen Leute zu lesen, die gestern Morgen im Ludwigsburger Klinikum empfangen worden sind. Es sind junge Spanierinnen und Spanier, die sich auf Stellenangebote des regionalen Klinikenverbunds in ihrer Heimat gemeldet haben und nun ihr berufliches Glück in Deutschland suchen.
„Cordial bienvenida“ – herzlich willkommen wird als Schriftzug vom Beamer an die Wand geworfen und die Vertreter der Kliniken-Holding, die in offizieller Mission die neuen Fachkräfte für die Operationssäle und die Intensivpflege begrüßen, mühen sich redlich, den Neuankömmlingen einen freundlichen Empfang zu bereiten. Die medizinische Geschäftsführerin Andrea Grebe spricht ihre ersten Sätze auf Spanisch, auch Personalleiter Wolfgang Stahl hat ein Sprüchlein auf Spanisch parat.
Wie berichtet, hat die regionale Klinikenholding (RKH), zu der auch die Krankenhäuser im Landkreis Ludwigsburg gehören, wegen des Fachkräftemangels hierzulande gezielt Personal in Spanien angeworben. Mit Erfolg: Auf die 30 angebotenen Stellen haben sich 100 Bewerber gemeldet, 60 von ihnen wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.
Die verliefen allerdings in einem eher unüblichen Rahmen. Stahl und Pflegedienstleiter Klaus Pachl reisten zusammen mit einer Spanisch sprechenden Mitarbeiterin der Personalabteilung und einem Dolmetscher Anfang September nach Spanien, wo drei Vorstellungsrunden in Madrid, Malaga und Valencia angesetzt waren. In Hotels wurden sowohl Räume für die Einzelgespräche angemietet als auch jeweils ein Saal, in dem Stahl den Bewerbern den Klinikenverbund und die Krankenhäuser, aber auch das Umfeld der Hospitäler vorstellte. „Wir haben zwar versucht, die Orte möglichst dezentral zu wählen, aber viele Bewerber hatten trotzdem eine sehr lange Anreise zu bewältigen. Allein das verdient schon höchsten Respekt“, sagte Stahl rückblickend. 28 Pflegekräfte – überwiegend Frauen – haben sich schließlich entschieden, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Sie kommen aus Sevilla und Alicante, aus Murcia, sogar aus Teneriffa. 14 von ihnen werden am Ludwigsburger Klinikum eingesetzt, davon acht im OP, fünf in der Neurochirurgie und eine in der Neurologie. Auf der Intensivstation des Bietigheimer Krankenhauses wird es künftig fünf spanische Mitarbeiter geben, im Krankenhaus Neuenbürg acht und an die Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal wird eine Kraft abgeordnet.
Bis die neuen Kollegen eingesetzt werden können, vergeht aber noch einige Zeit. Denn von heute an werden die Spanier erst einmal Deutsch büffeln – und zwar sehr intensiv, sechs Tage die Woche. Ziel: Sprachlevel B2. Das heißt, sie sollen sich in ein paar Monaten weitgehend fließend in der Fremdsprache unterhalten können. Von Dezember oder Januar an wird der Sprachunterricht dann mit Praktikumseinsätzen in den Kliniken ergänzt. Wolfgang Stahl geht davon aus, dass die spanischen Pflegekräfte im März oder April 2013 sprachlich so weit sind, dass sie die deutsche Anerkennung ihres Berufes beantragen können.
Bis dahin sind die Spanier über Praktikantenverträge angestellt, verdienen 1500 Euro brutto im Monat und müssen davon ihre Unterkunft im Wohnheim, Verpflegung und sonstigen Lebensunterhalt bestreiten. Danach wird ihnen ein unbefristeter Arbeitsvertrag nach den hier üblichen und tariflich festgelegten Konditionen angeboten.




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