LUDWIGSBURG | 16. Juni 2008

Was Max an Schuhen so fasziniert

Frieder Grau ist Frühaufsteher. Bewohner der Karlshöhe sehen den Direktor der diakonischen Einrichtung oft schon um sechs Uhr morgens in Richtung Salonwald oder zwischen den nahen Feldern spazieren. Immer mit dabei: Max, der West Highland White Terrier, der mit Hingabe Gräser und Halme beschnuppert.

Bild: Alfred Drossel
Was anfangs reine Pflichttouren waren, hat sein Herrchen inzwischen schätzen gelernt: „Das ist eine sehr kreative Phase des Tages“, erklärt Grau. Da sind seine Gedanken schon beim nächsten Gottesdienst und auch „Tatort Diakonie“, das Motto des diesjährigen Karlshöher Jahresfestes, ist ihm bei so einem morgendlichen Gang in den Sinn gekommen.
Auch Max liebt Rundgänge jeder Art und am liebsten würde er immer noch eine weitere Abzweigung nehmen, ehe es wieder heim Richtung Mößnerweg geht.
Sein Frauchen, die Kinderbuchautorin und Gesundheitspädagogin Edith Haberzeth-Grau, kennt diese Leiderschaft fürs Gassigehen nur zu gut. „Er schaut immer auf die Schuhe, die ich anziehe“, erzählt sie und lacht. „Wenn ich die bequemen flachen trage, mit denen ich mit ihm raus gehe, dann ist er ganz aufgeregt und wedelt mit dem Schwanz. Trage ich welche mit höheren Absätzen, trottet er davon oder legt sich hin.“
Nach immerhin schon über zehn Jahren des Zusammenlebens kennen sich die beiden ganz genau. „Dabei waren mein Mann und ich Hunde gar nicht gewöhnt“, erzählt Edith Haberzeth-Grau. „Ich habe ursprünglich auch die Verpflichtung gescheut“, bekennt Frieder Grau. Aber die Tochter hätte sich immer sehnlich einen Hund gewünscht und als mal wieder ein Umzug in eine neue Pfarrgemeinde anstand, hätte man ihr diese Bitte nicht länger abgeschlagen.
Inzwischen sind die Tochter und auch die zwei Söhne längst erwachsen und aus dem Haus. Max leistet den Graus seither alleine Gesellschaft. „Dass er so eine nette Bereicherung unseres Lebens sein würde, hatte ich nicht erwartet“, so Edith Haberzeth-Grau. Er sei zwar kein Schoßhund, freue sich aber über Zuneigung. Bis heute bringt er sie immer wieder zum Schmunzeln oder Lachen. Wenn er zum Beispiel mal wieder vergeblich quer durch den Garten einer Katze nachsaust oder mit Hingabe und großem Geschick einen Joghurtbecher nahezu spülmaschinensauber schlabbert.
„Er denkt, er sei clever, und oft ist er es auch“, erzählt sie weiter. „Einmal hat er in der Nacht so lange gejault, gebellt und an der Schlafzimmertüre gekratzt, bis wir nachgesehen haben und feststellen mussten, dass Wasser ins Arbeitszimmer gelaufen war.“
„Nach sechs Jahren hier gehört Max auch schon zur Karlshöhe“, so Frieder Grau. Das Areal zwischen Paulusweg und Wichernstraße ist ein fester Bestandtteil seiner Welt. „Viele hier kennen ihn und obwohl er sonst zurückhaltend gegenüber Fremden ist, lässt er sich von jungen Körperbehinderten auch gerne streicheln“, berichtet Grau. „Was, Sie sind der Direktor?“, hätte neulich ein Auszubildender überrascht zu ihm gesagt, als die beiden erstmals beruflich aufeinander trafen. „Er hat mich zuvor nur als Begleitperson von Max gekannt“, lacht er.
„Ein lieber Hausgenosse“ ist der kleine, weiße Wicht für ihn geworden. Und durch ihn hat er auch etwas Wichtiges gelernt, sagt er. Nämlich, „dass die Schöpfung viel mehr ist als der Mensch allein: Tiere und Pflanzen gehören eindeutig zu diesem Wunder mit dazu.“


Annette de Cerqueira
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