LUDWIGSBURG | 17. Juli 2008

Was ein Porzellan-Achill mit Cannstatt zu tun hat

Aus sogenanntem Biskuitporzellan wurde in der Porzellanmanufaktur Ludwigsburg die Gruppe von Thetis und Achill gearbeitet. Die rein weiße Masse, die man bewusst nicht glasierte, um ihr den Anschein von Marmor zu verleihen, passt gut zu diesem Thema aus der antiken Mythologie: Thetis, die Mutter des griechischen Helden, kniet vor dem Betrachter. Sie hat ihren kleinen Sohn am Fußgelenk gefasst und taucht ihn kopfüber in einen Fluss.

Peter Frankenstein/Hendrik Zwietasch, Landesmuseum Württemberg


Man kennt die Aufregung, die aus der Geste der jungen Mutter spricht. Man hat ihrem Sohn den frühen Tod in einer Schlacht geweissagt. Um dieses schreckliche Schicksal abzuwenden und ihr Kind unsterblich zu machen, taucht sie es in das Wasser des Styx, der durch die Unterwelt fließt. Lediglich dort, wo ihre Hand den Sohn hält, an der Achillesverse, bleibt er verwundbar und wird deshalb, dem Orakel entsprechend, im Kampf um Troja ums Leben kommen.
Die Gruppe von Thetis und Achill ist Teil einer Serie von Figuren und Gruppen, die in Porzellan und in kleinem Format die Skulpturen der heute verlorenen Balustrade von Schloss Solitude wiederholen. Der württembergische Hofmaler Nicolas Guibal hatte den Zyklus für das zwischen 1763 und 1769 erbaute Lustschloss Herzog Carl Eugens entworfen. Eine halbkreisförmige, mit 28 Figuren und Gruppen besetzte Steinbalustrade hatte den Vorplatz des Schlosses einst umschlossen.
In einem Skizzenbuch Guibals, das in der Grafischen Sammlung der Staatsgalerie aufbewahrt wird, sind alle 28 Gruppen wiedergegeben und mit Kommentaren des Künstlers in französischer Sprache versehen. Hieraus erfährt man, wie die Gruppe von Thetis und Achill gemeint war und verstanden werden wollte: „Ce grouppe est allegorique aux bains de Wildbade et Canstatt et autres qui sont tres salutaires et dont le Würtemberg est plein.“ (Diese Gruppe ist sinnbildlich für die Bäder von Wildbad, Cannstatt sowie anderen, die sehr heilsam sind und von denen Württemberg voll ist.)
Das Unsterblichkeit verleihende Wasser des Unterweltsflusses Styx schien demnach im 18. Jahrhundert ein angemessenes Bild für die Heilkraft der württembergischen Quellen von Wildbad und Cannstatt.
Die für Schloss Solitude geschaffenen Skulpturen verfielen bald und wurden im frühen 19. Jahrhundert komplett abgetragen.
Zwölf der ursprünglich 28 Figuren und Gruppen sind im Bestand des Landesmuseums vorhanden. Zusammen mit Reproduktionen aus dem Skizzenbuch von Nicolas Guibal kann man sie in der Studiensammlung des Ludwigsburger Keramikmuseums (im Schloss) besichtigen.

Sabine Hesse
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Mein Ort
Wählen Sie Ihren Ort
GerlingenDitzingenKorntal-MünchingenHemmingenSchwieberdingenEberdingenVaihingen an der EnzMöglingenLudwigsburgAspergKornwestheimRemseck am NeckarMarkgröningenOberriexingenSersheimTammFreiberg am NeckarBenningenMarbach am NeckarErdmannhausenAffalterbachSteinheim an der MurrMurrPleidelsheimIngersheimBietigheim-BissingenSachsenheimFreudentalLöchgauBesigheimHessigheimMundelsheimGroßbottwarOberstenfeldPrevorstGemmrigheimWalheimErligheimBönnigheimKirchheim am NeckarOttmarsheim
Nachrichten und mehr aus Ihrer Region!
Kinoprogramm
Schnellsuche

Wählen Sie eine oder mehrere der folgenden Suchoptionen aus:

Anzeige