18.08.2012

Wengerter hoffen auf guten Herbst 2012

Frost und Hagel vergrätzten den Winzern im Landkreis die Ernte in den vergangenen beiden Jahren. Nun blickt man in Bottwartal, Mundelsheim und Rosswag verhalten optimistisch auf September.

Blick auf Großbottwar: So sehen die Trauben auf einem Bottwartaler Weinberg gestern Mittag aus.

„Die Wengerter in Württemberg können durchatmen“, verkündet der Weinbauverband Württemberg in einer Pressemitteilung. Nach zwei kleinen Jahrgängen und teilweise Totalausfällen durch Hagel und die Mai-Fröste 2011 rechne Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl mit guter Qualität und ausreichender Menge: „Die warmen Tagestemperaturen und kühle Nächte bringen fruchtige Weine.“ Die endgültige Qualität hänge aber vom weiteren Witterungsverlauf ab.

„Teilweise wurden bis zu 60 Prozent der Weinberge verhagelt“, relativiert dagegen Dieter Betzelberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bottwartaler Winzer. Das betreffe einzelne Mitglieder der Genossenschaft. Für den Gesamtbetrieb sei das nicht gravierend, für einige Betroffene ohne Versicherung dagegen schon. Zudem geht es der Traube wie dem sonnenanbetenden Menschen am Meeresstrand: Bei großer Hitze von 35 oder 36 Grad könnten Trauben Sonnenbrand bekommen. Sie verfärben sich laut Betzelberger dann rot, werden „lommelig“, weil sie austrocknen, und sind nicht mehr zu verwenden. Diese Gefahr sei aber fast vorüber.

Der Kellermeister der Bottwartaler Winzer, Eberhard Lang, sagt, nun komme es auf die letzten sechs bis acht Wochen vor der Ernte an. Deren Beginn schätzt er auf den 15. bis 20. September. „Die Zielgerade entscheidet über die Qualität.“ In den kommenden Wochen dürfe es nicht zu heiß und nass sein. Denn wenn es zu viel regne, müsse früh mit der Ernte begonnen werden, damit die Trauben nicht faulen. Doch eine späte Ernte sei besser. „Eine gute Ausreifung wirkt sich positiv auf Aroma und Farbe aus“, erklärt Lang. Doch momentan sehe es gut für die Qualität aus. Die Menge falle geringer aus. Lang rechnet mit 90 bis 95 Litern je Ar, normal und gesetzlich erlaubt sei eine Ausbeute von 110 Litern pro Ar.

Reinhard Schäfer bestätigt die Einschätzung für sein Weingut in Kleinbottwar. Er rechne mit einer Ausbeute von 50 bis 60 Litern pro Ar – dass der Ertrag unter den anderen liege, sei seinem Biobetrieb geschuldet. Durch einen Hagelschaden am Götzenberg habe er zudem Ertragseinbußen beim Trollinger und Spätburgunder. Dennoch sagt der Winzer: „Was der Markt braucht, wird wahrscheinlich wachsen.“ Und die Qualität der Trauben schätzt er als gut ein. Auch Markus Bruker hatte ein Hageldebakel an zwei Weinbergen. Doch bis auf diese Schäden verzeichne er bei seinem Weingut in Großbottwar eine normale Ernte. Er hofft nun auf gutes Klima im „elementaren Monat September“.

Das sieht laut Jürgen Essig, Kellermeister der Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen wie folgt aus: Jeden Tag müsse die Sonne scheinen und einmal wöchentlich in der Nacht von Samstag auf Sonntag solle es 20 Liter pro Quadratmeter regnen. Die vergangenen sechs Wochen seien vom Klima her für den Weinbau optimal gewesen und hätten den Reben einen Vegetationsschub verschafft. Essig rechnet mit einem „normalen Herbst“ mit Erträgen von 100 bis 110 Litern je Ar.

Der Vegetationsvorsprung von ein bis zwei Wochen zeigt sich bei allen befragten Weinbauern – diese begrüßen das. „Der Vorteil daran, dass wir früher dran sind, ist, dass wir auf ein höheres Qualitätspotenzial pokern können“, sagt Friedrich Fink von der Weingärtnergenossenschaft Mundelsheim. Denn so ergebe sich die Chance, die Trauben vor der Ernte länger reifen zu lassen, bevor der kalte Herbst kommt. Für die Mundelsheimer Wengerter erwartet er aber keine Steigerung bei der Erntemenge. Denn die Ernte 2011 war in Mundelsheim schon besser als in den umliegenden Gebieten, da die Weinberge von Hagel verschont geblieben waren.

Für die kommenden Wochen hoffen die Winzer nun, dass es keine Unwetter gibt, es hin und wieder tröpfelt und die Temperatur nicht über 30 Grad steigt. Denn das ergäbe ein ungesundes Rot.

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