06. September 2007

Widerstand

Demonstrieren wollen die deutschen Wengerter noch nicht gegen die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Weinmarktordnung. Sie setzen momentan mehr darauf, Mitkämpfer in anderen EU-Ländern zu suchen, und glauben, diese insbesondere in den ost- und südosteuropäischen Staaten gefunden zu haben. Denn denen passt der von Brüssel eingeschlagene Weg auch nicht.


Sie alle sind vor Wochen kalt erwischt worden, als die zuständige Landwirtschaftskommissarin ein Papier vorlegte. Statt mehr Markt bringt es mehr staatlichen Dirigismus. Statt die Verantwortung vor Ort auch finanziell zu stärken, wird Brüssel zur zentralen Subventionsverteilungsstelle.
Zudem macht sich die EU zum Interessensvertreter der südeuropäischen Länder wie Italien mit dem Verbot von Zucker zum Nach-Süßen und der Verpflichtung, stattdessen Traubensaftkonzentrat einzusetzen – das vor allem aus dem Süden Europas bezogen werden muss. Beleg für die Schlagseite des Konzepts ist auch der geplante Geldsegen für alle, die Schnaps aus Wein machen – weil sie zu viel Rebensaft produzieren.
Dabei hatte der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg noch im Dezember verkündet, alles werde gut. Die Zeichen aus Brüssel seien positiv. Zumal sich ein hoher Beamter auch vor Ort – unter anderem im Kreis Ludwigsburg – über die Weinwirtschaft informiert hatte.
Gestern nun verkündete Baden-Württembergs Weinbauminister Peter Hauk bei der Herbstfahrt des Weinbauverbandes den Widerstand, nachmittags tat dies Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer in Südbaden. Der Gast aus Berlin sagte, Deutschland trage mit 0,0 Prozent zur Wein-Überproduktion in Europa bei – doch sei es das Land, das bei der geplanten Reform am meisten belastet werde.
Klar ist: Man wird einen langen Atem brauchen, um eine Kurskorrektur zu erreichen. Die letzte Weinmarktreform der EU trat im Jahr 2000 in Kraft – nach siebenjähriger Debatte. Die Württemberger hoffen, dass das Projekt doch noch bis spätestens Sommer 2008 zu einem guten Ende gebracht werden kann.
Brüssel muss sich bewegen. Nutznießer eines langen Kampfes wäre die Konkurrenz aus Australien, Kalifornien, Chile oder Südafrika. Denn sie drängt schon jetzt gewaltig auf den europäischen Markt.

Günter Bächle
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