LUDWIGSBURG | 12. Juni 2008

Wo Behinderte eine Arbeit finden

Die Globalisierung macht selbst vor Behindertenwerkstätten nicht halt. Auch die Theo-Lorch-Werkstätten gGmbH spüre die Veränderungen in der Wirtschaft und den zunehmenden Konkurrenzdruck, sagt deren Verwaltungsleiter und stellvertretender Geschäftsführer, Joachim Knoll.

Der Konkurrenzdruck sei im Bereich der Automobilzulieferer, für die die Werkstätten vor allem produzieren, besonders hart. Deshalb müssten auch die Behindertenwerkstätten zunehmend auf betriebswirtschaftliche Effizienz, Liefertermine und Produktqualität achten, um Aufträge zu erhalten oder neu zu akquirieren. Dabei seien aber nicht Gewinne wie in der freien Wirtschaft das Ziel, sondern die Schaffung und Erhaltung einer möglichst großen Zahl von Arbeitsplätzen für Behinderte.
Schon seit einiger Zeit setzen die Theo-Lorch-Werkstätten nicht behinderte Leiharbeitskräfte ein, um Aufträge termingerecht erfüllen zu können oder einen Mehrschichtbetrieb fahren zu können, wo dies notwendig ist, um Kundenanforderungen gerecht zu werden. „Die sind aber nur dazu da, um die Spitzen abzufangen“, so Knoll. Derzeit sei die Auslastung in der Werkstatt wegen der guten Konjunktur sehr hoch, eine Umsatzsteigerung können praktisch nur über Leasingkräfte erreicht werden, wenn der Produktionsdruck auf die behinderten Mitarbeiter nicht noch weiter erhöht werden solle. Dennoch habe sich der Umsatz von 2006 auf 2007 wesentlich stärker erhöht als der Anteil der beschäftigten Leiharbeiter.
Mit Umstrukturierungen in der Arbeitsorganisation versucht die Führung der Theo-Lorch-Werkstätten effektiver zu werden und gleichzeitig wieder Leiharbeiter einzusparen. In der Ludwigsburger Werkstatt wurde bereits im letzten Jahr eine Frühschicht auf freiwilliger Basis eingeführt. Die 20 bis 30 Frühschichtler beginnen um 7.10 Uhr statt wie die anderen um 8 Uhr. „Das ermöglicht, die Maschinen von 7.10 bis 16 Uhr durchgehend laufen zu lassen, weil die Frühschicht auch versetzt Pause macht“, erläutert Knoll. Bisher habe man wegen der Pausen nur eine effektive Maschinenlaufzeit von sechs Stunden und 15 Minuten gehabt. In Ludwigsburg habe man deshalb eine Leasingarbeiterstelle wieder streichen können.
Die Einführung der Frühschicht habe zudem einen positiven Effekt für die Arbeitszufriedenheit, der gar nicht vorab einkalkuliert gewesen sei. Da es in der ersten Stunde in der Werkstatt ruhiger sei, könnten die Beschäftigten besser und effektiver arbeiten. Dies habe in den Gruppen auch den Produktionsdruck erheblich reduziert. Das neue, flexiblere Arbeitszeitmodell soll im Lauf des Jahres auch auf die anderen Standorte übertragen werden.
Gleichzeitig sind die Theo-Lorch-Werkstätten bemüht, den Anteil der Außenarbeitsplätze weiter zu erhöhen. In diesem Fall sind die Behinderten zwar bei den Theo-Lorch-Werkstätten beschäftigt, werden aber in Gruppen oder einzeln in Unternehmen in der freien Wirtschaft eingesetzt.
So sollen in einem neuen Projekt in den nächsten zwei Jahren zwölf neue Einzelarbeitsplätze geschaffen werden. Geplant ist laut Knoll auch die Einrichtung von zwei Maler-Arbeitsgruppen, die ebenfalls zwölf Stellen haben sollen. Schon jetzt liegen die Theo-Lorch-Werkstätten nach eigenen Angaben bei den Außenarbeitsplätzen weit über dem Landesdurchschnitt von knapp fünf Prozent. Mit 85 Außenarbeitsplätzen erreichen sie eine Quote von fast zwölf Prozent.

Jürgen Schmidt
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