15. Mai 2008

Wo psychisch Kranke für den Alltag trainieren

Wenn psychisch kranke Menschen aus der Klinik entlassen werden, kommen sie oft nicht mit ihrem Alltag klar. Einfachste Dinge wie Einkaufen oder mit dem Bus fahren, fallen schwer. Simon (Name geändert) ist einer von ihnen. Er hat Hilfe beim Psychosozialen Netzwerk gefunden.

„Als ich herkam, hab‘ ich mich schwergetan“, sagt Simon. Der 41-Jährige ist klein und schmal. Seit bald fünf Jahren wohnt er beim Psychosozialen Netzwerk in der Königsallee. „Mir gefällt es hier“, sagt er. Sein Ziel: „Ich möchte in eine Wohngemeinschaft ziehen.“
Das Psychosoziale Netzwerk umfasst ganz verschiedene Angebote, die alle ineinander greifen. Da ist zum einen das stationär betreute Wohnen, wo auch Simon ein Zuhause auf Zeit gefunden hat. „Die Bewohner lernen Stück für Stück, ihren Alltag zu meistern“, sagt Sozialpädagogin Ilona Wittmann. Das fange mit kleinen Dingen wie Tischdecken und einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme an und reiche bis zum selbstständigen Einkaufen im Supermarkt.
Wer wie Simon fit genug ist, kann ins ambulant betreute Wohnen wechseln. Diese Menschen wohnen in einer WG oder in der eigenen Wohnung, und werden dort von Mitarbeitern des Psychosozialen Netzwerks betreut. Zudem gibt es die Tagesstätte in der Hoferstraße. Hier kann man kommen und gehen ohne Anmeldung. Die Tagesstätte ist ein Treffpunkt, um dem Tag eine Struktur zu geben, um Kontakte zu knüpfen und um raus aus der eigenen Wohnung zu kommen.
Um den Bereich Arbeit kümmert sich der Integrationsfachdienst. Er vermittelt Arbeitsverhältnisse für psychisch kranke und schwer behinderte Menschen und begleitet diese.
„Unser Ziel ist es, die Personen in ein möglichst unbetreutes Leben zu führen“, sagt Ilona Wittlinger. Die Patienten, die zum Psychosozialen Netzwerk kommen, haben Ängste, hören Stimmen, fühlen sich verfolgt oder anderes. Sie kommen meist aus der psychiatrischen Klinik.
So war es auch bei Simon. „Ich hatte eine Psychose“, sagt er. Angefangen habe alles, als seine Mutter starb. Der Vater war zudem schwerer Alkoholiker. Simon kam in die Psychiatrie, später in ein Wohnheim. Er machte die Schule fertig und begann eine Lehre als Verkäufer. Die musste er aber wegen der Krankheit abbrechen. Vor fünf Jahren dann kam er zum Psychosozialen Netzwerk. „Seither hatte ich keine Rückfälle“, sagt er.
Simon hat gelernt, seine Medikamente regelmäßig zu nehmen, und sich ein neues Rezept zu holen, wenn die Arznei zu Ende geht. Er muss mit seinem eigenen Geld haushalten, einkaufen, waschen, putzen und sich selbst etwas zum Essen kochen. „Ich habe vor, in eine Werkstatt zu gehen“, sagt Simon zuversichtlich.

Julia Essich-Föll
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